Das Gahlener Bürgerforum wirft LANUV und DBBW vor, dass die Daten für das Gutachten zu Wölfin Gloria fehlerhaft sind. © Helmut Scheffler (A)
Wolf

Verhandlung über Gloria: Bürgerforum bemängelt Wolfs-Gutachten

Über Wölfin Gloria wird am Donnerstag vor Gericht verhandelt. Ein Gutachten spielt dabei eine zentrale Rolle. Doch dessen Datenbasis ist laut Gahlener Bürgerforum fehlerhaft.

Ein Hünxer Schäfer, dessen Schafe bereits zehnmal von Gloria heimgesucht wurden, klagt vor dem Verwaltungsgericht in Düsseldorf gegen den Kreis Wesel: Der Schäfer will, dass die Wölfin entnommen beziehungsweise getötet wird.

Die „Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf“ (DBBW) hatte eine Stellungnahme zu Gloria am 28. Januar 2021 abgegeben – auf Daten basierend, die aus einer Rissliste stammen sollen, die auf den 9. Februar 2021 datiert. Wie geht das, fragt sich das Gahlener Bürgerforum. Eine Nachfrage bei der Landesregierung ergab, dass für die Bearbeitung der gutachterlichen Stellungnahme fehlerhafte Daten vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) geliefert wurden.

Für die Frage, ob Wölfin Gloria ein auffälliges Verhalten zeige, hatte die DBBW nicht mehr nur das Überwinden des empfohlenen Herdenschutzes als Bedingung genannt. Es müsse auch einen räumlich-zeitlich engen Zusammenhang (vier Wochen) zwischen Rissen auf geschützten Weiden geben.

Die Gahlener Schafhalterin Christiane Rittmann kontrollierte die Riss-Tabelle und sagt: „Man schaut natürlich immer zuerst bei sich selbst.“ Dass bei einem Riss am 26. August 2020 auf ihrer Weide der empfohlene Herdenschutz aberkannt wurde, nährte das Misstrauen beim Gahlener Bürgerforum, das daraufhin auch die anderen Risse kontrollierte.

LANUV gesteht Fehler ein

Auf Nachfrage Rittmanns zum aberkannten Herdenschutz auf ihrer Weide bestätigte das LANUV in einer Mail vom 23. Februar: „Dies ist in der Ihnen vorliegenden Tabelle nicht richtig wiedergegeben.“ Dadurch sei aber ein räumlich-zeitlich enger Zusammenhang „unterschlagen“ worden, so das Bürgerforum. Denn Gloria hatte auch am 27. August 2020 bei Rittmanns Schafen zugeschlagen.

Der Herdenschutz wurde nachträglich für den Riss am 26. August wieder zuerkannt, zugleich aber bei einem Riss vom 11. November 2020 bei einem Hünxer Schafzüchter wieder aberkannt. So bleibe es bei insgesamt vier Übergriffen der Wölfin auf geschützten Weiden, so das LANUV in der Mail an Rittmann.

Bürgerforum hakte nach

Auch hier hakte das Gahlener Bürgerforum nach und ließ sich sämtliche Fotos der Riss-Aufnahme in Hünxe schicken. Im Endprotokoll sei plötzlich eine Minimalhöhe beim Zaun von 1,11 Meter aufgetaucht – 9 Zentimeter weniger als empfohlen (1,20 Meter). Zwei Mitglieder des Gahlener Bürgerforums, die bei der Rissaufnahme dabei waren, können sich das nicht erklären. Auf keinem Foto sei eine Zaunhöhe von 1,11 Meter dokumentiert.

Das Bürgerforum zeigt weitere Beispiele von seiner Meinung fehlerhaftem Umgang mit Daten auf und vermutet dahinter eine Strategie der Verharmlosung. Sowohl seitens der DBBW als auch beim LANUV.

Vorwürfe gegen das LANUV

Das LANUV habe immer wieder den Wolf als Verursacher von Schafrissen ausschließen wollen und viele Aussagen zum Verhalten des Wolfs getätigt, die sich als falsch herausgestellt hätten. Das LANUV vermeide und verhindere zudem Rückschlüsse zulasten des Wolfs bei der Überwindung von Zäunen, die höher sind als 1,50 Meter.

So sei eine Probe von Wolfshaaren, die Bürgermeister Mike Rexforth persönlich nach einer Absage des LANUV von einem 1,70 Meter hohen Zaun entnommen hatte, immer noch nicht abgeholt worden. „Die wird nicht abgeholt, weil das LANUV sie nicht selbst entnommen hat“, sagte Rexforth im September 2020 nach einem Gespräch mit der Umweltministerin. Diese habe aber versprochen, einen deutlichen Hinweis an das LANUV zu geben, dass die Beweissicherung zu erfolgen habe.

Das Bürgerforum fordert verbindliche Vorgaben für den Herdenschutz und Neutralität bei LANUV und Wolfsberatern. Die Zaunbewertung solle die Landwirtschaftskammer vornehmen.

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Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer
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Im Verlauf von mehr als vier Jahrzehnten habe ich das Zusammenwachsen von acht ehemals selbstständigen Gemeinden miterlebt, die 1975 zur Großgemeinde Schermbeck zusammengefügt wurden. Damals wie heute bemühe ich mich zu zeigen, wie vielfältig das Leben in meinem Heimatort Schermbeck ist.
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Helmut Scheffler

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