Schermbecker führte akademischen Titel zu Unrecht

Vor Gericht

Mehrere Jahre lang führte ein Schermbecker einen Doktortitel - zu Unrecht, denn sein Titel ist in Deutschland nicht gültig.

SCHERMBECK

von Von Berthold Fehmer

, 05.03.2012, 15:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Ich schäme mich, dass ich einer Scharlatanerie aufgesessen bin. Ich habe acht Jahre harte Arbeit verschenkt." Zerknirscht äußerte sich ein 72-jähriger Schermbecker am Montag vor dem Weseler Amtsgericht. Der Vorwurf: Er soll einen akademischen Grad zu Unrecht geführt haben.

Als der Diplom-Ingenieur in den Ruhestand ging, habe seine Frau ihm geraten, "noch etwas aus mir zu machen". Bei mehreren deutschen Universitäten (Duisburg, Essen oder Dortmund) war der Schermbecker daraufhin vorstellig geworden, fand aber keinen Doktorvater, der ihn betreuen wollte.Dekan geglaubt Ganz anders bei der Universität Teufen in der Schweiz. Der dortige Dekan habe ihm versichert, dass er den Titel auch in Deutschland führen dürfe, sagte der Schermbecker. "Ich habe mich damals ehrlich gesagt nicht getraut, mir das schriftlich geben zu lassen."

Der Schermbecker übernahm einen Forschungsauftrag und wurde 2004 in der Schweiz für seine Arbeit zum Thema Quantenphysik zum Doktor ernannt, 2005 für die Habilitationsschrift zum Professor. Bei der Gemeindeverwaltung Schermbeck hatte er sich diese Titel jeweils kurz darauf in seinem Personalausweis vermerken lassen.

Zu Unrecht: Denn ein bilaterales Abkommen zwischen der Schweiz und Deutschland verbietet dieses ebenso wie das deutsche Hochschulrecht. Erst im Frühjahr vergangenen Jahres habe er davon Kenntnis bekommen, sagte der Schermbecker, und darauf sofort seine Titel abgelegt und nicht mehr geführt. Im Übrigen habe er niemanden geschädigt, die Titel nicht für eine Vorteilsnahme eingesetzt.

Der Anwalt des Schermbeckers gab zu bedenken, dass es sich nicht um eine "Allerweltsproblematik" handele, und der Fehler eher beim Einwohnermeldeamt der Gemeinde zu suchen sei. Diese hätte die Anfrage genauer prüfen müssen. Das selbst dort nicht bekannt gewesen sei, dass sein Mandant den Titel nicht hätte führen dürfen, sei doch ein starkes Indiz für die Unschuld des 72-Jährigen. "Also muss der Bürger mehr wissen als der Staat!?!"600 Euro für Schule Richter und Staatsanwältin waren nicht hundertprozentig überzeugt: Sie wollten den Angeklagten nicht ganz aus der Pflicht nehmen, dass er den Sachverhalt hätte genauer prüfen müssen. Ein Urteil gab es dennoch nicht: Das Verfahren wurde für sechs Monate ausgesetzt. Der Angeklagte muss in dieser Zeit 600 Euro an die Weseler Montessori-Schule zahlen - dann wird der Fall zu den Akten gelegt.

 

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