Wie der Teufelsstein wirklich nach Weselerwald gelangte

mlzTeufelsstein

Der Teufel selbst soll den Teufelsstein nach Weselerwald geworfen haben. Einige feiern dort sogar Schwarze Messen. Geologe Volker Wrede hat aber eine andere Erklärung, woher der Stein kommt.

Schermbeck

, 22.01.2020, 12:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

An seinem jetzigen Standort vor dem Hof Itjheshorst an der Straße „Zum Teufelsstein“ lag der Teufelsstein nicht immer. Vor rund 50 Jahren wurde der Stein einige hundert Meter weiter mit schwerem Gerät aus einer Wiese der Familie Itjeshorst ausgegraben. Arnd Itjeshorst war damals noch ein Kind: „Als ich hörte, dass Bagger und Radlader anrücken, wollte ich mir das angucken. Aber ich musste zur Schule.“

Acht Tonnen schwer ist der Stein, der damals nur 60 Zentimeter aus der Wiese ragte. Der Sage nach soll der Teufel seine Krallen in den Stein geschlagen haben. Damit habe er versucht, vor der Einweihung das Marienthaler Kloster zu treffen und zu zerstören, was aber misslang.

Schwarze Messen

Die Krallenabdrücke sollen immer noch im Stein zu sehen sein. Und einige Menschen scheinen die Geschichte vom Teufel tatsächlich ernst zu nehmen. Arnd Itjeshorst, auf dessen Grundstück der Stein liegt, sagt, dass er schon Schwarze Messen dort beobachtet habe. „Da standen Kerzen in den Löchern des Steins.“

Eine iranische Flagge hätten erst im vergangenen Jahr noch „zwei Typen“ am Stein gehisst. Itjeshorst versuchte, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. „Die haben da irgendein okkultes Zeug veranstaltet.“ So ganz schlau geworden sei er daraus nicht.

Was es mit dem Stein auf sich hat, wurde bis vor Kurzem noch auf einer kleinen Tafel, eigentlich nur ein Din A4-Blatt erklärt, doch das war in die Jahre gekommen. Der Verein GeoPark Ruhrgebiet und die Gemeinde ermöglichten nun, dass eine neue Tafel aufgestellt wurde.

Wie der Teufelsstein wirklich nach Weselerwald gelangte

Unter der neuen Tafel findet sich auch ein QR-Code, über den man sich die Herkunft des Steins und die Sage darum, vorlesen lassen kann. © Berthold Fehmer

Volker Wrede, Vorsitzender des Vereins, versteht, warum die Sage die Menschen fasziniert. Für das Ziel des Vereins, Menschen die Geologie näher zu bringen, sei der Stein gut geeignet. „Viele brauchen einen Anstupser, damit sie sich mit Geologie beschäftigen.“

Der Teufelsstein sei ein „Migrant“, sagt Wrede. Doch der Stein sei nicht mit den Gletschern in der Eiszeit von Skandinavien gekommen, sondern aus entgegen gesetzter Richtung. In der Niederrheinischen Bucht habe sich im Zeitalter des Miozäns (vor 23 bis 5,3 Millionen Jahren) noch ein Meeresufer befunden, wo sich zwischen den dortigen Mooren Sandbänke abgelagert hätten.

Als das Meer zurückging, habe sich der Sand zu Sandstein verhärtet, so Wrede. Als Quarzit bezeichnen die Geologen einen so entstandenen Stein. Und wie kommen die vermeintlichen Krallenspuren in den Stein? Das seien die Überreste von Baumwurzeln, die verwitterten und die Hohlräume zurückgelassen hätten, so der Experte.

Rhein transportierte den Stein

Bleibt die Frage, wie der Acht-Tonnen-Stein nach Weselerwald gelangte. „Er wurde in der Eiszeit transportiert“, so Wrede. Rhein und Maas bildeten zu dieser Zeit ein sehr breites Fluss-System, der Rhein dürfte für den Transport verantwortlich sein.

Aber wie geht das bei einem so schweren Stein? Wrede glaubt, dass der Stein im Wasser liegend einfror und, als es taute, in einer Eisscholle in diese Region gelangte. „Wir haben ausgerechnet, dass die Eisscholle etwa zehn mal zehn Meter groß bei einer Dicke von einem Meter sein müsste, um genügend Auftrieb zu haben.“

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All diese Informationen und mehr finden sich auf der neuen Tafel. Die Gemeindevertreter, Bürgermeister Mike Rexforth und Gerd Abelt, freuten sich darüber, dass laut Abelt nun eine „hochwertige Tafel“ Besuchern, die vielleicht von der Neuen Wildnis Dämmerwald dorthin einen Abstecher machen, mehr Informationen gibt. Und Arnd Itjeshorst hat schon weitere Pläne: „Vielleicht mache ich hier eine Wildblumenwiese hin, lasse aber natürlich einen Zugang zum Stein.“

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