Gabriele Goldschmidt und ihr Sohn Lasse sind begeisterte Brettspieler. © privat
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Sechs Tipps für einen Spieleabend mit der ganzen Familie

Kinos? Geschlossen. Zoos? Kein Eintritt. Training im Verein? Abgesagt. Viele beliebte Freizeitaktivitäten sind wegen der Coronakrise nicht möglich. Wie wäre es da mit einem Spieleabend?

Gesellschaftsspiele haben im Leben von Familie Goldschmidt aus Schermbeck (Kreis Wesel) schon immer eine große Rolle gespielt. Mutter Gabriele ist seit vielen Jahren begeisterte Brettspielerin und hat mit ihrer Leidenschaft auch ihren Sohn Lasse angesteckt.

Beide lieben es, sich mit Freunden und der Familie zu treffen und Spaß beim gemeinsamen Spielen zu haben. „Es gefällt uns, bei geistiger Anregung in das Spiel einzutauchen und dabei völlig abschalten zu können“, sagen sie. Jura-Student Lasse (25) schreibt seit mittlerweile sechs Jahren Brettspiel-Rezensionen für das Fachmagazin „Fairplay“.

Gemeinsam haben Mutter und Sohn sechs Spiele ausgewählt, die man ausgezeichnet als Familie und somit auch mit Kindern spielen kann.

Switch & Signal

Das Spiel: Bei Switch & Signal haben alle zusammen die Aufgabe, Güter in Städten aufzuladen und mit Lokomotiven in einen Zielort zu transportieren. Das wäre noch ziemlich einfach, wenn sich da nicht auch eine Reihe roter Signale, falsch gestellter Weichen und jede Menge anderer Züge auf dem Spielplan befänden.

Güter mit dem Zug transportieren: Switch & Signal. © privat © privat

Die Spieler haben mit Handkarten diverse Möglichkeiten, die Voraussetzungen für eine freie Fahrt zu schaffen. Doch vor jedem Spielzug werden zufällig Züge auf die Gleise gestellt und bewegt, sodass die Pläne durchkreuzt werden können. Zudem fahren die drei verschiedenen Zugarten unterschiedlich schnell, was auch noch mit Würfeln gesteuert wird. So sollte die graue Bummelbahn möglichst nicht vor dem schwarzen D-Zug stehen – aber vielleicht ist ja mit der Weiche noch etwas zu retten…

Neben einem Europa-Spielplan, bei dem die Warenwürfel nach Marseille befördert werden müssen, befindet sich auf der Rückseite eine Nordamerika-Karte. Auf dieser ist es etwas schwieriger, da nun in zwei verschiedene Städte Güter geliefert werden müssen. Es kommt vor allem darauf an, taktische Entscheidungen zu treffen und zu erkennen, an welchen Knotenpunkten Kollisionen drohen. Glücklicherweise haben die Spieler drei Helfer zur Verfügung, mit deren Unterstützung ein Zug schon mal warten oder ein Würfel noch einmal geworfen werden darf.

Die Bewertung: Switch & Signal weicht wunderbar von den altbekannten Eisenbahnspielen ab, da einerseits kooperativ, aber auch von Schikanen geprägt, die die Gruppe gemeinsam überwinden muss. Neben einer guten Planung und etwas Würfelglück stehen die großartigen 3D-Loks und schönen Grafiken auf Karten und Spielplan im Vordergrund.

Die Spieler: geeignet für zwei bis vier Spieler ab 10 Jahre. Dauer: ca. 45 Minuten (Switch & Signal, David Thompson, Kosmos, 30 Euro).

Dobble

Das Spiel: Dobble ist klein, schnell und chaotisch. 55 kreisrunde Karten kommen in der kleinen Metalldose daher. Auf diesen befinden sich jeweils acht von insgesamt über 50 Symbolen. Alle Karten werden zusammengemischt und als verdeckter Stapel bereitgelegt. Schon kann es losgehen, und es werden zwei Karten aufgedeckt.

Gleiche Symbole auf Karten entdecken: Dobble. © privat © privat

Auf beiden Karten gibt es genau eine Gemeinsamkeit – die gilt es jetzt möglichst schnell zu finden! Die oder der Schnellste erhält eine der beiden Karten und schon wird die nächste vom Stapel aufgedeckt. Wer, nachdem der Stapel durchgespielt ist, die meisten Karten sammeln konnte, gewinnt das Spiel.

Die Symbole sind in unterschiedlichen Größen und Ausrichtungen auf den Karten abgebildet und können daher nicht „auf den ersten Blick“ gefunden werden. Für jüngere Kinder geht es mit Dobble-Kids in den Zoo, ältere werden sich an der galaktischen Star-Wars- oder einer zauberhaften Harry-Potter-Edition erfreuen. Es erscheinen fast jährlich neue Dobble-Versionen.

Die Bewertung: Aufgrund eines ausgeklügelten Systems gleicht sich immer genau ein Symbol auf jeweils zwei Karten. Dadurch ist immer nur eine Lösung möglich. Neben dem klassischen Spiel sind in der Spielregel vier Varianten beschrieben. So wird Dobble tatsächlich nie langweilig und eignet sich als flottes Spiel für zwischendurch.

Die Spieler: geeignet für zwei bis acht Spieler ab sechs Jahre. Dauer: ca. 15 Minuten (Dobble, Denis Blanchot, Jacques Cottereau, Guillaume Gille-Naves, Igor Polouchine, Asmodee, 13 Euro).

Trails of Tucana

Das Spiel: Bei diesem einfachen Familienspiel hat jeder Spieler die Aufgabe, auf seinem eigenen Inselplan Dörfer und Sehenswürdigkeiten über Wege miteinander zu verbinden.

Unterwegs auf einer Insel: Trails of Tucana. © privat © privat

2 von 27 gemischten Geländekarten werden aufgedeckt und jeder trägt auf seinem Plan eine Verbindung zwischen den beiden abgebildeten Geländearten ein. Wird eine Sehenswürdigkeit mit einem Dorf verbunden, darf man dies direkt in der Wertungsecke des Inselplans markieren. Wurden alle 13 Kartenpärchen aufgedeckt und Wege eingezeichnet, endet die erste Runde.

Nun werden Punkte für die angeschlossenen Sehenswürdigkeiten notiert. Joker-Landschaftskarten und Sonderzüge ermöglichen den Spielern immer wieder, zusätzliche Verbindungswege einzuzeichnen, um neue Sehenswürdigkeiten zu erschließen. Schafft man es, zwei Dorffelder mit gleichen Buchstaben zu verbinden, erhält man zum Spielende zahlreiche Sonderpunkte. Wer dies als Erster oder Zweiter schafft, bekommt Bonuspunkte. Auf der Rückseite der Wertungszettel ist eine größere Insel abgebildet: auf diesem Plan werden sogar drei Runden gespielt.

Die Bewertung: Das große Plus von „Trails of Tucana“ in diesem Jahr ist die „Corona-Tauglichkeit“. Im ersten Lockdown wurde das Spiel oft solo und via Skype & Co. mit Freunden gespielt, im Sommer kam es auf den großen Gartentisch und alle Mitspieler konnten in ausreichendem Abstand mit eigenem Spielmaterial spielen.

Die Spieler: geeignet für bis zu acht Spieler ab acht Jahre. Dauer: ca. 15 Minuten („Trails of Tucana“ von E.Svensson / K. Ostby, Pegasus, ca. 18 Euro).

The Key

Das Spiel: Für alle Rätsel- und Knobelfans hat Haba eine neue Reihe entwickelt: The Key. Stets ist ein Verbrechen passiert, das es aufzuklären gilt. Beim „Raub in der Cliffrock Villa“ gibt es neun Fälle mit jeweils drei Verbrechen und drei Verdächtigen, denen man im Verlauf des Spiels die Tatwaffe, das Diebesgut und die Fluchtfahrzeuge zuordnen muss.

Hinweise führen zu des Rätsels Lösung: The Key. © privat © privat

Jeder Spieler erhält zu Spielbeginn einen Sichtschirm samt abwaschbarem Stift und eine Ermittlungsakte. Auf 140 Karten finden sich Hinweise zu Tathergang, Zeugenaussagen und Laborberichten. Von den Karten ist aber zunächst nur die Rückseite mit einem Farbcode zu sehen. Beim „roten Fall“ dürfen nur Karten mit einem roten Quadrat auf der Rückseite gewählt werden, wenn es daran geht, Hinweiskarten zu ziehen.

Die Zeugenaussagen und Laboruntersuchungen müssen schnell und korrekt kombiniert werden, um den Fall lückenlos aufzuklären. Es gewinnt, wer schnell den richtigen Schlüsselcode ermittelt und dabei möglichst wenig Hinweise benötigt. Der Schnellste muss nicht immer der Beste sein.

Die Bewertung: Das Spiel führt Kinder wunderbar in die Welt der Rätselspiele ein, aber Erwachsene haben ebenso viel Spaß mit dieser Mischung aus Kombinieren, Abgleichen und logischem Denken. Das Material in der Box ist darüber hinaus sehr hochwertig gestaltet. Alle neun Fälle können immer wieder gespielt werden. Kinder haben die Chance, gegen Erwachsene zu gewinnen, weil sie entweder besser kombinieren oder Glück beim Ziehen der Karten hatten. Daher eine klare Empfehlung für gemischte Altersgruppen.

Die Spieler: geeignet für einen bis vier Spieler ab 8 Jahre. Dauer: 20 Minuten (The Key – Raub in der Cliffrock Villa“ von Thomas Sing, Haba ca. 17 Euro. Außerdem: „„The Key – Sabotage im Lucky Lama Land“ und „The Key – Mord im Oakdale Club“).

Wildes Weltall

Das Spiel: Im wilden Weltall steuern Raumschiffe verschiedene Planeten an, um dort Aktionen auszuführen. Auf jedem Planeten kann nur ein eigenes Raumschiff landen und jeweils zwei Aktionen ausführen – daher ist das Spiel schon nach jeweils 10 Aktionen beendet.

Aufgaben für die Raumschiff-Besatzung: Wildes Weltall. © privat © privat

Man kauft neue Karten und spielt sie aus, um die Crew zu erweitern. Durch eine geschickte Reihenfolge sind Kettenreaktionen möglich, die es den Spielern erlauben, auch mehrere Profis, Gelehrte oder Roboter innerhalb eines Spielzugs auszuspielen.

Die Spielregeln sind schnell erlernt, und durch den Solo-Modus kann Wildes Weltall auch allein gespielt werden. In jeder Partie kommen neue Planeten ins Spiel, sodass sowohl bei den Aktionsmöglichkeiten als auch im 105 Karten umfassenden Crew-Stapel für ständige Abwechslung gesorgt ist. Daher werden auch gerne mehrere Partien hintereinander gespielt.

Am Ende des Spiels gibt es Siegpunkte für ein Set aus sechs verschiedenen Crewmitgliedern oder vielen gleichen einer Art. Mit Gesandten und Robotern werden schließlich weitere Punkte gesammelt.

Die Bewertung: Die unterschiedlichen Möglichkeiten, Punkte zu sammeln, und die kurze Spieldauer sorgen für ein vollumfängliches Spielerlebnis. Eine gut geplante Kettenreaktion sorgt für ein Glücksgefühl und staunende Gesichter bei den Mitspielern. Die Raumschiffe sind aus Holz, die Karten hochwertig und die Ikonographie ist nach der ersten Partie selbsterklärend – ein rundum gelungenes Spielerlebnis.

Die Spieler: geeignet für bis zu fünf Spieler ab zehn Jahre. Dauer: ca. 30 Minuten (Wildes Weltall, Joachim Thôme, Board Game Circus, 25 Euro).

Draftosaurus

Das Spiel: Zunächst erhält jeder Spieler ein quadratisches Spielertableau, auf dem ein Fluss und sechs Dinosauriergehege abgebildet sind. Insgesamt 60 Holz-Dinos liegen dem Spiel bei und befinden sich zu Beginn in einem blickdichten Beutel.

Dinos ins richtige Gehege bringen: Draftosaurus. © privat © privat

Das gesamte Spiel läuft über zwei Runden, in der jeder Spieler anfangs sechs zufällige Dinos aus dem Beutel zieht. In einem Spielzug muss jeder Spieler aus seiner Hand einen Dino aussuchen und in eines seiner Gehege stellen. Allerdings dürfen die Dinos nur in einem vorher erwürfelten Gehege platziert werden. Es gibt jeweils drei Gehege im Wald und in der Ebene sowie drei Gehege links und rechts vom Fluss. Die restlichen beiden Würfel-Symbole zeigen ein leeres Gehege.

Nur der Würfler selbst darf sich ein Gehege frei aussuchen. Danach geben alle ihre restlichen Dinos an den linken Mitspieler weiter und der nächste Spieler würfelt.

Jedes Gehege wird bei Spielende anders gewertet bzw. hat andere Voraussetzungen. So fühlen sich in einem nur gleiche Dinos einer Art wohl, in einem anderen möchten nur unterschiedliche untergebracht werden. Ein weiteres Gehege vergibt nur Punkte an Dino-Pärchen, eines nur bei genau drei Dinos.

Nach zwei Runden, wenn jeder Spieler 12 Dinos untergebracht hat, wird ausgewertet, der Punktbeste gewinnt.

Die Bewertung: Die vielen unterschiedlichen Holzdinos und der übersichtliche Spielplan wissen zu gefallen. Es macht Spaß, das Beste aus seinen Möglichkeiten zu machen. Neben dem Würfelglück wollen im rechten Moment auch die besten Dinos parat sein, um die meisten Punkte zu erzielen. Abwechslung gibt es durch die Winterrückseite des Gehegeplans mit abgewandelter Wertung.

Die Spieler: geeignet für zwei bis fünf Spieler ab 8 Jahre. Dauer: ca. 15 bis 20 Minuten („Draftosaurus“, A. Bauza u.a., Boardgame Box, ca. 20 Euro).

Über den Autor
Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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