Kleine Mengen von Marihuana hat ein vorbestrafter Drogendealer an seine Mitbewohner im Lühlerheim abgegeben. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Drogendealer

Vorbestrafter Dealer unter Bewährung versorgt Mitbewohner mit Drogen

Ein vorbestrafter Drogendealer hat im Schermbecker Lühlerheim seinen Mitbewohnern Drogen „mitgebracht“. Verkaufslisten und Utensilien wurden bei der Durchsuchung seines Zimmers gefunden.

Elf Eintragungen im Vorstrafenregister hatte der 32-jährige gebürtige Duisburger da bereits gesammelt. Die letzte Strafe datierte vom 20. Dezember 2018, als er am Weseler Amtsgericht für unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in 27 Fällen eine Haftstrafe von sechs Monaten zur Bewährung erhielt. Zweimal hatte der Mann zuvor bereits mehrere Monate im Gefängnis verbracht.

Doch das hinderte den ehemaligen Bewohner des Lühlerheims nicht, von Juni bis November 2019 in seiner Bewährungszeit Drogen an Mitbewohner abzugeben. Unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln wurde ihm am Donnerstag (20.5.) vor dem Schöffengericht in Wesel von der Staatsanwältin vorgeworfen. Der Richter sprach sogar davon, dass gewerbsmäßige Tatausübung hinzukommen könnte.

Angeklagter gesteht

Der Angeklagte bestritt nicht, von Juni bis November bei fünf Gelegenheiten mindestens ein Gramm Marihuana an einen Mitbewohner abgegeben zu haben. „Ich habe es aber nicht gewinnbringend veräußert. Ich habe niemals mehr genommen oder weniger gegeben. Ich habe für mich was abgeholt und den Leuten was mitgebracht, ohne daran zu verdienen.“

„Es gibt aber Indizien, die dafür sprechen, dass Sie möglicherweise Gewinn gemacht haben“, hielt ihm der Richter vor. Denn bei einer Durchsuchung seines Zimmers waren nicht nur ein Löffel und ein „Crusher“, ein Gerät zum Zerkleinern von Betäubungsmitteln, gefunden worden, sondern auch Listen, auf denen der Mann Buch über Drogenverkäufe geführt hatte.

Teilweise seien die Listen nicht von ihm, teils noch aus der Zeit vor seiner Bewährungsstrafe, so der Angeklagte. Die Listen habe er geführt, „damit ich weiß, wer was kriegt“. Auf den Listen fand der Richter die Begriffe „grün“ und „weiß“. „Grün“ stehe oft für Marihuana, „weiß“ oft für Kokain, so die Staatsanwältin – doch der Angeklagte sagte, mit Kokain habe er nichts zu tun gehabt.

Freundin erwartet ein Kind

Zu dieser Zeit habe er noch Drogen genommen, seit etwa anderthalb Jahren aber nicht mehr. Mittlerweile habe er eine Freundin, die ein Kind von ihm erwarte. Zu seinen anderen beiden Kindern habe er keinen Kontakt. „Das ist sehr kompliziert.“

Wenig hilfreich bei der Tataufhellung waren die drei geladenen Zeugen. Ein 43-Jähriger, der die Drogen erhalten haben soll, machte vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, da er selbst strafrechtlich verfolgt wird. Die beiden anderen Zeugen (40 und 57), ebenfalls Bewohner des Lühlerheims, sagten, sie wüssten nichts von Drogengeschäften. Ein weiterer Zeuge konnte nicht geladen werden, da er gerade keinen festen Wohnsitz hat.

Die Gewinnerzielungsabsicht könne man dem Angeklagten nicht nachweisen, so der Richter. Unerlaubte Abgabe und Besitz von Drogen seien aber nicht straffrei. Die Bewährungshelferin des Angeklagten sprach hingegen von einem „vorbildlichen Klienten“. Dieser habe regelmäßig Drogenscreenings eingereicht – alle negativ – und sei in psychiatrischer Behandlung. „Wegen Depression und hin und wieder Aggression“, so der Angeklagte, der schon einen vierwöchigen Klinikaufenthalt deswegen hinter sich hat.

„Hören Sie, verdammt noch mal, auf!“

Die Staatsanwältin begann ihr Plädoyer mit eindringlichen Worten an den Angeklagten: „Lassen Sie das in Zukunft bitte sein! Hören Sie, verdammt noch mal, auf mit so was!“ Aufgrund des Geständnisses und seiner Beteuerung, sein Leben nun in den Griff bekommen zu wollen, forderte sie acht Monate Haft, erneut zur Bewährung (Zeitraum: 4 Jahre). Der Rechtsanwalt stellte die Strafhöhe ins „Ermessen des Gerichts“.

Richter und Schöffen senkten die Strafe auf sechs Monate ab, aber ebenfalls mit vier Jahren Bewährungszeitraum. Der Richter mahnend: „Je weiter man in eine Drogenkarriere reinrutscht, kommt man dann irgendwann nicht mehr raus.“ Der Angeklagte, der vor der Urteilsverkündung das letzte Wort hatte, gelobte: „Wir werden uns hier nicht mehr wieder sehen.“ Das Urteil ist rechtskräftig.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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