Günstiger Wohnraum ist knapp in Schermbeck. Die Übernahme eines Anteils an einer Wohnungsbaugesellschaft soll für mehr bezahlbare Wohnungen sorgen. © picture alliance/dpa
Wohnraum

Wohnungsbaugesellschaft soll für bezahlbare Angebote sorgen

Wohnraum ist knapp für Menschen mit wenig Geld. Die Gemeinde will sich an einer Wohnungsbaugesellschaft beteiligen. Doch wie viel Einfluss auf Entscheidungen hätte man damit?

Gerd Hübsch, Geschäftsführer der „Grafschaft Moers Siedlungs- und Wohnungsbau GmbH“, stellte im Haupt- und Finanzausschuss die Gesellschaft vor. Gegründet 1954, vermietet sie aktuell 2.113 Wohneinheiten mit einer Durchschnittsmiete von 4,96 Euro pro Quadratmeter.

Hübsch berichtete über fertiggestellte, aktuelle und geplante Bauprojekte. Der Schwerpunkt des Wohnungsbestands liegt in Kamp-Lintfort, obwohl die Kommune keine Anteile mehr hält. Hintergrund sei, so Hübsch auf Nachfrage Timo Gätzschmanns (Die Partei), dass Kamp-Lintfort versucht habe, den Moerser Anteil an der Gesellschaft zu erwerben und Hauptgesellschafter zu werden.

Doch Moers verkaufte an den Kreis Wesel, der nun Hauptgesellschafter mit 87,42 Prozent ist. Den Rest halten Rheinberg, Duisburg und Xanten. „Warum Kamp-Lintfort keinen Spaß mehr daran hatte, müssen sie den Bürgermeister und den Rat fragen“, so Hübsch: „Man ist sicherlich ein bisschen verschnupft gewesen.“ Rainer Gardemann (CDU) berichtete, dass Kamp-Lintfort mit dem Geld eine eigene Baugesellschaft gegründet habe.

Bau-Projekte auch in Schermbeck

Es gehe nicht darum, „einfach nur Geld zu parken“, sagte Bürgermeister Mike Rexforth, falls die Politik entscheide, einen Gesellschafter-Anteil vom Kreis Wesel für 114.000 Euro zu kaufen. Eine Bedingung sei dann, dass es der Gesellschaft möglich sein müsse, in Schermbeck Projekte umzusetzen. Bei der Vergabe von Wohnbaugrundstücken in Schermbeck sei dies zu berücksichtigen. Diese würden dann teilweise nicht mehr im freien Wettbewerb verkauft.

Ulrike Trick (Grüne) bezweifelte, dass der Kauf eines Anteils notwendig sei. Die Gesellschaft engagiere sich im gesamten Kreis Wesel, auch in Kommunen, die nicht Anteilseigner seien. Trick wies auch darauf hin, dass Ende 2023 in Schermbeck 40 Wohnungen aus der Förderung herausfallen – die Mieten dürften dann steigen. Einflussmöglichkeiten auf die Gesellschaft habe man auch über den Kreis Wesel. Angesichts der unsicheren Corona-Lage würden die Grünen einem Kauf nicht zustimmen. „Unabhängig von der Grafschafter – die genießt bei uns sehr viel Vertrauen.“

„Was Sie machen, finde ich toll“

Auch Klaus Roth (BfB) lobte das Engagement der Wohnungsbaugesellschaft: „Was Sie machen, finde ich toll.“ Er vermutete aber hinter der Bereitschaft des Kreises Wesel, einen Gesellschafteranteil an die Gemeinde Schermbeck zu verkaufen, „dass der Kreis Wesel Geld braucht. Er will seinen Anteil verkleinern, um zu Kapital zu kommen.“

Es gehe nicht nur um Bürger, die einen Wohnberechtigungsschein hätten, sagte Rainer Gardemann (CDU), sondern auch um die, deren Einkommen knapp über den Bedingungen dafür liege. „Es gibt auch viele Leute, die sich kleiner setzen wollen.“ Er verwies auf die mögliche Dividende von 5 Prozent, die die Gesellschaft jährlich auszahlt, und: „Wenn wir Anteile erwerben, sitzen wir mit am Tisch.“ Es sei aber ein Minderheiten-Anteil, so Thomas Heiske (Zukunft Schermbeck) und „im Zweifelsfall ein Katzentisch“.

Reinvestition steht im Vordergrund

Im Vordergrund, so Hübsch, stehe bei der Gesellschaft nicht die Gewinnmaximierung, sondern eher die Reinvestition. Dennoch seien die 5 Prozent auf die Einlage „nach meiner Auffassung in der heutigen Zeit eine Hausnummer, mit der man leben kann“. Gätzschmann: „Man kann die Anteile ja auch wieder verkaufen – man muss die nicht 50 Jahre halten.“

Gegen die Stimmen von Klaus Roth (BfB) und der Grünen beschloss der Ausschuss, 114.000 Euro in den Haushalt einzustellen, um einen Geschäftsanteil in Höhe von 2,74 Prozent erwerben zu können.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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