Der „Plattenbau Schermbeck" wird am Samstag eröffnet - auf Live-Musik müssen die Besucher aber verzichten. © Berthold Fehmer
Coronavirus

Plattenbau-Eröffnung ohne Live-Musik: Veranstalter kritisiert Auflagen

Die Eröffnung des „Plattenbaus“ muss am Samstag ohne Live-Musik auskommen. Er habe ein schlüssiges Konzept vorgelegt, sagt der Veranstalter, doch die Auflagen des Ordnungsamts seien zu hoch.

Heinz-Bernd Töns eröffnet am Samstag (12. Juni) ab 10 Uhr den „Plattenbau Schermbeck“ an der Maassenstraße 89 – ein Geschäft für Vinyl-Liebhaber. Eigentlich wollte er dazu von 12.30 bis 19 Uhr Live-Musik auf dem Vorplatz anbieten und hatte sogar schon ein Line-up mit elf Einzelkünstlern und Bands organisiert. Doch daraus wird nichts.

Am Dienstagnachmittag sagte Töns das Konzert ab, da er die Auflagen des Ordnungsamtes nicht erfüllen könne. „Es ist alles eine Frage der Auslegung“, sagt Töns zur Coronaschutzverordnung und dem, was das Ordnungsamt ihm vorschreibt: Ein Bekannter von ihm habe genau so eine Veranstaltung in Gelsenkirchen genehmigt bekommen, wie er sie in Schermbeck geplant habe.

Bürgermeister Mike Rexforth bedauert die Absage. Doch er sagt auch: „Wir hätten alles möglich gemacht, wo wir nicht selbst mit einem Bein im Knast gesessen hätten.“ Am 27. Mai habe ihm Töns zum ersten Mal per WhatsApp – beide sind befreundet – seine Plänen mitgeteilt. „Ich habe ihm geschrieben, dass ich nicht alle Fragen beantworten kann. Er sollte sich mit dem Ordnungsamt abstimmen.“

Konzept am Sonntagabend eingereicht

Erst am Sonntagabend (6. Juni) reichte Töns ein schriftliches Konzept bei der Gemeinde ein. Leider seien so viele Tage dazwischen vergangen, so Rexforth, in denen man zusammen nach Lösungen hätte suchen können. Töns sagt hingegen: „Vor zwei Wochen wäre das Konzept aufgrund der Infektionszahlen nicht genehmigungsfähig gewesen.“

Auf einen Hinweis des Ordnungsamts am Montag, dass sein Konzept so nicht genehmigungsfähig sei, hatte Töns bei der Verwaltung angerufen und einen anderen Sachbearbeiter zum Thema Listen und Nachverfolgbarkeit befragt. „Der kannte die Veranstaltung aber gar nicht“, sagt Rexforth. Töns schloss hingegen aus dem Anruf, dass seine Veranstaltung nun genehmigt sei.

Wenn man das Open Air zur Ladeneröffnung als Kulturveranstaltung deklariere, müsse für jedes Konzert der Kreis der Teilnehmer festgelegt werden, sagt Rexforth. Die maximal zulässige Anzahl hätte Töns aus Sicht der Gemeinde über einen Kartenvorverkauf sicherstellen können. „Das hat er aber nicht gemacht“, so Rexforth.

Bis zu 1.000 Besucher

Schaut man in die aktuellste Version der Coronaschutzverordnung, besagt diese, dass ab Freitag (11.6.) bei einer Inzidenzstufe 1 in Kreis und Land Kulturveranstaltungen auch mit bis zu 1.000 Besuchern wahlweise ohne Mindestabstände zwischen Sitzplätzen oder ohne Tests möglich werden. Doch davon konnte das Ordnungsamt selbst am Dienstag noch nicht ausgehen, da der Inzidenzwert am Mittwoch im Land abgewartet werden musste. Bis dahin galt eine Maximalzahl von 200 Besuchern (ohne Test).

Allein 250 Sitzplätze hätte Töns angeboten, dazu Stehtische. „Wir hatten mit 300 bis 400 Leuten im Laufe des Tages gerechnet.“ Wie viele Besucher wirklich gekommen wären, kann Töns nicht prognostizieren. Doch er hätte jedem Besucher einen Platz zuweisen lassen, zur Kontaktnachverfolgung Listen ausfüllen lassen und die Sitzplätze und Tische bei Neubelegung desinfiziert.

„Wir kommen als Behörde nicht dran vorbei“

Die Vorschrift des Ordnungsamts, dass Töns für jeden Auftritt, jedes Konzert, den Besucherkreis hätte vorher festlegen müssen, war für den Veranstalter bei halbstündlichem Wechsel der Musiker nicht leistbar. Er könne Töns in seiner Enttäuschung verstehen, sagt Rexforth, „aber wir als Behörde kommen nicht dran vorbei“.

Rexforth sagt über die Veranstaltung: „Ich hoffe, dass wir das zu einer anderen Zeit genau so hinkriegen. Ich finde das super, aber es ist der falsche Zeitpunkt.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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