Der Rheinisch-Westfälische Hof ist mittlerweile abgerissen. Es hätte Alternativen gegeben, sagen drei Schermbecker, die ein Konzept zum Erhalt vorgelegt hatten. © Berthold Fehmer
Rheinisch-Westfälischer Hof

Rheinisch-Westfälischer Hof abgerissen: „Es hätte Alternativen gegeben“

Der Rheinisch-Westfälische Hof ist abgerissen. Schade finden das drei Schermbecker, die der Gemeinde eine Alternative angeboten haben. „Weil es eines der wenigen alten, schönen Gebäude war.“

Viel Arbeit sei den dreien erspart geblieben, sagt Jonas Steinkamp, denn eine Kernsanierung sei unausweichlich gewesen wäre, wenn man das Gebäude hätte erhalten wollen. Trotzdem schwingt Bedauern in seiner Stimme mit. Denn der ehemalige Rheinisch-Westfälische Hof sei von der Grundsubstanz in Ordnung gewesen. „Er war nicht einsturzgefährdet.“

Der Rheinisch-Westfälische Hof wurde 2015 von der Gemeinde Schermbeck gekauft und zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt.
Der Rheinisch-Westfälische Hof wurde 2015 von der Gemeinde Schermbeck gekauft und zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. © Berthold Fehmer (A) © Berthold Fehmer (A)

Die Gemeinde hatte die traditionsreiche Gastwirtschaft Rheinisch-Westfälischer Hof 2015 gekauft, um dort Flüchtlinge unterzubringen. Anschließend startete die Gemeinde über die Volksbank ein Bieter-Verfahren, bei dem es nicht nur darum ging, ein möglichst hohes Gebot abzugeben, sondern auch ein Konzept zur späteren Nutzung vorzulegen.

Dies war der Moment, als Christoph Köllmann, Jonas Steinkamp und Robin Gierse aktiv wurden. „Wir wollten damit kein Geld verdienen – uns ging es um den Erhalt des Gebäudes“, sagt Köllmann, der mit den beiden anderen unter dem Titel „inoxsign“ einen Online-Shop für Schilder und Hausnummern betreibt. Alle drei betonen, dass man auch gut damit hätte leben können, wenn jemand anderes das Gebäude erhalten und saniert hätte.

Als Café hätte der Rheinisch-Westfälische Hof umgebaut werden können – hier ein Bild aus dem eingereichten Konzept. Vorher wäre einer Kernsanierung notwendig gewesen. © privat © privat

Zusammen habe man sich ein Konzept überlegt. „Was würden wir uns für Schermbeck wünschen?“ Unter den dem Titel „Life + Work“ (Leben und Arbeit) reichten sie ihr Konzept ein, das ein Café mit Außengastronomie im Innenhof, ein Atelier, einen Coworking Space für Kreative und ein paar Ferienzimmer (nicht nur) für Radtouristen vorsah.

Viel positives Feedback erhalten

Das Konzept mit Café, so die drei Schermbecker, sei für alle Generationen offen gewesen, habe aber jüngere Schermbecker ansprechen sollen, für die es nicht viele attraktive Lokalitäten in Schermbeck gebe. Viel positives Feedback hätten sie von Menschen bekommen, denen sie ihren Plan erklärten. Im Rathaus sprachen sie auch mit Gerd Abelt, Vertreter des Bürgermeisters, der positiv angetan vom Konzept gewesen sei, allerdings auch darauf hingewiesen habe, dass die Politik entscheide.

Ein Café mit Außenbereich hätten sich die drei Schermbecker für den Rheinisch-Westfälischen Hof gewünscht. © privat © privat

Enttäuscht waren Köllmann, Steinkamp und Gierse dann, als sie nun hörten, dass ihre Pläne nicht zum Zuge kamen, sondern die Politik einen Abriss und den Bau barrierefreier Wohnungen bevorzugte. Das sei angesichts der Lage im Zentrum des Orts schade, sagt Jonas Steinkamp. „Dann sitzen Leute dann abends in der Wohnung, aber da passiert nichts mehr.“

Bürgerschaft wird in den nächsten Jahren älter

Andererseits: In Schermbeck ist laut demografischer Prognosen eine immer älter werdende Bürgerschaft zu erwarten. Barrierefreier Wohnraum wird also definitiv in den kommenden Jahren gebraucht. Köllmann, Steinkamp und Gierse entgegnen, dass es Angebote für Jüngere geben müssen, um der demografischen Entwicklung entgegenzutreten.

Da es sich um eine Grundstücks-/Immobilien-Entscheidung handelte, wurde der Beschluss im nicht-öffentlichen Teil des Bau- und Liegenschaftsausschusses gefällt. War es am Ende eine finanzielle Entscheidung? Schließlich naht auch die Verpflichtung, ab 2023 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. „Durch Altenwohnungen bekommt man keine Gewerbesteuereinnahmen“, sagt Christoph Köllmann.

„Die Beratungen gingen in verschiedene Richtungen“

Sowohl die Höhe der Gebote als auch die Konzepte seien in die Entscheidungsfindung eingebunden worden, sagt Theresia Meyer von der Verwaltung. Alle Konzepte seien der Politik vorgelegt worden. „Die Beratungen gingen in verschiedene Richtungen.“ Die Mehrheit habe sich am Ende aber für das geplante Wohnhaus entschieden.

Mehr Transparenz bei der Entscheidungsfindung hätten sich jedoch die drei Schermbecker gewünscht. Sie haben das Gefühl, dass es am Ende doch nicht um Konzepte, sondern um Geld ging. Die Meinung bei vielen Schermbeckern, mit denen er gesprochen habe, sagt Köllmann, sei gewesen: „Das Gebäude muss weg. Das hätte eh keiner angepackt.“ Dieser Eindruck sei aber falsch. „Wir wären bereit gewesen, das Gebäude zu erhalten.“

Da bei dem Bieter-Verfahren neben dem Konzept aber auch das abgegebene Angebot eine Rolle gespielt habe, „ist das schlecht voneinander zu trennen“, sagt Meyer. Die finanzielle Seite sei zwingend im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung zu behandeln gewesen.

„Es verschwindet ein Stück Geschichte“

Mittlerweile sind die Würfel und auch der Rheinisch-Westfälische Hof gefallen. Der Abriss ist erfolgt. Er habe beobachtet, dass manche ältere Schermbecker beim Abriss noch schnell ein Foto vom Rheinisch-Westfälischen Hof gemacht hätten“, sagt Köllmann. „Es gibt viele, die früher in der Kneipe zu Besuch waren.“ Doch mit dem Abriss steht für Köllmann eines fest: „Es verschwindet ein Stück Geschichte aus Schermbeck.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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