RAG will Grubenwasser in die Lippe leiten - „Eine Sauerei“

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Die RAG AG will Grubenwasser in die Lippe einleiten. „Chloride, Blei, Cadmium und Quecksilber“ erwartet Jürgen Trick (Grüne) dann im Wasser. Egon Stuhldreier bezeichnet das als „Sauerei“.

Schermbeck

, 20.06.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Schermbecker CDU-Politiker nannte am Donnerstag im Umweltausschuss das, was die RAG den Kommunen an der Lippe zumute, „ein starkes Stück“. „Der Dreck von den letzten 100 Jahren wird auf einmal in die Lippe reingepumpt, ohne dass wir da was dran machen können.“ Schermbeck liege im Wasserschutzgebiet. Demnächst solle es große Renaturierungsmaßnahmen an der Lippe geben - für Landwirte fielen so Flächen weg. „Und die RAG darf ihr Zeug verklappen. Das ist ein Unding, unfassbar.“

Die RAG AG hatte ein wasserrechtliches Erlaubnisverfahren angestrengt für das Zutageheben von Grubenwasser und das Einleiten in die Lippe im Zuge der zentralen Wasserhaltung Haus Aden in Bergkamen. Dazu war auch die Gemeinde Schermbeck zu einer Stellungnahme aufgefordert worden. Am 28. April 2020 und eine Antwort wurde bis zum 8. Mai gefordert. Heinrich Hemmert (CDU) bemängelte auch den Zeitdruck: „So etwas kann man nicht in fünf Minuten entscheiden.“

Qualität des Wassers soll nicht verschlechtert werden

Unklar sei, so Hemmert, welche Aufarbeitungsmöglichkeiten es für das Wasser gebe, das seines Wissens sogar zum Teil radioaktiv sein könne. Er und die anderen Politiker sprachen sich dafür auch, die von der Gemeinde verfasste Stellungnahme sprachlich zu verschärfen. Eine sinnvolle und naturverträgliche Folgenutzung des Grundwassers wollen Gemeinde und Politik sowie eine Aufbereitung des Wassers mit modernen Verfahren und mit regenerativen Energien, „sodass die Qualität des Einleitungsgewässers bzw. dessen Naturhaushalt nicht zusätzlich verschlechtert wird.“

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Jürgen Trick (Grüne): „Die RAG tut immer so, als sei dies die Fortsetzung von dem, was seit 150 Jahren passiert.“ Dabei laufe die wasserrechtliche Genehmigung für Haus Aden im nächsten Jahr aus. Der Anstieg des Wasserpegels in der Grube führe zu einer anderen chemischen Zusammensetzung des Wassers, das nun Chloride, Blei, Cadmium und Quecksilber enthalten könne. „Das fließt nicht nur in die Lippe. Bei Überschwemmungen betrifft es auch Hausbrunnen und Felder.“

Direkte Rohrleitung

Uwe Karla (CDU) brachte die Möglichkeit einer direkten Leitung für das Grubenwasser zum Rhein ins Gespräch. Dafür habe bislang der politische Druck gefehlt und die Bezahlung sei auch nicht geklärt gewesen. „Irgendwann muss es in ein Gewässer rein“, so Karla, doch die Lippe sei aufgrund des Wasserstands nicht dafür geeignet. Rainer Gardemann (CDU) widersprach: „Das Wasser ist zu reinigen und abzukühlen. Den gleichen Dreck durch Rohrleitungen an uns vorbei in den Rhein zu kippen, kann auch nicht die Lösung sein.“

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