Diesen Frauen-Torso hat eine Schermbeckerin vor etwa 30 Jahren getöpfert. © Berthold Fehmer
Nest

Mit Video: Meisennest im nackten Frauenleib entdeckt

Eine 85-Jährige hat hinter ihrem Haus eine überraschende Entdeckung gemacht: In einem selbst getöpferten Frauenleib nistet eine Meisenfamilie.

Wer bei der 85-jährigen Schermbeckerin, die ihren Namen nicht öffentlich machen möchte, durchs Wohnzimmer in den Hinterhof des Hauses geht, sieht an den Wänden viele selbst getöpferte Kunstgegenstände – etwa einen Spiegel, der mit viel Liebe zum Detail verziert wurde.

Wann genau sie den Frauen-Torso getöpfert hat, der in einer grünen Ecke des Hofs an der Schetterstraße steht, weiß die Schermbeckerin selbst nicht mehr so ganz genau. „Das muss ungefähr 30 Jahre her sein.“ Damals lernte sie das Töpfern und betrieb dieses Hobby lange, bis sie es vor einigen Jahren aufgab.

„Der Ton verträgt den Regen“

Als der lebensgroße Frauenleib aus Ton fertig war, hatte die Schermbeckerin damals nach einem guten Stellplatz gesucht: „Im Haus ist das zu groß.“ So fand der schwere Frauenkörper einen Platz in der Ecke, umgeben von viel Grün. Vor Wind ist er dort recht gut geschützt, vor Regen nicht. „Der Ton verträgt den Regen“, hat die Schermbeckerin festgestellt.

Vor einem Jahr bemerkte die 85-Jährige zum ersten Mal, dass offensichtlich nicht nur sie Gefallen an dem Frauen-Torso gefunden hatte. „Immer flog hier am Zimmer eine Meise vorbei.“ Als sie vorsichtig nachschaute, sah sie im Inneren des Kunstwerks ein Meisennest.

„In diesem Jahr will ich das schaffen“

Die Schermbeckerin bedauert, dass sie damals nicht beobachten konnte, wie die jungen Meisen ihr Nest verließen. Nun bekommt sie eine neue Chance: Denn es hat sich wieder eine Meisenfamilie in dem tönernen Torso niedergelassen.

Meisen brüten etwa 14 Tage lang. Die Jungvögel werden anschließend etwa 20 Tage im Nest gefüttert. Wie viele junge Meisen derzeit im Nest liegen, ist schwer zu erkennen, da das Nest nur durch den schmalen „Hals“ der Figur beobachtet werden kann und es im Inneren sehr dunkel ist. „Drei sind es auf jeden Fall, vielleicht sogar vier“, sagt die Schermbeckerin.

Mucksmäuschenstill sind die jungen Meisen, wenn jemand in der Nähe ist.
Mucksmäuschenstill sind die jungen Meisen, wenn jemand in der Nähe ist. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

Wenn man sich vorsichtig dem Torso nähert, um ein Foto vom Nest zu schießen, sind die jungen Meisen mucksmäuschenstill und bewegen sich so gut wie gar nicht. Sekunden später sind wieder die Altvögel zur Stelle, aufgeregt zwitschernd wegen der vermeintlichen Gefahr für das Nest. Und weil sie derzeit schwer beschäftigt sind, genügend Nahrung für die Brut herbeizuschaffen.

„Die sind wieder da. Die warten darauf, dass sie wieder rein können“, sagt die 85-Jährige und lächelt. Zieht man sich darauf mehrere Meter zurück, huschen die Altvögel schnell ins Nest, um das Futter abzuliefern. Und dann werden auch die Jungvögel wieder lauter. Die 85-Jährige: „In diesem Jahr will ich es schaffen, die jungen Meisen beim Verlassen des Nests zu sehen, weil ich jetzt mehr im Haus bin.“

Ein Bild des Nests mit einem Elterntier.
Ein Bild des Nests mit einem Elterntier © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer
Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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