Jonna (l.) und Silke (r.) Sümpelmann leiten den Horstkamps Hof in Schermbeck. Unterstützt werden sie von Greta Sümpelmann (2.v.r.) und Praktikantin Carmen Gössinger. © Berthold Fehmer
Horstkamps Hof

Horstkamps Hof: Landwirtschaft mit TikTok und Direktvermarktung

22.000 Follower bei TikTok, 1.250 bei Instagram: Der Horstkamps Hof in Schermbeck geht neue Wege - auch beim Fleischverkauf. Die Kunden ziehen mit, auch wenn manches neu und ungewohnt ist.

Silke Sümpelmann und ihre Tochter Jonna (23) leiten den Schermbecker Betrieb Horstkamps Hof gemeinsam. Letztere ist staatlich geprüfte Agrarbetriebswirtin und beschäftigte sich in ihrer Ausbildung mit der Frage, wie man den Familienbetrieb verbessern könnte. „Was ist hier ausbaufähig? Was müssen wir verändern? Was stört mich?“

Zu 65 Milchkühen, Deckbullen-Aufzucht und -Vermarktung, Mastbullen, Jungviehaufzucht und Futterbau kam Ende 2020 die Direktvermarktung von Fleisch hinzu. Aus einem einfachen Grund: Bei der Analyse hatte Jonna festgestellt, dass der Verkauf von Rindern nichts eingebrachte.

„Wir wollten die Wertschöpfung bei uns haben“, begründete Jonna, warum sie und ihre Mutter per WhatsApp den Kunden vorschlugen, ihr Fleisch direkt auf dem Hof zu kaufen. „Herzklopfen“ habe sie gehabt vor diesem Schritt, gesteht Silke Sümpelmann. Nachdem die Nachricht raus war, ging es schnell: „Das erste Rind hatten wir nach 30 Minuten verkauft“, sagt Jonna Sümpelmann.

Kurze Wege, kein Stress

Erst wenn Rinder komplett verkauft sind, bringen die Sümpelmanns die Tiere zum Schermbecker Betrieb von Frank Krechter, einer der wenigen verbliebenen Landschlachter. Wichtig sei, dass die Tiere kurze Wege und vor der Schlachtung keinen Stress hätten, sagt Jonna Sümpelmann. „Man kann zwei Jahre alles richtig machen. Bei Stress in den letzten zwei Minuten wird das Fleisch schlechter.“

Bei Frank Krechter hängt das Fleisch zwei Tage und geht anschließend zur Fleischerei Schwane in Raesfeld, wo es weitere sieben Tage abhängt. Anschließend wird es dort zerteilt und mithilfe der Sümpelmanns in 10-Kilo-Tüten verpackt, die für 150 Euro verkauft werden.

Keine Rosinenpickerei

„Uns ist wichtig, dass nicht ein Kunde sagen kann: Ich nehme nur Filet“, sagt Silke Sümpelmann. Alle bekommen im Paket Braten, Gulasch, Hackfleisch, Rouladen und Steaks und nehmen dafür bis zu sechs Wochen Wartezeit in Kauf. „Wir möchten nicht, dass irgendwas weggeschmissen wird, sagt Jonna Sümpelmann. Deshalb werden die Kunden auch aufgefordert, Säcke mit Knochen (etwa für Hunde) mitzunehmen.

Verstärkt zur Werbung einsetzen will die Familie Soziale Medien wie TikTok oder Instagram. Um Instagram kümmert sich Jonna, um TikTok ihre 15-jährige Schwester Greta. Deren flott geschnittene Videos haben bis zu 800.000 Aufrufe und zeigen oft witzige Szenen aus dem Hof-Alltag.

Praktikantin Carmen Gössinger aus Österreich wurde über TikTok auf den Horstkamps Hof aufmerksam und arbeitet seit anderthalb Wochen dort mit. Auch die 18-Jährige will einmal den elterlichen Betrieb übernehmen und in Schermbeck im vierwöchigen Praktikum viel lernen. Gut gefällt ihr der Umgang mit den Tieren auf dem Horstkamps Hof: „Jede Kuh hat ihren Namen.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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