Die Gemeinde Südlohn hofft auf zahlreiche Teilnehmer bei der Klima-Kampagne Stadtradeln. © picture alliance/dpa
Stadtradeln

Stadtradeln: Peinliche Bilanz der Ratsmitglieder hatte mehrere Gründe

In NRW spitze, bundesweit auf dem fünften Platz: Der Kreis Wesel und damit auch Schermbeck haben beim Stadtradeln abgeräumt. Etwas peinlich ist das Ergebnis für die Ratsmitglieder.

Erstmals nahmen vom 13. September bis zum 3. Oktober alle 13 Kommunen im Kreis Wesel beim Stadtradeln teil. Mehr als 11.000 Radler fuhren zusammen mehr als 1,5 Millionen Kilometer und sparten 228.644 Tonnen Kohlendioxid ein. Unangefochten landete der Kreis Wesel damit landesweit auf Platz eins vor dem Kreis Borken. Bundesweit landete der Kreis Wesel auf dem fünften Platz hinter Berlin, der Region Hannover, Leipzig und Hamburg.

Für das kommende Stadtradeln im Mai 2021 strebt das Klimabündnis der Kommunen im Kreis Wesel als Ziel die 2-Millionen-Kilometer-Marke an sowie 15.000 aktive Radler.

Ausrutscher nach unten

Das könnte für die Schermbecker Ratsmitglieder auch die Gelegenheit sein, einen etwas peinlichen Ausrutscher in der Statistik zu korrigieren. In Schermbeck hatten sich 2020 insgesamt 328 Radfahrer beteiligt, 2,33 Prozent der Bevölkerung, womit sich Schermbeck anteilsmäßig im Mittelfeld der Kreiskommunen bewegt. Als kleine Gemeinde konnte der Ort geradelte 41.345 Kilometer beisteuern. Pro Einwohner waren das 2,34 Kilometer, was kein toller Wert im Kreisvergleich ist, aber vier Kommunen waren noch besser.

Den absoluten Ausreißer nach unten gibt es hingegen bei den Ratsmitgliedern. Diese wurden gesondert erfasst, da sie Vorbilder für klimaverträgliche Nahmobilität seien. Die von ihnen gefahrenen Radkilometer wurden durch die Anzahl der Ratssitze geteilt, sodass etwa Hamminkeln als Spitzenreiter auf 22,3 Kilometer pro Ratsmitglied kommt. Es folgen Neukirchen-Vluyn (16,2) und Wesel (11,2).

Das andere Ende der Tabelle wird angeführt von den Schermbecker Ratsmitgliedern: 0 Kilometer stehen dort. Erstaunlich, wenn man weiß, dass es auch in Schermbeck begeisterte Radfahrer unter den Ratsmitgliedern gibt. Wie kommt also das maue Ergebnis zustande?

Mehrere Gründe für Nicht-Beteiligung

Susanne Kötter von der Verwaltung hatte das Stadtradeln in Vertretung des scheidenden Klimaschutzmanagers Thomas Heer mitbetreut. Das Stadtradeln sei genau in die Zeit der Kommunalwahl gefallen, sagt sie: Unter den Klimaschutzmanagern sei diskutiert worden, ob die alten oder die neuen Ratsmitglieder gezählt werden sollten.

Im Aufruf der Gemeinde zum Stadtradeln war zudem die gesonderte Zählung der Lokalpolitiker nicht thematisiert worden. Ihres Wissens, so Kötter, die die Teilnehmerlisten führte, habe sich aber auch kein Ratsmitglied beteiligt, da jeder bei der Online-Anmeldung anklicken konnte, ob er Ratsmitglied sei.

„Beim Stadtradeln im Mai wird das anders“, erwartet Kötters eine höhere Beteiligung der Politik, da der Termin für die Lokalpolitiker günstiger sei. Falls es bis dahin gelingt, einen Klimaschutzmanager für Schermbeck einzustellen, dürfte dieser das Thema betreuen.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
Zur Autorenseite
Berthold Fehmer

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt