Helmut Hemmert holt seine Schafe jeden Abend in den Stall. Trotzdem befürchtet er, dass auch seine kleine Herde irgendwann von Wölfen heimgesucht wird. In diesem Fall will er die Schafzucht komplett aufgeben. © privat
Wolfsgebiet Schermbeck

Schafzüchter verfolgt Diskussion zum Wolf mit „stiller Wut“

Seit mehr als 50 Jahren ist Helmut Hemmert Schafzüchter. Und eigentlich niemand, der in die Öffentlichkeit drängt. Aber die Entwicklung der Diskussion zum Wolf erfülle ihn mit „stiller Wut“.

Der Gahlener Helmut Hemmert ist 74 Jahre alt und schon „seit Kindesbeinen“ hat er mit Schafen zu tun. Seit mehr als 50 Jahren hält er sechs bis acht Mutterschafe und deren Nachzucht in Nähe des Gahlener Dorfkerns sowie in Dorsten-Östrich. „Meine kleine Schafherde ist besonders im Frühjahr mit ihren Lämmern eine Augenweide für Spaziergänger mit kleinen Kindern.“

Seit Beginn der öffentlichen Diskussion zum Thema Wolf verfolgt Hemmert diese „mit großem Interesse“. Doch die Entwicklung erfülle ihn „mit großem Unverständnis und bisher stiller Wut.“

Bewegungsmelder verhinderte Wolfsriss

Bislang wurde noch kein Schaf aus Hemmerts kleiner Herde gerissen. „Dem ersten Wolfsriss vor etwa drei Jahren bin ich offensichtlich nur durch einen glücklichen Zufall entgangen. Meine Schafe hatten offensichtlich bei ihrer Flucht in den Stall dort vorhandene Bewegungsmelder aktiviert und damit den Wolf irritiert.“

Die Schafe fand Hemmert am frühen Morgen nervös und zitternd im Stall. „Wenige Tage später habe ich erfahren, dass ein Wolf in etwa 1.000 Metern Entfernung in unmittelbarer Nähe des Dorfkerns mehrere Schafe gerissen hat. Er wurde auch mehrfach durch eine Wildkamera, die sich in der Nähe unseres Grundstücks an einem Wildwechsel befindet, nachgewiesen.“

Schafe werden aufgestallt

Hemmert zog Konsequenzen: „Seit diesem Vorfall stalle ich die Tiere nachts auf.“ Das sei eine Belastung für die Schafe und erheblicher Aufwand. 1,5 Kilometer Zaun, um drei Standorte wolfssicher aufzurüsten und zu kontrollieren, sei ihm unmöglich, so Hemmert: „Die angebotenen Zuschüsse decken nur einen Bruchteil des erforderlichen Aufwandes.“

Er habe „Hochachtung“ vor dem Engagement der „Arbeitsgruppe Wolf“ des Gahlener Bürgerforums, so Hemmert. Der Beschluss des Schermbecker Rats, der sich im Dezember für eine Entnahme des Wolfs eingesetzt hat, spiegelt für Hemmert „die Besorgnisse der großen Mehrheit der Gahlener Öffentlichkeit wider und genau das ist seine Aufgabe“.

„Emotionale Lage“

Von einer „emotionalen Lage“, spricht Hemmert: Die Emotionen bei Wolfsbefürwortern sieht er, sagt aber auch: „Ich gestehe gerne, dass ich zu meinen Tieren eine emotionale Beziehung habe und mir deshalb vorgenommen, den Bestand schweren Herzens in kürzester Zeit aufzugeben, sollte ich tatsächlich von einem Wolfsriss betroffen sein.“

In seinem Bekanntenkreis, der weit über Gahlen und Dorsten hinausreichte, habe niemand Verständnis dafür, „dass hier mit erheblichem öffentlichen Aufwand versucht wird, in einem dicht besiedelten Raum ein Wolfshabitat aufzubauen. Wer macht sich Gedanken über die tatsächlichen Auswirkungen?“

„Erhebliche Haltungsrisiken“

Schaf-, Ammenkuh- und Rinderhaltung mit nächtlichem Weidegang würden zunehmend aufgegeben, erwartet Hemmert, „weil sie unwirtschaftlich werden und mit erheblichen Haltungsrisiken verbunden sind.“ Hemmerts Sorge geht aber noch weiter: „Keine Kindergärtnerin kann es wagen, mit einer Gruppe Kleinkindern einen Waldspaziergang zu machen.“

Hemmerts Fazit: „Diese Gesellschaft wird sich entscheiden müssen, was ihr wichtiger ist: eine naturnahe Nutztierhaltung mit hoher gesellschaftlicher Akzeptanz oder die Rücksicht auf ein paar ‚Öko-Fantasierer‘, die von der tatsächlichen Lage in landwirtschaftlich genutzten Räumen keinerlei Ahnung haben.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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