Die Schermbecker Landwirtin Jonna Sümpelmann (23) wirbt auf Milchpackungen von Aldi für das Tierwohllabel. © Berthold Fehmer
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Schermbecker Landwirtin wirbt auf Aldi-Milchpackung für Tierwohllabel

Auf Aldi-Milchpackungen könnten Schermbecker demnächst ein bekanntes Gesicht entdecken. Landwirtin Jonna Sümpelmann (23) wirbt für das Tierwohllabel - aber was bewirkt das auf ihrem Hof?

Im Urlaub in Bayern traute ihr Onkel kürzlich beim Frühstück seinen Augen nicht: „Da ist Jonna“, sagte er zu seiner Frau und zeigte auf die Milchpackung. „Meine Tante ist fast umgekippt“, sagt Jonna Sümpelmann und lacht. Als staatlich geprüfte Agrarbetriebswirtin betreibt sie mit ihrer Mutter Silke den Horstkamps Hof am Waldweg – in fünfter Generation.

Auch wenn ein Melkroboter die 65 Kühe des Hofs melkt, wollen beide Frauen nicht mehr Kühe. „Wir wollten das, was wir haben, richtig machen“, sagt Jonna Sümpelmann. So kam es vor zwei Jahren zum Wechsel der Molkerei. Die Molkerei Gropper aus Bissingen (Bayern) hatte ein Joint Venture mit Dr. Oetker in Moers gegründet unter dem Titel „Moers Frischeprodukte“. Ein Start-up. Weidemilch nach Richtlinien des Tierschutzbundes produzieren die Sümpelmanns seitdem.

40 Kriterien müssen erfüllt werden

Über 40 Kriterien habe man erfüllen müssen, sagt Mutter Silke: etwa die Möglichkeit für Kühe, ganzjährig nach draußen zu gelangen, ausreichend Platz im Stall, keine Überbelegung, Enthornung der Kälber durch einen Tierarzt, Klauenpflege, die Ermittlung des CO2-Abdrucks und vieles mehr.

„Es waren viele Punkte, die wir schon vorher erfüllten“, sagt Silke Sümpelmann über die Bewerbungsphase, in der kleine Umbauten auf dem Hof notwendig wurden. Bei vier Kontrollen im Jahr, drei davon unangekündigt, wird festgestellt, ob alle Kriterien weiterhin eingehalten werden.

Mit einem Kurz-Portrait wird Jonna Sümpelmann auf der Milchpackung vorgestellt.
Mit einem Kurz-Porträt wird Jonna Sümpelmann auf der Milchpackung vorgestellt. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

Für den Mehraufwand bekommt die Familie 4 Cent pro Liter Milch mehr. „Das ist das erste Mal, dass wir für unsere Mehrarbeit auch mal was zurückbekommen“, sagt Tochter Jonna. Der Einzelhandel, das verschweigen Mutter und Tochter aber auch nicht, verdiene daran aber ein Mehrfaches.

QR-Code führt zu einem Interview

„Im Frühjahr kam die Molkerei auf uns zu und hat gefragt, ob ich bereit bin, mich auf der Milchtüte porträtieren zu lassen“, so Jonna. Sie stimmte zu, schickte Bilder von sich an die Molkerei. Ihr Porträt ist nun auf der Seite der Milchpackungen zu finden, darunter ein QR-Code, der zu einem Interview mit ihr führt. Vorne auf der Packung ist eine Zeichnung von Jonna und einer Kuh abgebildet.

Während die Milchpackungen mit Jonna Sümpelmann in Bayern schon erhältlich sind, findet man sie derzeit noch nicht bei Aldi in unserer Region. Bis Jahresende soll sich das ändern, erfuhr die Landwirtin im Gespräch mit der Molkerei.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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