Im Schermbecker Reisebüro häufen sich derzeit die Anfragen. © Berthold Fehmer
Reisebüro

Reisebüros wieder gefragt: „Die Leute sind heiß wie Frittenfett“

Eine deutlich erhöhte Nachfrage verzeichnet das Schermbecker Reisebüro in den letzten Tagen. Katrin Herbrechter sagt: „Die Leute sind heiß wie Frittenfett.“ Die Preise zum Teil auch.

Die unterschiedlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie ließen sich am Freitagmorgen beim Termin am Schermbecker Reisebüro wie unter einem Brennglas studieren. Birgit Förster, Leiterin des Behinderten-Wohnheims Haus Kilian war mit einigen Bewohnern gekommen, um eine Spende entgegenzunehmen.

Eine harte Zeit haben Mitarbeiter und Bewohner hinter sich. Ausflüge oder selbst das Rausgehen in Gruppen sei verboten gewesen, so Förster. „Langsam kehrt die Normalität zurück“, sagt sie, gibt aber zu, dass die Mitarbeiter an in dieser Zeit an ihre Grenzen gelangt seien.

Schnelltests statt Reisevermittlung

Eine harte Zeit liegt auch hinter dem Team des Schermbecker Reisebüros. Viele Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit, da Reisen zwar nicht verboten, aber hochgradig erschwert waren. Im nachbarschaftlichen Kontakt zur Burgapotheke kam man deshalb auf die Idee, vor vier Wochen im räumlich abgetrennten Teil des Reisebüros ein Schnelltestzentrum aufzumachen, das von Mitarbeitern beider Unternehmen betrieben wird. So konnten sich die Mitarbeiter zum Kurzarbeitergeld etwas hinzuverdienen.

Ute Hecht-Neuhaus sagt, dass von der Pauschale für den Aufbau eines solchen Zentrums 500 Euro übrig geblieben seien, die aufgrund der bereits vorhandenen Strukturen nicht benötigt wurden. Deshalb überreichte sie mit Katrin Herbrechter vom Reisebüro einen symbolischen Scheck über 500 Euro an Förster, die das Geld für Ausflüge oder Urlaubsangebote einsetzen will.

Ute Hecht-Neuhaus (2.v.l.) übergab am Freitag einen symbolischen Scheck über 500 Euro an Birgit Förster vom Haus Kilian.
Ute Hecht-Neuhaus (2.v.l.) übergab am Freitag einen symbolischen Scheck über 500 Euro an Birgit Förster vom Haus Kilian. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

Bislang kein positiver Test

Teilweise über 100 Personen lassen sich in dem Testzentrum in der Mittelstraße pro Tag testen. Einen positiven Test gab es noch nicht, sagt Hecht-Neuhaus. Anmelden kann man sich für Tests unter www.natuerlichundnah.de. Obwohl für manche Aktivitäten, etwa Außengastronomie, nun kein Test mehr notwendig ist, glaubt Hecht-Neuhaus, dass Tests noch in anderen Bereichen einige Zeit benötigt werden. Wie lange die Teststelle noch geöffnet sein wird? Hecht-Neuhaus: „So lange wir gebraucht werden.“

Gebraucht werden wieder die Mitarbeiter des Reisebüros. Ohne Test oder Termin können die Kunden wieder kommen, die hohen Beratungsbedarf haben. „Wust und Wirrwarr“ nennt Frank Herbrechter die derzeitigen Regelungen um Quarantäne, Tests, Risikogebiete und mehr. Einen „Flickenteppich“ gebe es sogar in Deutschland.

„Familien sind noch zaghafter“

Gibt es Tendenzen, wohin es die Leute zieht? Sowohl große Reisen oder Kreuzfahrten, teilweise erst im Jahr 2022, seien derzeit gefragt, als auch „ultra-kurzfristige“ Urlaubswünsche, auch in Deutschland, so Herbrechter. Buchen eher Ältere, die vielleicht bereits doppelt geimpft sind, oder Jüngere? „Mit den Älteren ging es los“, sagt Herbrechter: „Weniger junge Familien, die sind noch zaghafter.“

Einstellen müssen sich die Urlauber aber auf eines: „Die Preisentwicklung kennt nur eine Richtung: nach oben“, sagt Herbrechter. Und das gelte für alle Reiseziele. Fluggesellschaften hätten zum Teil ihre Flugzeuge eingemottet, Autoverleiher ihre Fahrzeuge verkauft. „Wir haben zum Teil Preisentwicklungen, die ins Vierfache gegangen sind.“

So habe man erst einen Tag zuvor nur mit Mühe und Not einen Mietwagen auf Mallorca ergattern können: elf Tage Kleinwagen, vierstelliger Preis. Da die Pandemie in den vergangenen Monaten wenig Gelegenheit zum Geldausgeben bot, dürften sich Urlaubswillige aber trotzdem nicht abschrecken lassen. Herbrechter: „Reisen wird mit Sicherheit teurer.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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