Schermbecker Landwirte wollen wegen der Gülle nicht in Verruf geraten

mlzGülle

Seit dem 1. Februar dürfen Landwirte wieder Gülle auf ihren Äckern und Grünflächen ausbringen. Das schreibt die Düngeverordnung vor. Doch auch vorher waren Gülle-Transporte erlaubt.

Schermbeck

, 03.02.2019, 16:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem 1. Februar endete zugleich die dreimonatige Sperrfrist, während der mindestens ein Landwirt mit dem Ausbringen von Gülle drei Bürger veranlasste, sich in der Redaktion über diesen Verstoß gegen die Gülleverordnung zu beschweren. Den Landwirten hat der Weg der Bürger über die Presse aber nicht gefallen. „Ansprechpartner bei Verdacht auf Verstöße der Düngeverordnung sind die zuständigen Kreisstellen der Landwirtschaftskammer NRW“, teilte Wolfgang Neuenhaus als Gewässerschutzberater der Landwirtschaftskammer mit. Wer den Namen eines gegen die Gülleverordnung verstoßenden Landwirts nicht kennt, wird gebeten, das Flurstück zu benennen, auf dem unerlaubterweise Gülle ausgetragen wurde.

Kreisstellen der Landwirtschaftskammer sind Ansprechpartner

„Wir Landwirte wollen nicht, dass unser Berufsstand wegen eines Außenseiters in Verruf gebracht wird“, stellte Rainer Kremer als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Schermbecker Landwirte während eines Gespräches zum Thema Gülle fest, an dem auch weitere Ortsbauernvorsitzenden der Gemeinde Schermbeck auf dem Hof der Familie Keller in Rüste teilnahmen. Am Gespräch beteiligte sich auch Thomas Dietz, ein Hydrogeologe der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft (RWW).

Nicht jedes Güllefass, das seit Beginn der Sperrfrist am 1. November unterwegs war, transportierte auch Gülle. Es gibt mehrere Gründe, die dazu führen können, dass man während der Sperrfrist auf den Straßen einem Gülletransportfahrzeug begegnen kann. Das kann dabei mit unterschiedlichen Flüssigkeiten gefüllt sein.

Außerdem: Wenn ein Landwirt ein externes Güllelager angemietet hat, darf er auch während der Sperrfrist die Gülle von seinem Hof zu diesem angemieteten Lager transportieren. Zahlreiche Landwirte nutzen nicht mehr benötigte Güllelagermöglichkeiten anderer Landwirte. So kann der Landwirt in den Monaten mit einer Sperrfrist für die Ausbringung von Gülle berechtigterweise auf den Straßen unterwegs sein.

Das sind erlaubte Transporte von Gülle

Erlaubte Transporte von Gülle stehen auch an, wenn Gülle zu einer Biogasanlage transportiert wird. Gülle und Mist werden in den allermeisten Biogasanlagen ebenso zur Verstromung eingesetzt wie Futterreste. Wegen der seit 2011 in Betrieb befindlichen Rüster Biogasanlage sieht man wöchentlich Landwirte mit ihren Güllefässern dorthin fahren.

Ein Güllefahrzeug kann auch aus anderen Gründen während der Sperrfrist unterwegs sein. Das auf den Höfen anfallende unbelastete Oberflächenwasser und jenes Wasser, das mit Silo-Sickerwasser belastet ist, darf ganzjährig ausgebracht werden. Das aufgefangene Regenwasser darf oberflächlich in der belebten Bodenzone verrieselt werden. Das Silo-Mischwasser wird in einen speziellen Keller geleitet. Auch dieses Mischwasser darf ganzjährig ausgebracht werden, allerdings nicht punktuell, sondern breitflächig mithilfe von Güllefässern.

Dass die Landwirte sorgsam und sparsam mit der Gülle umgehen, machte der Altschermbecker Ortsbauernvorsitzende Rainer Haddick deutlich. Von jedem Feld und jeder Wiese werde der Düngebedarf ermittelt. Da auch von der Gülle Proben gezogen würden, könne man genau ermitteln, wie viel Dünger pro Hektar ausgebracht werden könnte.

Strenge Einhaltung der Düngeverordnung

Dass gerade in Rüste besonderer Wert auf die strenge Einhaltung der Düngeverordnung gelegt wird, führen die Landwirte auf die seit 1998 bestehende freiwillige Wasserkooperation mit der RWW zurück. „Ziel der Kooperation ist die Gewässerreinhaltung über das geltende Ordnungsrecht hinaus“, stellt Wolfgang Neuenhaus fest und berichtet von einer hohen Akzeptanz. Die Beteiligung der landwirtschaftlichen Kooperationsbetriebe liege bei rund 90 Prozent.

Zum sorgsamen Umgang mit der Gülle werden die Landwirte auch durch die Teilnahme am Gewässerschutzkonzept 2020 angehalten. „Der größte Teil der Gülle wird vom 1. Februar bis Ende Mai ausgebracht, um den Nährstoffbedarf der Pflanzen zu decken“, berichtet Rainer Kremer. Da das Zeitfenster kurz sei, müssten die täglichen Fahrzeiten entsprechend ausgedehnt werden. „Wir bitten unsere Mitbürger um Verständnis“, bittet Kremer vorab.

So sind die Kreisstellen der Landwirtschaftskammer erreichbar: Borken, Tel. (02861) 9 22 70, Kleve-Wesel im Klever Haus Riswick, Tel. (02821) 99 60, und Coesfeld-Recklinghausen in Coesfeld, Tel. (02541) 91 00
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