So sieht ein mobiler Luftfilter fürs Klassenzimmer aus. Er filtert Viren, sorgt aber nicht für Frischluft. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Mobile Luftfilter: Bekommt Schermbeck Geld aus dem Fördertopf?

200 Millionen Euro hat der Bund für mobile Luftfilter versprochen. In Schermbeck ist man skeptisch, prüft aber dennoch die Förder-Voraussetzungen genau. Das wollen auch die Grünen.

In Schermbeck gibt es 31 Klassenräume, in denen Kinder unter zwölf Jahren unterrichtet werden. Die Verwaltung prüft gerade, ob all diese Räume ausreichend gelüftet werden können. Da, wo das nicht der Fall ist, will der Bund jetzt auch die Anschaffung von mobilen Luftfiltern fördern, nachdem er zuvor lediglich fest eingebaute Filteranlagen bezuschusst hat. 200 Millionen Euro hat die Regierung dafür unlängst versprochen.

Vielerorts hat das Politiker auf den Plan gerufen, die sich angesichts eines weiteren Corona-Winters für Kinder und Lehrer Entlastung durch Luftfilter wünschen. In Schermbeck hat Ulrike Trick für die Grünen schon vor einer Woche gefordert, die Verwaltung möge in Zusammenarbeit mit den Schulleitungen den Bedarf ermitteln, um die entsprechenden Förderanträge zu stellen. In Raesfeld hat die SPD einen ähnlichen Antrag gestellt.

Welche Klassenräume entsprechen den Förderrichtlinien?

Gerd Abelt, Stellvertreter des Schermbecker Bürgermeisters, ist aufgrund der Erkenntnisse des vorigen Corona-Winters davon überzeugt, dass es in der Gemeinde kaum Klassenräume geben wird, die den Kriterien des Förderprogramms, das den Gemeinden im Übrigen noch nicht im Detail vorliegt, entsprechen.

Denn gefördert wird die Anschaffung von mobilen Luftfiltern nur für Räume mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit, die also keine raumlufttechnische Anlage haben, deren Fenster nur kippbar sind und deren Lüftungsklappen einen lediglich minimalen Querschnitt haben. Weil Kinder über zwölf Jahren beim Haus- oder Kinderarzt geimpft werden können (wenngleich es für diese Altersgruppe bisher keine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission gibt), will der Bund Lüftungsanlagen für ihre Klassenräume nicht bezuschussen.

Gemeinden müssen ein Teil der Kosten selbst aufbringen

Ohnehin sieht es derzeit so aus, als fördere der Bund die Kosten für die Luftfilter lediglich zu 80 Prozent. Auf die Städte und Gemeinden käme der 20-prozentige Rest zu – für viele Kommunen auch kein Pappenstiel.

Lehrerverbände gehen derweil steil, weil das Umweltbundesamt noch im Februar mobile Luftreinigungsgeräte noch deutlich kritischer gesehen habe. Ob die Fähigkeit der Anlagen, virushaltige Partikel in Innenräumen zu reduzieren, ausreiche, um eine Infektionsgefahr in dicht belegten Klassenräumen abzuwenden, erschien den Experten vor einigen Monaten noch unsicher, sodass sie die Fensterlüftung als prioritäre Maßnahme empfahlen. Jetzt modifizierte das UBA, dass in Räumen, wo ordentliches Lüften nicht möglich sei, mobile Luftfilter durchaus sinnvoll seien.

Ob der Markt überhaupt hinreichend Luftfilteranlagen bereit hält und diese schon im kommenden Winter die Luft im Klassenraum von Viruslast befreien können, steht nach Meinung von Gerd Abelt auf einem ganz anderen Blatt.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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