Rocker-Razzia: Polizisten stürmen Wohnung in Schermbeck

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Sechs mutmaßliche Mitglieder aus der Führungsebene der Rockergruppierung „Bandidos“ sind am Dienstag festgenommen worden. In sieben Städten wurden Wohnungen gestürmt - auch in Schermbeck.

von Berthold Fehmer, Kevin Kindel

Schermbeck

, 28.01.2020, 10:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ermittler haben bei einem Einsatz in mehreren Städten in NRW sechs Männer, mutmaßlich aus der höheren Führungsebene der Rockergruppierung „Bandidos“, festgenommen. Am frühen Dienstagmorgen wurden acht Wohnungen in Dortmund, Schwerte, Castrop-Rauxel, Herne, Gelsenkirchen, Wuppertal und Schermbeck gestürmt und durchsucht, wie ein Sprecher der Polizei Hagen sagte. Die Behörde leitete den Einsatz. Rund 240 Polizisten waren im Einsatz.

Auch Spezialeinsatzkommando-Kräfte (SEK) waren an der Aktion beteiligt. Es seien umfangreiche Beweismittel sichergestellt worden, auch eine halbautomatische Schusswaffe. Insgesamt waren rund 240 Beamte im Einsatz.

Haftbefehle gegen zwei Männer

Den Festgenommenen im Alter von 36 bis 56 Jahren werde die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Gegen zwei der Männer hätten bereits Haftbefehle bestanden.

Ob es auch in Schermbeck eine Festnahme gab und was dort gefunden wurde - darüber dürfe er aufgrund laufender Ermittlungen noch nicht sprechen, sagte Polizeisprecher Michael Siemes von der Polizei Hagen auf Anfrage.

Hintergrund der Razzia sind Auseinandersetzungen zwischen zwei Rockergruppen in Hagen in den letzten Jahren. Oberstaatsanwalt Gerhard Pauli bestätigte auf Anfrage, dass es sich um die Bandidos und die „Freeway Riders“ handele.

Rockerkrieg

Die „Freeway Riders“ wurden in Hagen gegründet und haben unter dem Titel „Freeway Riders Borderland“ auch einen Sitz in Schermbeck. Zum sogenannten Rockerkrieg in Hagen war es gekommen, nachdem die Bandidos 2016 in Hagen ansässig werden wollten.

Pauli: „Die heutige Aktion richtete sich im Wesentlichen gegen Mitglieder des Bandidos MC.“ Durchsucht worden seien nach seinem Kenntnisstand auch nur Wohnungen, keine Vereinsheime.

Die Ermittler hatten nach Auseinandersetzungen der Rockergruppen im Jahr 2018 bereits 2019 und 2020 intensive Ermittlungen geführt sowie Haftbefehle und Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt.

Handel mit Schusswaffen

Ins Zentrum der Ermittlungen rückte laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft Hagen und des Polizeipräsidiums Hagen der Motorradclub (Bandidos), der sich nach blutigen Auseinandersetzungen mit den Freeway Riders im Hagener Süden auflöste, um sich kurz darauf in Hagen-Hohenlimburg neu zu gründen. Hier wurden Ermittlungen wegen des Erwerbs und des Handels mit Schusswaffen geführt.

„Aus der Gesamtschau ergibt sich der dringende Verdacht, dass der Tatbestand der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung erfüllt ist“, so Staatsanwaltschaft und Polizei in ihrer Mitteilung. Wegen der besonderen Gefährlichkeit der Festzunehmenden griffen die Ermittler auf mehrere Teams der Spezialeinheiten zurück. An einem Objekt in Dortmund kam sogar ein Spezialfahrzeug mit Räumschild zum Einsatz, um ein Tor zu öffnen.

Sechs Personen festgenommen

Bei den Einsätzen nahmen die Polizisten insgesamt sechs Personen fest, gegen zwei von ihnen bestand bereits ein Haftbefehl. Die Beamten transportierten alle Festgenommenen in das Polizeigewahrsam Hagen. Hier werden die Männer, die zwischen 36 und 56 Jahre alt sind, derzeit vernommen.

Polizeisprecher Siemes: „Die Staatsanwaltschaft ist sehr zuversichtlich, dass aufgrund der gefundenen Beweismittel der Anfangsverdacht der Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung gerichtsfest gemacht werden kann.“

Mit Material von dpa

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