Landschlachterei-Chef gegen Billig-Fleisch: „Ein reines Lockmittel“

mlzLandschlachterei Frank Krechter

Corona hat den Fokus auf große Schlachtbetriebe wie Tönnies gelegt. Landschlachterei-Chef Frank Krechter hat lange im Rewe-Konzern gearbeitet: „Billig-Fleisch ist ein reines Lockmittel.“

Schermbeck

, 25.06.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

An der Grenze Schermbecks zu Hünxe am Wachtenbrinker Weg 30A liegt die Landschlachterei Frank Krechter. Landschlachtereien gibt es kaum noch - viele Betriebe mussten in den vergangenen Jahrzehnten schließen. Krechter lernte den Metzgerberuf und baute auf dem Hof ab 1989 einen eigenen Schlachtbetrieb auf. Als Nebenerwerb, denn Krechter arbeitete 21 Jahre für den Rewe-Konzern als Metzger - seit 2011 ist er selbstständig.

Billig-Fleisch bringe Supermärkten kein Geld, sagt der 56-Jährige, sondern sei „reines Lockmittel“, damit Kunden in den Laden kämen und andere Dinge kauften. Teilweise sei Fleisch sogar unterm Einkaufspreis verkauft worden.

In diesem Raum hat Frank Krechter auf seinem Hof am Wachtenbrinker Weg mit dem Schlachten begonnen.

In diesem Raum hat Frank Krechter auf seinem Hof am Wachtenbrinker Weg mit dem Schlachten begonnen. © Berthold Fehmer

Was heute als „Zerlege-Raum“ dient, war 1989 auf dem Hof der Schlachtraum. Später baute Krechter ein Schlachthaus. Krechter zeigt auf die Geräte an der Decke, etwa die Säge, mit der Tiere geteilt werden: „Was hier an der Decke hängt, kostet so viel wie ein Mercedes.“ Erst zum Jahresbeginn habe er eine Elektro-Zange für 4000 Euro kaufen müssen, die aufzeichnet, wie viel Strom das Tier beim Betäuben ausgesetzt war.

Wurden vor 20 Jahren auf dem Hof ein Rind und zwei Schweine pro Woche geschlachtet, sind es jetzt etwa 15 Schweine und zehn Rinder - immer in Anwesenheit eines Tierarztes. 20.000 Tiere sind es im Tönnies-Schlachthof im Kreis Gütersloh - pro Tag!

In diesem Schlachthaus werden in der Landschlachterei Frank Krechter etwa 15 Rinder und 10 Schweine pro Woche geschlachtet.

In diesem Schlachthaus werden in der Landschlachterei Frank Krechter etwa 15 Rinder und zehn Schweine pro Woche geschlachtet. © Berthold Fehmer

Krechter, der vier 30-Stunden-Kräfte und vier 450-Euro-Kräfte beschäftigt, schlachtet für den eigenen Hofladen, aber auch als Lohnschlachter. Es gebe einen hohen Fachkräftemangel. „Man muss Geld auf den Tisch legen“, sagt Krechter, um gute Leute zu bekommen.

Aus einem Umkreis von 10 Kilometern werden die Tiere angeliefert. Zehn eigene Tiere hält Krechter auf dem Hof. Nach dem Schlachten müsse das Fleisch in der Kühlkammer zwei bis vier Wochen reifen, sagt Krechter, erst dann wird es weiterverarbeitet. „Manchmal muss man dem Kunden sagen: Das, was Sie möchten, habe ich heute gerade nicht.“

„3,99 Euro für ein Kilo Schnitzel - das geht nicht mehr!“

Für Krechter steht nicht erst seit den Corona-Fällen in Großschlachtbetrieben fest, dass sich in der Fleischbranche etwas ändern muss: „3,99 Euro für ein Kilo Schnitzel - das geht nicht mehr!“ Mindestens 7 bis 8 Euro pro Kilo seien pro Kilogramm Schweinefleisch das absolute Minimum, „für ein vernünftiges Schwein, dass auch gelaufen ist und in Strohhaltung gelebt hat.“

„Wir sind verwöhnt“, sagt Krechter, was den Fleisch-Konsum anbetrifft. „Ich esse auch zu viel Fleisch. Ich muss davon weg.“ Ein Umdenken sei in der Politik notwendig: „Machbar ist es.“

Werkverträge und menschenwürdige Unterkünfte

Krechter macht sich allerdings auch keine Illusionen: Die Kräfte aus dem Ausland würden gebraucht, denn es gebe viel zu wenig Einheimische, die diese schwere Arbeit tun wollten. Krechter ist aber für Werkverträge in großen Schlachtbetrieben und menschenwürdige Unterkünfte. Auch müssten sich die Arbeitsbedingungen in Großschlachthäusern ändern: Er wisse von einem Fall, als ein Arbeiter nach zwölf Stunden nicht mehr arbeiten wollte. Für solche Fälle gebe es Schläger, die dem Mann draußen „eins auf die Nase gegeben haben und dann hat er weiter gearbeitet.“

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Durch die Ausfälle der großen Schlachthöfe gebe es eine verstärkte Nachfrage in der Landschlachterei. „Aber man muss das Fleisch ja auch verkaufen können“, sagt Krechter, der auf Kapazitätsgrenzen seines Betriebes verweist.

CDU-Kreistagsmitglied Rainer Gardemann besuchte am Dienstag ebenso die Landschlachterei von Frank Krechter wie Arnd Cappell Höppken (Umweltpolitischer Sprecher der CDU im Kreistag), Ingo Brohl (CDU-Landratskandidat) und Bürgermeister Mike Rexforth.

CDU-Kreistagsmitglied Rainer Gardemann besuchte am Dienstag ebenso die Landschlachterei von Frank Krechter wie Arnd Cappell Höppken (Umweltpolitischer Sprecher der CDU im Kreistag), Ingo Brohl (CDU-Landratskandidat) und Bürgermeister Mike Rexforth. © Berthold Fehmer

CDU-Kreistagsmitglied Rainer Gardemann, Arnd Cappell Höppken (Umweltpolitischer Sprecher der CDU im Kreistag), Ingo Brohl (CDU-Landratskandidat) und Bürgermeister Mike Rexforth hörten bei der Betriebsbesichtigung Frank Krechter genau zu. „Wichtig ist, dass wir die Themen nicht wieder vergessen“, sagte Ingo Brohl - die Gefahr bestehe, was man auch bei der Diskussion zum Umweltschutz in Corona-Zeiten erleben könne.

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