Wolf: Bürgerforum kritisiert Umweltministerin und Landesamt scharf

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Mit deutlichen Worten rechnet das Gahlener Bürgerforum in einer fünfseitigen Stellungnahme mit dem Behörden-Handeln in Sachen Wolf ab. Der Termin dürfte nicht zufällig gewählt sein.

Schermbeck

, 25.09.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jürgen Höchst (Gahlen), Bernhard Steinmann (Kirchhellen) und Margot Drinkmann (Hamminkeln) erheben in einer Stellungnahme der Arbeitsgruppe Wolf des Gahlener Bürgerforums schwere Vorwürfe gegen Umweltministerin Ursula Heinen-Esser und das LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz), das sie zum LANUW („Landesamt für Umwelt und Wolfsschutz“) umfirmieren.

Nach eigener Datenbank verzeichne man mittlerweile nach mehr als zwei Jahren mit der Wölfin 51 Risse. „Für 100 unmittelbar getötete Nutztiere und 40 Nutztiere, die nachträglich aufgrund ihrer Verletzungen getötet werden mussten, ist GW954f verantwortlich.“ Verletzte Tiere hätten besondere Qualen erleiden müssen. „Es ist schrecklich, mitansehen zu müssen, wenn ein Schaf nach einem Kehlbiss nicht mehr richtig atmen kann und sich regelrecht zu einem Ballon aufbläht.“ Diese Tierquälerei hätten Landesamt und Ministerin nicht unterbunden. „Damit liegt ein Verstoß gegen §1 des Tierschutzgesetzes nahe“, so die Unterzeichner.

LANUV-Mitarbeiter „im Elfenbeinturm“

Dass die Ministerin noch im Januar 2020 bei einem Treffen davon gesprochen habe, dass Wölfe nicht springen könnten, habe für Erstaunen bei Wolfsbefürwortern und -gegnern gesorgt. Die Unterzeichner der AG Wolf schreiben, dass die Wölfin sehr wohl stromführende Zäune jenseits der 1,20-Meter-Höhe übersprungen habe. Von den LANUV-Mitarbeitern, „da diese in ihrem Elfenbeinturm sitzen“, werde aber nur etwas bestätigt, „wenn die gegenteilige Auffassung definitiv nicht mehr verneint werden kann“. Hinweise auf einen zweiten Wolf oder zur korrekten Rissbewertung seien „vollkommen ignoriert“ worden.

Der Termin für die Generalabrechnung am Donnerstagabend dürfte nicht zufällig gewählt sein, da Bürgermeister Mike Rexforth am Freitagnachmittag ein Gespräch mit Heinen-Esser verabredet hatte. Darin wollte er auch seine Irritation zur Sprache bringen, dass eine Probe, vermutlich von Wolfshaaren, die er selbst in der vergangenen Woche an der obersten Litze eines hohen Zauns in Gahlen genommen hatte, tagelang nicht abgeholt wurde.

Wolfsberater ohne Strommessgerät

Solche Haarproben seien mehrfach von LANUV-Mitarbeitern abgelehnt worden, schreiben die Verfasser. „Hier wird der Eindruck erweckt, dass jedes Indiz für ein Überwinden eines Zauns unerwünscht ist und somit nicht Teil der Rissdokumentation werden darf.“ Weitere Ungereimtheiten listen sie auf. Die Wolfsberater (Ehrenamtler) seien schlecht ausgestattet, hätten zum Teil kein Strommessgerät.

„Das Katz- und Maus-Spiel“ seitens des LANUV müsse ein Ende haben, so die Verfasser: „Wir brauchen Offenheit und Transparenz sowie objektive Rissgutachten und umfassende, einheitliche Rissdokumentationen.“

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