Tierkrematorium ist eine gute Sache, aber der Standort gefällt Bürgern nicht

mlzInfo-Abend

Ein gutes Projekt am falschen Ort - so war der einhellige Tenor nach der Informationsveranstaltung für Bürger am Mittwochabend über ein geplantes Tierkrematorium.

Schermbeck

, 29.08.2019, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Info-Abend im „Ramirez“ war eine Form der frühzeitigen Bürgerbeteiligung ohne rechtlichen Konsequenzen. Es war das Bemühen der Firma „Cremare Tierkrematorien GmbH“, Antworten auf Fragen zu geben, die aus der Bürgerschaft herausgestellt wurden. Diese Fragen kreisten um zwei Komplexe: um den Standort und um die Betriebssicherheit der Kremierungsanlagen mit der Sorge um die korrekte Einhaltung von Emissionsgrenzwerten.

Zum Standort gab es seitens der Zuhörer, die nahezu alle laut einer Nachfrage von Moderatorin Hella Sinnhuber im Umfeld des geplanten Tierkrematoriums wohnen, erhebliche Bedenken. Dabei wurde auf eine zu geringe Entfernung von Wohngebieten verwiesen und auf unerwünschte Emissionen. Bekanntlich soll das Krematorium im Winkel zwischen Kapellen- und Hufenkampweg entstehen.

Keinerlei Geruchsbelästigungen in Wesel

Im Gegenzug machten die Cremare-Mitarbeiter deutlich, dass die Abstände nicht zu gering seien. Außerdem gaben sie Statements von Nachbarn ihres Weseler Krematoriums zur Kenntnis, wonach es bislang „keinerlei Geruchsbelästigungen“ gegeben habe. Die Firma räumte aber ein, dass es im Falle von Betriebsstörungen wie in jeder anderen technischen Anlage zu Folgewirkungen kommen könne. Von Seuchen befallene Tiere dürfen nicht eingeäschert werden. Der Behauptung, in Hanstedt hätten Emissionsprobleme eine Genehmigung eines Pferdekrematoriums verhindert, widersprachen die Vertreter der Firma Cremare. Es seien ausschließlich baurechtliche Gründe gewesen, zum Beispiel die Überschreitung von erlaubten Bauhöhen beim Bau eines zehn Meter hohen Kamins.

Tierkrematorium ist eine gute Sache, aber der Standort gefällt Bürgern nicht

Bauingenieur Michael Hintzen (stehend) beantwortete während des Informationsabends im Ramirez Fragen zum geplanten Betriebsstandort der Firma Cremare GmbH im Schermbecker Gewerbegebiet am Hufenkampweg. © Helmut Scheffler

In den Tierkrematorien dürfen nur solche Haustiere (Hunde, Katzen, Nager, Ziervögel, Kaninchen, Reptilien u.a.) nicht kremiert werden, die an den Folgen einer Seuche gestorben sind. Zu den Tieren, die nicht kremiert werden dürfen, gehören auch Wild-, Zoo- oder Nutztiere. Es dürfen auch keine Pferde, Esel und Ponys kremiert werden, die als Nutztiere gehalten werden.

Baulicher Entwurf der Gebäude

Johannes Brilo vom Schermbecker Architekturbüro Brilo stellte einen ersten baulichen Entwurf der Gebäude vor, die errichtet werden sollen, falls es zu einer entsprechenden Genehmigung durch die politischen Gremien in Schermbeck und durch den Kreis Wesel kommt. Brilo erläuterte auch das weitere Vorgehen im Verlauf des Planungs- und Genehmigungsprozesses, in dessen Verlauf den Bürgern und den Trägern öffentlicher Belange noch die Gelegenheit gegeben wird, formal Einwendungen und Bedenken zu äußern.

Krematorium in Wesel

Besichtigung ist möglich

  • Nach dem Gespräch mit den Bürgern und den vorangegangenen Sondierungsgesprächen mit der Gemeindeverwaltung und der Kreisverwaltung haben Interessenten am Samstag (31. August) zwischen 10 und 13 Uhr Gelegenheit, das Krematorium der Firma Cremare in Wesel, An der Lackfabrik 8, zu besichtigen: Dort können auch noch Antworten auf Fragen erbeten werden. Ein weiteres Gespräch der Firma Cremare mit Vertretern der Schermbecker Verwaltung und mit den Politikern ist für September geplant.
  • Danach werden die Beratungen im zuständigen Ausschuss weitergehen. Dabei geht es um die zentrale Frage, ob die Gemeinde bereit ist, in dem vorerst mit einer Veränderungssperre versehenen Baugebiet am Hufenkampweg ein Tierkrematorium zuzulassen. Sollte ein positiver Beschluss erfolgen, beginnt das übliche Verfahren einer Bauleitplanung, das eine mehrfache Beteiligung der Bürgerschaft ermöglicht.

Zu Beginn des Info-Abends hatte Cremare-Geschäftsführer Eric Bulteux den Start der 1996 durch einen Tierarzt gegründeten Firma vor, die inzwischen über vier Krematorien in Wesel, Hanstedt, Triefenstein und Koblenz verfügt. Bis 2017 war in Deutschland nur die Kremierung von Kleintieren erlaubt. Equiden (Pferde, Ponys und Esel) wurden über die Firma „La compagnie des vétérinaires“ im französischen Faulquemont kremiert.

Seit der Genehmigung einer Einäscherung von Equiden in Deutschland im Februar 2017 ist in Deutschland nur ein Pferdekrematorium entstanden. Da die bestehenden Kleintierkrematorien nicht in der Lage seien, an ihren Standorten Ausbauten für den Betrieb eines Pferdekrematoriums vorzunehmen, bemühe sich Cremare um die Genehmigung für den Bau im Gewerbegebiet Schermbeck.

Tenor der Veranstaltung am Mittwochabend: Ein Tierkrematorium sei grundsätzlich eine begrüßenswerte Form, um Abschied zu nehmen von einem geliebten Tier, aber ein solches Krematorium müsse nicht unbedingt in einem Gewerbegebiet unweit von Wohngebieten angesiedelt werden.

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