In der Gaststätte Triptrap wurden die Jubilare Mechthild Werner-Weinekötter (vorne l.) Gabriele Ruhe, Margret Warich, Ingrid Kotschorreck (vorne v.r.), Engelbert Bikowski, Werner Pleger und Hildegard Obst (hinten v.l.) geehrt. Zu den ersten Gratulanten gehörten der Präses Xavier Muppala (vorne, 2.v.l.) und der Dirigent Josef Breuer (hinten r.). © Helmut Scheffler
Cäcilia

Kirchenchor feiert 175-jähriges Bestehen – aber erst ein Jahr später

Corona hat die Jubiläumsfeier der ältesten Schermbecker Musikgruppe im vergangenen Jahr verhindert. Stattdessen feierte der Kirchenchor Cäcilia nun sein 175-jähriges Bestehen.

Das „Cäcilien-Fest“ nahm der Kirchenchor zum Anlass, den runden Geburtstag nachträglich zu feiern mit einem festlichen Gottesdienst in St. Ludgerus am Sonntag und einer Jubiläumsfeier im Saal der Gaststätte Triptrap.

Zwischen 1845 und 1850 hatte ein Dirigent namens Holtkamp einen gemischten Chor eingerichtet, doch dieser endet mit dem Fortzug des Dirigenten nach Münster. Ende der 1860er-Jahre bildete sich unter dem Organisten Gertz ein Männerchor, dessen Wirken durch Kriegsjahre und Kulturkampf stark eingeschränkt wurde und der nach dem Tode des Dirigenten Ende der 1870er-Jahre gänzlich erlosch.

Erst unter Kaplan August Austermann (1901 bis 1911 in Altschermbeck), dem späteren Pastor von Raesfeld, wurde ein Verein gegründet, der die Wirren der folgenden Jahrzehnte überdauern sollte. Das Vereinsleben konnte nach dem Ersten Weltkrieg wieder erblühen. Aus gesundheitlichen Gründen gab allerdings Josef Heßbrüggen Anfang der 1920er-Jahre die musikalische Leitung an seinen Sohn Otto Heßbrüggen ab.

Chor wurde in die Kirche verbannt

In den 1930er-Jahren begann die Zeit, in der so blühende Auftritte wie das Dekanatsfest nur ungern von den Machthabern gesehen wurden. Schließlich wurden die Auftritte des Chors in den Kirchenraum verbannt. Auch dort endeten sie, als der Dirigent Otto Heßbrüggen Soldat wurde.

Der Salesianerpater Josef Hilpisch hatte in der Ludgeruspfarre in den letzten Kriegsjahren mit einer Anzahl junger Mädchen einen Jungfrauenchor auf die Beine gestellt. Mit einer Ausnahme stellten sich alle dem alten Dirigenten für einen neuen Chor zur Verfügung. Zur ersten Nachkriegs-Weihnacht erklang in der Ludgeruskirche wieder mehrstimmiger Gesang. 63 Sängerinnen und Sänger versammelten sich am 14. Januar 1948 zur ersten Nachkriegs-Generalversammlung unter Leitung von Paul Köster.

Schlager auf der Orgel

Der Tod des Vorsitzenden und der Abschied des Ehrenpräses Heinrich Wegmann belasteten einen kontinuierlichen Neubeginn ebenso wie Probleme mit dem Dirigenten Schoblick, der zu vorgerückter Stunde für einige seiner Zecher ein Schlagerfestival auf der Orgel inszenierte, sowie seinem Nachfolger Laurenz Weiligmann.

Erst unter dem Dirigat Otto Heßbrüggens blühte das Chorleben richtig auf. Mit dem Dekanatssingen der Kirchenchöre im September 1953 begann die Serie größerer Auftritte, sei es bei Pfarrfamilienfesten, beim Singen mit dem „Collegium musicum Dorsten“ oder bei der Vorführung eines Weihnachtsoratoriums im Saal Overkämping. Unter Leitung der Dirigenten Anton Brokemper, Paul Gröger, Günther Messing und Klaus Lohmann wurde nach und nach ein umfangreiches Programm zusammengestellt.

1967 hatte sich aus dem Chor eine achtköpfige Frauenschola gebildet, die überwiegend bei Beerdigungen den Gottesdienst mitgestaltete. Seit 1990 gehörte zum Kirchenchor eine sechsköpfige Choralschola, die jeweils dienstags zwischen 19.30 und 20.15 Uhr gregorianische Gesänge einstudierte.

Großprojekte mit Leiter Josef Breuer

Mit dem Kirchenmusiker Josef Breuer begann ab 1985 in St. Ludgerus eine musikalische Ära, die den Kirchenchor „Cäcilia“ weit über die Grenzen Schermbecks hinaus bekannt machte. Mit dem Chor begann Breuer sofort mit der Aufführung von Chor-und Orchestermessen an den kirchlichen Hochfesten. Zum Jubiläum studierte Josef Breuer erstmals Jakob de Haans „Missa Brevis“ mit den „Cäcilia“-Sängern ein.

Nach dem Jubiläums-Essen in der Gaststätte Triptrap wurden die Jubilare der Jahre 2020 und 2021 vom Vorsitzenden Engelbert Bikowski geehrt. Für 25 Jahre Ingrid Kotschorreck, Hildegard Obst, Mechthild Werner-Weinehötter und Gabriele Ruhe geehrt, für 40 Jahre Werner Pleger und Margret Warich (40 Jahre) und für 60 Jahre Engelbert Bikowski. Bikowksi: „In 36 Jahren hat es Josef Breuer verstanden, aus uns einen wirklich großen Chor werden zu lassen.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Im Verlauf von mehr als vier Jahrzehnten habe ich das Zusammenwachsen von acht ehemals selbstständigen Gemeinden miterlebt, die 1975 zur Großgemeinde Schermbeck zusammengefügt wurden. Damals wie heute bemühe ich mich zu zeigen, wie vielfältig das Leben in meinem Heimatort Schermbeck ist.
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Helmut Scheffler

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