Maskierter Dorstener überfällt und verprügelt schwangere Freundin

mlzGericht

Ein maskierter Dorstener dringt in die Wohnung seiner schwangeren Freundin ein und verprügelt sie. Vorher googelte er auf seinem Handy: „Was tötet Ungeborenes?“

Schermbeck, Dorsten

, 06.08.2020, 15:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Alptraumhafte Szenen müssen sich am 11. April 2019 um kurz nach 3 Uhr in der Wohnung einer Schermbeckerin abgespielt haben. Sie hatte zuvor ihrem damals 32-jährigen Freund gesagt, dass sie von ihm schwanger sei. Höchst aggressiv habe dieser darauf reagiert - das bestätigt eine Zeugin.

Erhebliche Verletzungen erlitten

In der Nacht drang der Dorstener gewaltsam und maskiert in die Schermbecker Wohnung ein und prügelte mit seinem Handy auf die schlafende, schwangere Freundin ein. Diese erlitt erhebliche Verletzungen, eine Platzwunde am Kopf, eine Gehirnerschütterung, viele Prellungen am ganzen Körper. Auch gewürgt habe er sie, hatte die Schermbeckerin bei einem früheren Termin vor dem Schöffengericht in Wesel ausgesagt, wo sich der jetzt 33-Jährige am Donnerstag beim zweiten Termin verantworten musste.

Vor dem Weseler Schöffengericht musste sich der Dorstener wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Vor dem Weseler Schöffengericht musste sich der Dorstener verantworten. © Berthold Fehmer

Bei dem Überfall verlor der Dorstener eine Zigarettenpackung und einen Autoschlüsselanhänger. „Lass mich in Ruhe, ich sag auch nichts der Polizei“: Mit diesen Worten schaffte es die Frau, die durch die Attacke aus dem Bett gefallen war, dass der Angreifer von ihr abließ. Als er die Wohnung verließ, sah die Frau wenig später durchs Fenster, dass der Täter auf der Straße kehrt machte, vermutlich, um seinen Autoschlüssel zu holen. Voller Angst warf die Frau den Schlüssel aus dem Fenster - der Mann verschwand.

Die Frau rief eine Bekannte um Hilfe, erzählte, was passiert war. Erst die Bekannte und eine Ärztin, die die Verletzungen behandelte, schafften es, die Schermbeckerin zu überreden, dass sie den Dorstener anzeigte.

Die Polizei stellte darauf hin fest, dass das Handy des Angeklagten zur Tatzeit an der Wohnung der Schermbeckerin geortet werden konnte. Nach Einziehung des Smartphones sahen die Beamten auch, dass der Angeklagte vor der Tat nach der Frage gegoogelt hatte: „Was tötet Ungeborenes?“

Sex auf dem Parkplatz

Zunächst hatte der jetzt 33-jährige Angeklagte behauptet, er sei zur Tatzeit zu Hause gewesen. Dann, als die Polizei ihm von der Ortung erzählten, sagte er, ein Freund habe das Handy versehentlich mitgenommen. Damit belastete er seinen Freund, was ihn zu einer neuen „Märchengeschichte“ (Zitat Staatsanwalt) bewegte: Er habe sich zur Tatzeit mit einer Frau getroffen und Sex auf einem Parkplatz in Schermbeck gehabt, unweit der Wohnung der Geschädigten. „Weil es peinlich ist“, sagte der Angeklagte auf die Frage des Richters, warum er das nicht schon vorher gesagt habe.

Viele Details dieses Treffens konnte der Angeklagte nicht schildern. Auf Nachfrage von Richter und Staatsanwalt gab er an, die Frau über einen Chat kennengelernt zu haben. Spontan habe man das Treffen ausgemacht und Sex gehabt, nicht im Auto, sondern auf dem Parkplatz. Verhütet habe er dabei nicht.

„Das war ein besonderer Tag“

Seine angebliche Gespielin (29) aus Duisburg, die in offenherzig-transparenter Oberbekleidung vor Gericht erschien, sagte aus, sie könne sich noch genau an diesen 11. April, „ein Donnerstag“, erinnern. In fröhlichem Plauderton berichtete sie, dass sie zuerst im Fitness-Studio trainiert habe („immer dienstags und donnerstags“) und dann zu einer Freundin nach Drevenack gefahren sei, die ihr von ihrer Schwangerschaft erzählt habe. „Das war ein besonderer Tag.“

Währenddessen habe sie auf dem Handy in Dating-Portalen nach Männern gesucht und sich mit dem Angeklagten erstmals verabredet. Gegen 3 Uhr habe man sich auf dem Parkplatz getroffen. „Ich mag das generell so in der Öffentlichkeit.“ Nach kurzem „Beschnuppern“ habe sie schon nackt im Auto gesessen. „Dann macht man da halt, was man so nachts macht.“ Wild sei es her gegangen, über „mehrere Runden“. Nicht nur im Auto, sagte die Duisburgerin auf Nachfrage, sondern auch auf dem Parkplatz: „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt.“

Falsches Datum

Ihre Schilderungen wichen aber in Details ab von der Version des Angeklagten: Sie sagte, er habe verhütet, aber ihm seien die Kondome ausgegangen. Der Staatsanwalt lauerte indes auf etwas anderes: Wenn sie am Donnerstag erst trainiert, dann mit der Freundin gesprochen und später dann zum Schermbecker Parkplatz gefahren sei, sei es schon der 12. April gewesen, während die Tat am 11. April gegen 3 Uhr morgens begangen wurde. Jetzt ruderte die Zeugin zurück: Sie sei bereits mittwochs im Fitness-Studio gewesen, wegen einer besonderen „Lady Challenge“.

Der Staatsanwalt ließ sich nicht überzeugen und stattdessen ihre Personalien geben. „Ich werde ein Verfahren gegen Sie einleiten wegen Falschaussage.“ Strafmaß: Mindestens drei Monate. Den Angeklagten erwartet ein Verfahren wegen Anstiftung zur Falschaussage.

„Feige, schwerwiegende Tat“

Vier Vorstrafen hatte der Dorstener. Die letzte wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in besonders schwerem Fall liegt noch in der Bewährungsfrist. Der Staatsanwalt forderte drei Jahre und sechs Monate Haft. Eine „feige, schwerwiegende Tat“ habe der Mann begangen. Für den Verteidiger war hingegen nicht eindeutig erwiesen, dass sein Mandant für die Tat verantwortlich sei: Er forderte einen Freispruch.

Das Schöffengericht verurteilte den Dorstener zu drei Jahren Haft, wogegen Rechtsmittel eingelegt werden können. Von einer „erdrückenden Beweislage“ sprach der Richter. „Es gibt eine ellenlange Liste von Dingen, die gegen sie sprechen. Nichts, was für sie spricht.“ Der Richter hob die psychischen Folgen für das Opfer hervor: Angst und Schlafstörungen. Sie werde immer wieder die Angst haben: „Hoffentlich wird mein Kind nicht so wie sein Vater.“

Schlagworte: