Schermbeckerin verhandelte für Zentralafrika

Nachgestellte UN-Konferenz

Wie kann man die transnational organisierte Kriminalität in Zentralafrika bekämpfen? Mit dieser Frage reiste die 20-jährige Schermbeckerin Laura Bahr kürzlich zu einer nachgestellten UN-Konferenz mit 3500 Studenten aus aller Welt und vertrat dabei mit ihrer neunköpfigen Delegation die Interessen der Zentralafrikanischen Republik.

Schermbeck

, 12.05.2016, 18:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schermbeckerin verhandelte für Zentralafrika

Teilweise von 8 bis 23 Uhr musste Laura Bahr bei der nachgestellten UN-Konferenz verhandeln. "Es gab da Leute, die sind rhetorisch komplett begabt. Da musste man aufpassen, dass die einen nicht beeinflussen, dass man seine Meinung ändert."

Laura Bahr interessiert sich für Politik, an der Westfälischen Hochschule in Recklinghausen studiert sie allerdings Molekulare Biologie. An einer Essener Klinik erforscht sie derzeit Ursachen von Multipler Sklerose und ist Präsidentin des Studierendenparlaments an ihrer Hochschule.

Ein halbes Jahr vorbereitet

Auf die Konferenz „National Model United Nations“, ein freiwilliges Projekt im Studium, haben sie und die anderen Delegationsmitglieder der Hochschule sich ein halbes Jahr vorbereitet. Um sich den nötigen Hintergrund zu beschaffen, damit man die Positionen der Zentralafrikanischen Republik glaubhaft vertreten kann. „Super interessant“, so Laura Bahr, sei es gewesen, die Probleme, die Armut, die andere Kultur kennenzulernen. „Menschen, die total anders ticken“, und auch eine andere Art von Kriminalität in ihrem Land hätten als hierzulande. Doch Fachwissen allein reichte auf dem internationalen Verhandlungsparkett der Vereinten Nationen nicht: „Es gab da Leute, die sind rhetorisch komplett begabt. Da musste man aufpassen, dass die einen nicht beeinflussen, dass man seine Meinung nicht ändert und die Gesprächsführung behält“, sagt Laura Bahr.

Lange Diskussionen

In sogenannten „Sessions“, formellen und informellen, diskutierten und verhandelten die Studenten als Vertreter der ihnen zugewiesenen Länder. Laura Bahr suchte den Kontakt zu den Vertretern anderer afrikanischer Staaten, „damit man zusammen als afrikanische Einheit“ auftreten könne. Und zu Frankreich – „die Zentralafrikanische Republik war Kolonie von Frankreich“. Mit 20 „Ländern“ zu verhandeln, die „alle andere Interessen haben“, erforderte viel Geduld. Teilweise wurde von 8 bis 23 Uhr geredet, „wir haben sogar das Mittagessen vergessen“. Ziel des Aufwands: Eine Resolution am Ende der Woche, die von möglichst vielen mitgetragen werden konnte.

„Afropol“

Und wie könnte man nun die Kriminalität in Zentralafrika bekämpfen? Es gebe dort kriminelle Banden, die über die Landesgrenzen hinaus agierten, sagt Laura Bahr. Beschlossen wurde etwa, dass Grenzstrukturen verbessert, gegen Drogenschmuggel und Menschenhandel eine „Afropol“ nach dem Vorbild von „Interpol“ gegründet und Polizisten und Grenzkontrolleure von Frankreich ausgebildet werden sollten. Und was passiert mit den Ergebnissen, die in der Woche von Studenten ausgehandelt wurden? Es habe schon Fälle gegeben, dass eine Studenten-Resolution als Vorlage für die Diskussion der tatsächlichen UN-Vertreter gedient habe, so Laura Bahr.

Viele „Soft Skills“, etwa diplomatisches Handeln, habe sie in New York gelernt, sagt die 20-Jährige. Und: „Man wächst mit seinen Aufgaben.“ Hat man neben der Erforschung von Multipler Sklerose und UN-Konferenzen denn auch noch Zeit für etwas anderes? „Ich gehe am Wochenende ganz normal mit meinen Freunden raus“, sagt Laura Bahr, die auch gerne Snowboard fährt.

Berufliche Zukunft

Ob ihre berufliche Zukunft in der Biomedizin liegt, möchte Laura Bahr noch nicht beantworten. „Ich könnte mir auch vorstellen, irgendetwas mit Politik und das auch hauptberuflich zu machen“, sagt sie. In die Kommunalpolitik einzusteigen, dafür habe sie derzeit keine Zeit. Nach dem Studium sei das aber durchaus eine Möglichkeit, „oder auch zur UN zu gehen“.

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