Trauer um Wilhelm Cappell - Schermbecks ehemaliger Bürgermeister gestorben

Ein Nachruf

Wilhelm Cappell ist tot. Schermbecks ehemaliger Bürgermeister starb am Dienstag im Alter von 78 Jahren. Schermbeck verliert eine verdiente Persönlichkeit und einen beliebten Menschen.

Schermbeck

, 19.11.2020, 11:35 Uhr / Lesedauer: 3 min
Vier Wochen vor seiner Verabschiedung als Bürgermeister im Oktober 2004 war Wilhelm Cappell auf Kaldes Wiese Gastredner bei den Uefte-Overbecker Trachtenschützen.

Vier Wochen vor seiner Verabschiedung als Bürgermeister im Oktober 2004 war Wilhelm Cappell auf Kaldes Wiese Gastredner bei den Uefte-Overbecker Trachtenschützen. © privat

Der gebürtige Dämmerwalder, der ab 1957 den Beruf eines Landwirts erlernte, danach ausübte und Mitbegründer des agrarpolitischen Arbeitskreises im ehemaligen Kreis Rees wurde, gehörte 1968 zu den Initiatoren bei der Gründung des Dämmerwalder Schützenvereins und 1969 zu den Mitbegründern des SPD-Ortsverbandes Dämmerwald. Das politische Engagement hatte er vom Urgroßvater und vom Großvater geerbt, die beide Dämmerwalder Ortsvorsteher waren. 1969 wurde Wilhelm Cappell Mitglied des Rates der ehemals selbstständigen Gemeinde Dämmerwald, die zum damaligen Amt Schermbeck gehörte.

Am 2. November 1994 zum Bürgermeister gewählt

Im Rahmen der Kommunalen Neuordnung entstand zum 1. Januar 1975 die heutige Großgemeinde Schermbeck, deren erstem Gemeinderat Wilhelm Cappell für die SPD angehörte. 1984 wurde er stellvertretender Bürgermeister. Am 2. November 1994 wurde der Dämmerwalder zum Bürgermeister gewählt. Cappell wurde am 30. Mai 1995 erster hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Schermbeck. In diesem Amt wurde er am 7. Oktober 1999 zum zweiten Male vereidigt.

Viele Herzen erobert

Die Herzen vieler Schermbecker erobert zu haben, war ein Erfolg, der ihm neidlos auch aus den Reihen der Christdemokraten gegönnt wurde. Auf die Leistung, die Bürgerschaft enger zusammengeführt zu haben, konnte er besonders stolz sein. Seine guten Beziehungen zu Entscheidungsträgern erleichterten seine Amtsführung ebenso wie die Beliebtheit im Amt und die Fähigkeit, zwischen unterschiedlichen Interessengruppen erfolgreich zu vermitteln.

Die Früchte seines Bemühens um das Zusammenwachsen der einzelnen Ortsteile konnte er 1999 ernten, als er im Rahmen einer mehrtägigen Feier des 1200-jährigen Bestehens Schermbecks das fröhliche Miteinander von mehr als 100 Gruppen aus allen Ortsteilen miterlebte.

Förderung des ehrenamtlichen Engagements

Als besonderen persönlichen Erfolg wertete Wilhelm Cappell die Förderung des ehrenamtlichen Engagements der Bürgerschaft in Zeiten einer knapper werdenden kommunalen Kasse. Unter seiner Leitung fand der erste Ehrenamtstag statt. Wilhelm Cappell war Mitbegründer der Kulturstiftung. Am 13. Oktober 2004 wurde Wilhelm Cappell offiziell als Bürgermeister verabschiedet. Am 10. Mai 2005 wurde ihm vom neuen Bürgermeister Ernst-Christoph Grüter der gemeindliche Ehrenring überreicht.

Übergabe des Ehrenringes

Die Übergabe des Ehrenringes war von einem lang anhaltenden Beifall begleitet. In die Schar der Gratulanten reihten sich auch Hamminkelns Bürgermeister Holger Schlierf ein. Schlierf beschrieb den „lieben Wilhelm“ als einen unkomplizierten Menschen, den er in zehnjähriger Zusammenarbeit als einen stets optimistischen Menschen kennengelernt habe. „Die Worte haben mich mitten ins Herz getroffen“, zeigte sich Cappell in seiner Dankansprache sichtlich beeindruckt. Er bilanzierte damals: „Schermbeck ist ein Teil von mir geworden. Es ist fast ein Liebesverhältnis geworden. Diese Liebesbeziehung ist heute durch den Ring besiegelt worden.“

Den Ruhestand angetreten

Gesundheitlich stark angeknackst, trat Cappell den Ruhestand an. Er erholte sich und wurde ein begeisterter Radfahrer. Das Fahrrad unterstützte ihn nicht nur beim Auskurieren einer soeben durchgestandenen körperlichen Beeinträchtigung, sondern auch bei seinem Hobby, der Freude an der Heimatkunde.

Das Interesse an der Politik blieb auch in den letzten Jahren erhalten und sein Rat war noch immer gefragt, aber mit der Beurteilung von Entscheidungsprozessen innerhalb der Gemeinde Schermbeck hielt er sich öffentlich zurück. „Ich hatte meine Bühne, alles hat seine Zeit“, begründete er bei seinem 75. Geburtstag diese Zurückhaltung. Abgegeben hatte er auch seinen langjährigen Vorsitz in der Schermbecker AWO.

Am 25. August 2017 überreichten Mitglieder des SPD-Ortsverbands Schermbeck Wilhelm Cappell (l.) die Willy-Brandt-Gedenkmedaille der SPD.

Am 25. August 2017 überreichten Mitglieder des SPD-Ortsverbands Schermbeck Wilhelm Cappell (l.) die Willy-Brandt-Gedenkmedaille der SPD. © Helmut Scheffler (A)

Willy-Brandt-Gedenkmedaille der SPD

Zum 75. Geburtstag erhielt Wilhelm Cappell die Willy-Brandt-Gedenkmedaille der SPD. Die seltene Auszeichnung wird nur an verdiente Persönlichkeiten verliehen, die in besonderer Weise den sozialdemokratischen Idealen „Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität“ verbunden sind. „Wilhelm Cappell hat sich mit außergewöhnlichem Engagement und über Jahrzehnte für die Sozialdemokratie, das gesellschaftliche Miteinander in Schermbeck und über dessen Grenzen hinaus eingesetzt“, bescheinigte ihm der SPD-Ortsverband.

Wilhelm Cappells besonderes Interesse galt in den vergangenen Jahren dem Heimatverein Weselerwald. Die Idee zur Vereinsgründung entstand im Jahre 1995 während Cappells Geburtstagsfeier. Drei Jahre später leitete Cappell am 29. Dezember 1998 im Landhotel Voshövel die Gründungsversammlung. „Wir danken für seine wohlwollende Begleitung und Mitgliedschaft in allen Jahren“, bescheinigte der Vereinsvorstand dem Verstorbenen in einer öffentlichen Traueranzeige.

Von der Trauerhalle des Brüner Friedhofs aus wird der Verstorbene am Dienstag (24.11.) um 14 Uhr zur letzten Ruhe geleitet. Anschließend findet der Trauergottesdienst in der Brüner Dorfkirche statt. Aufgrund der Corona-Situation ist die Trauerfeier in der Kirche für den engsten Familienkreis reserviert.
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