Schermbeck zahlt für fast 7 Millionen Euro Negativzinsen - Alternative in Sicht

mlzBeamten-Pensionen

Fast 7 Millionen Euro hat die Gemeinde Schermbeck derzeit flüssig - und zahlt dafür Negativzinsen. Eine andere Möglichkeit stellte Christian Sander vor.

Schermbeck

, 12.03.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sander ist Abteilungsleiter bei den Rheinischen Versorgungskassen, die ihren Sitz in Köln haben. Die Versorgungskassen sind ein Dienstleister für Kommunen und kümmern sich um die Beamtenversorgung.

Ein Angebot der Kassen ist der Kommunale Versorgungsrücklagen-Fonds (KVR-Fonds). Da die Lebenserwartung der Menschen steigt, erhalten Beamte auch länger ihre Pensionen - die Ausgaben für Kommunen steigen dadurch. Mit dem Fonds, so Sander am Dienstag im Haupt- und Finanzausschuss, könnten Kommunen Geld über einen längeren Zeitraum anlegen, um Versorgungsaufwendungen besser kalkulieren zu können.

2 oder 3 Millionen Euro?

Zwei Modelle hatte Sander durchgerechnet: Im ersten Fall würde die Gemeinde Schermbeck 2 Millionen Euro, im zweiten 3 Millionen Euro in den Fonds geben. Dieser liegt bei der Landesbank Baden-Württemberg und ist derzeit bei etwa 230 Mitgliedskommunen fast 1,5 Milliarden Euro groß. Zahlen müssen die Kommunen dafür 0,09 Prozent des Fondsvolumens.

Maximal 30 Prozent des Gelds werden in Aktien angelegt. „Jetzt, wo die Börse gerade holprig ist, sind es 15 Prozent“, sagte Sander. Der Rest sind sogenannte Anleihen (Rentenpapiere), allerdings nur von Staaten mit hohem Rating, „also keine aus Griechenland, Irland, Spanien oder Portugal“, so Sander.

„Es gibt keinen Garantiezins“

Seit 1998, als der Fonds aufgelegt wurde, habe dieser eine Wertentwicklung von 101,9 Prozent gehabt. Sanders betonte aber auch: „Es gibt keinen Garantiezins.“ Beim Unterschreiten eines „Mindestfondspreises“ greife die Anweisung, alle Aktien sofort abzustoßen. Sander: „Derzeit sind wir bei Weitem noch nicht beim Mindestfondspreis.“

Was würde das Einzahlen der Millionen-Beträge für Schermbeck bewirken? Bei 2 Millionen Euro und einer durchschnittlichen Wertentwicklung von 3 Prozent könne man die jährlichen Ausgaben für die Beamtenversorgung bis 2045 bei 620.000 Euro stabil halten, auch wenn beispielsweise 2035 eigentlich ein Spitzenwert von 886.000 Euro notwendig werde. Bei einer Einzahlung von 3 Millionen Euro könne man die jährliche Belastung auf 540.000 Euro senken, so Sander.

„Ein schönes Sparbuch“

„Eigentlich ist das ein schönes Sparbuch“, sagte Hubert Große-Ruiken (CDU), der auch Kämmerer der Stadt Dorsten ist. „Haushalterisch bringt das gar nichts, außer den Zinsen“, sagte Kämmerer Frank Hindricksen - der deshalb Engelbert Bikowskis (CDU) Frage verneinen musste, ob man so Steuererhöhungen vermeiden könne.

Derzeit zahle Schermbeck rund 190 Euro Negativzinsen pro Monat, so Hindricksen - bis zu den Sommerferien soll die Politik über den Fonds entscheiden. Falls die Gemeinde ihr Geld aus dem Fonds abziehen wolle, sei dies an vier Terminen im Jahr möglich, sagte Sander.

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