Für eine Wasserstoffleitung von Dorsten nach Duisburg-Hamborn wird eine Trasse gesucht. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Wasserstoffleitung

Neue Wasserstoffleitung von Dorsten nach Duisburg: Auch durch Schermbeck?

Für eine neue Wasserstoffleitung von Dorsten nach Duisburg-Hamborn wird eine Trasse gesucht. Diese könnte auch durch Schermbeck führen.

Bauamts-Chef Rainer Eickelschulte berichtete im Planungsausschuss von einem Termin mit dem RVR, bei dem es Informationen zu einer geplanten Wasserstoffleitung gab. „Fachbüros beschäftigen sich jetzt mit der konkreten Trassensondierung.“

Das Verfahren befinde sich in einem „sehr frühen Stadium“, sagte Eickelschulte. Das bestätigt Jens Hapke vom RVR: „Im Zusammenhang mit der Umstellung und dem Ausbau der Gasinfrastruktur auf Grüne Gase beabsichtigt die Open Grid Europe GmbH (OGE) die Errichtung von zwei Wasserstoffleitungen zwischen Dorsten und Duisburg-Hamborn (DoHa) sowie zwischen Dorsten und Marl (DoMa). Für beide Vorhaben ist jeweils ein Raumordnungsverfahren durchzuführen, in dem ein geeigneter Trassenkorridor für die Leitung ermittelt werden soll.“

Grüner Wasserstoff

„Grüner Wasserstoff“ wird durch Elektrolyse von Wasser gewonnen, wobei ausschließlich erneuerbare Energien zum Einsatz kommen. Andreas Lehmann von Open Grid Europe: „Durch die Integration Grüner Gase (insbesondere Wasserstoff) in die bestehende Gasinfrastruktur kann zügig und kosteneffizient ein signifikanter Beitrag zur Reduktion der CO2-Emissionen geleistet werden.“

Mit einer Marktabfrage werde der Bedarf an Grüngasprojekten ermittelt. „Entsprechend dieser Marktabfrage ist das Netz im öffentlichen Interesse bedarfsgerecht auszubauen, was die Errichtung der Wasserstoffleitungen erfordert.“

Fast identische Anforderungen wie beim Erdgas

Laut Lehmann müssen Leitungen für den Transport von Wasserstoff fast identische Anforderungen erfüllen wie die „Leitungen des etablierten Transportnetzes für Erdgas“. Es gebe wenige zusätzliche spezifische Anforderungen. Bei der Konstruktion werde sichergestellt, „dass die Leitung allen zu erwartenden Belastungen sicher standhält und dauerhaft dicht bleibt“. Besondere Schutzabstände seien wie bei Erdgasleitungen nicht erforderlich.

Die Leitung mit einem Durchmesser von etwa 60 Zentimetern werde unterirdisch verlegt. Zum Vergleich: Die ZEELINK-Leitung hat einen Durchmesser von einem Meter. Aktuell gibt es etwa 400 Kilometer reine Wasserstoffleitungen in Deutschland.

Trasse könnte durch Gahlen führen

Zu einem möglichen Trassenverlauf wollte Lehmann sich nicht äußern: „Wir befinden uns aktuell im Vorfeld der Antragstellung für ein Raumordnungsverfahren. Der genaue Verlauf eines potentiellen Trassenkorridors wird erst im weiteren Verfahren ermittelt.“ Rainer Eickelschulte sagt, dass die Leitung möglicherweise „südlich der B 58“ durch Schermbeck im Ortsteil Gahlen geplant werden könne.

Gegen eine solche Planung könne aber das Naturschutzgebiet Torfvenn als „Tabuzone“ sprechen, so Eickelschulte. Lehmann sieht darin hingegen kein absolutes Ausschlusskriterium: „Der Schutz der Naturschutzgebiete ist eines von vielen Kriterien, die bei der Trassierung zu berücksichtigen sind. Ein Bau durch ein Naturschutzgebiet ist nicht immer erlaubt, aber auch nicht immer verboten. Im jeweiligen Einzelfall ist dies anhand der Schutzziele des Naturschutzgebiets in Abwägungen mit allen anderen betroffenen Rechtsgütern zu entscheiden.“

Hapke rechnet damit, dass voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2022 ein Beteiligungsverfahren durchgeführt werde, in dem sich die Öffentlichkeit und die betroffenen Behörden zu den Planungen äußern können. Lehmann: „Aktuell ist unter anderem geplant, in diesem Zusammenhang vor Ort Dialogmärkte durchzuführen.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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