Geplantes Tierkrematorium - „Die Emissionen sind der Knackpunkt.“

mlzTierkrematorium

„Die Emissionen sind der Knackpunkt“, sagt Bürgermeister Mike Rexforth zum geplanten Tierkrematorium. Zu dem Thema gebe es aber auch „viel Blödsinn in den Sozialen Medien“.

Schermbeck

, 17.09.2019, 09:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 14 „Krematorium für Heimtiere und Pferde am Hufenkampweg“ stand am Montagabend im Mittelpunkt einer öffentlichen Veranstaltung, zu der etwa 70 Besucher kamen. Rexforth schilderte zunächst die Historie, die zur Absicht der Weseler Firma Cremare führten, zwischen dem Kapellenweg und Hufenkampweg ein Tierkrematorium zu verwirklichen.

Als Fehlentwicklung im Bebauungsplan Hufenkampweg bezeichnete Rexforth vor allem zu viele unbebaute Flächen und die Möglichkeit, zwei Betriebsleiterwohnungen zu errichten. Um das zu korrigieren, läuft derzeit ein neues Bebauungsplanverfahren. Zwischenzeitlich verhindert eine verhängte Veränderungssperre die Fortsetzung der Fehlentwicklung.

Kein Widerspruch

Vor dem Cremare-Antrag für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan gab es Gespräche zwischen Firma, Gemeindeverwaltung und Schermbecker Politikern. Es habe von keiner Seite in diesem Gespräch einen Widerspruch zum Projekt gegeben, so Rexforth. Auch Genehmigungsbehörden hätten keine Ablehnung des Anliegens signalisiert.

Der Planungs- und Umweltausschuss vertagte am 4. Juli 2019 die Aufstellung des Plans. Das Projekt an sich wurde begrüßt, aber nicht am geplanten Standort. Die Verwaltung sollte mit dem Investor Gespräche führen und ihm Möglichkeiten aufzuzeigen, auf einem anderen Grundstück im Außenbereich der Gemeinde das geplante Krematorium zu errichten.

Die Firma blieb beim vorgesehenen Standort und warb am 28. August im Ramirez für ihr Projekt am Hufenkampweg. Rexforth zeigte viel Verständnis für die Emotionen der Anlieger, machte aber deutlich, dass die Verwaltung die Aufgabe habe, Bauanliegen ausschließlich auf der Basis der rechtlichen Vorgaben zu bewerten.

Vorgaben sind lückenhaft

Die Vorgaben seien aber in diesem Falle lückenhaft. „Die Emissionen sind der Knackpunkt“, stellte Rexforth fest. Für Kleintierkrematorien betragen die Abstände zu Wohngebieten 100 Meter, für Tierkörperbeseitigungsanlagen 1000 Meter. Für das beantragte „Krematorium für Heimtiere und Pferde“ gibt es im Baurecht bislang keine Abstandsvorgaben und auch keine höchstrichterlichen Entscheidungen.

Deshalb hat die Verwaltung das Umweltministerium befragt. Von dort gab es keine Antwort auf die Abstandsfrage, sondern einen Hinweis auf die Zuständigkeit des Kreises Wesel. Von dort kam am Donnerstag die Antwort, dass das Cremare-Vorhaben genehmigungsfähig sei, wenn die Firma nicht mehr als 150 Kilogramm pro Stunde im Jahresmittel kremiere.

Kurz vor Beginn der Infoveranstaltung erreichte die Verwaltung am Montag das Schreiben des juristischen Beistandes der Firma Cremare. Dieser stellte fest, dass das Tierkrematorium in seinem Emissionsverhalten auf keinen Fall dem einer Tierkörperbeseitigungsanlage entspreche, sondern vergleichbar sei mit einem Kleintierkrematorium. Die rechtliche Würdigung dieser Behauptung überlässt die Gemeinde dem Kreis Wesel.

Büro soll Gründe gegen Tierkrematorium suchen

Parallel will die Gemeinde prüfen, welche städtebaulichen Gründe man anführen kann, um baurechtlich das Projekt zu verhindern. „Uns ist nichts eingefallen“, bekannte Rexforth. Deshalb habe man nun ein Planungsbüro mit der Suche nach einer Antwort beauftragt. Rexforth hofft, dass die Antwort rechtzeitig vor der nächsten Sitzung des Planungsausschusses am 1. Oktober eintrifft, um eine Entscheidung für die Ratssitzung am 9. Oktober treffen zu können.

„Das ist für die Politiker keine leichte Aufgabe“, stellte Rexforth fest. Man müsse für eine Ablehnung gute und rechtlich nachvollziehbare Gründe finden, um das Projekt an dieser Stelle verhindern zu können.

Die Verwaltung wies auf die Möglichkeiten der Anlieger hin, sich juristisch zu wehren. Und auf die Möglichkeit anderer Bürger, im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens Einwände gegen das Projekt zu äußern.

Lesen Sie jetzt