Die Aufnahme des Risses bei Familie Rutert wurde von den Wolfsberatern verweigert, weil ein Mitglied der AG Wolf zugegen war. © Heinz Beckmann
Wolf

Wolfsberater verweigern Rissaufnahme wegen Corona-Schutzverordnung

Nach einem Riss in Gahlen verweigern zwei Wolfsberater die Dokumentation, weil ein Mitglied der AG Wolf trotz Corona-Regeln zugegen ist. Das LANUV macht nun Tierhaltern eine klare Ansage.

Der Riss eines weißen Damwilds der Familie Rutert wurde am Dienstagmorgen festgestellt. Am Nachmittag kamen zwei Wolfsberater, wobei auch Heinz Beckmann von der AG Wolf des Gahlener Bürgerforums zugegen war, um ebenfalls das Geschehen zu dokumentieren.

Kratzspuren außerhalb des Geheges könnten von einem Wolf verursacht worden sein, der an dieser Stelle versuchte, unter dem Zaun durchzukommen. © Heinz Beckmann © Heinz Beckmann

Wegen Corona dürften keine anderen Personen zugegen sein, wurde Beckmann belehrt, außerdem dürfe er keine Fotos machen, sondern habe diese zu löschen. Nach einer Viertelstunde, so Beckmann, hätten die Wolfsberater die Aufnahme des Risses abgebrochen, während er 50 Meter entfernt außerhalb des Geheges gewartet habe.

„Hat sich wohl ein bisschen hochgeschaukelt“

„Das hat sich wohl ein bisschen hochgeschaukelt“, sagt Stefan Steinkühler, Sprecher des Bürgerforums, über diesen Nachmittag. Die Folge für die Familie Rutert dürfte sein, dass sie keinen Anspruch auf Entschädigung haben wird.

In einer Stellungnahme führte LANUV-Sprecher Wilhelm Deitermann Gründe für den Abbruch auf. Das LANUV habe den Tierhalter auf die besonderen Umstände in der Corona-Pandemie hingewiesen – trotz Corona-Vorschriften seien aber Dritte vor Ort gewesen.

„Es kann doch nicht sein, dass, nur weil eventuell Schaulustige 50 Meter weit entfernt stehen, die Wolfsberater abbrechen und der Betroffene nicht zu seinem Recht kommt“, kommentiert dies Stefan Steinkühler, Sprecher des Bürgerforums und Rechtsanwalt. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass das rechtlich nicht haltbar ist.“

Spuren könnten verwischt werden

Deitermann führt hingegen aus: „Dritte am Ort des Geschehens können nicht nur aufgrund der zu einhaltenden Corona-Vorschriften problematisch sein.“ Es könnten Spuren verwischt werden. Dazu sagt Steinkühler: „Dafür sind wir zu erfahren, dass wir dieses Risiko eingehen würden. Wir wollen doch, dass die Spuren vernünftig aufgenommen werden.“ Im Gegenteil: Es habe schon Fälle gegeben, in denen die Wolfsberater auf Spuren aufmerksam gemacht wurden, die ihnen sonst entgangen wären.

Deitermann zitiert zudem das Recht am eigenen Bild – Aufnahmen dürften von den Wolfsberatern nicht gegen ihren Willen aufgenommen werden. Es handele sich zum Teil um Ehrenamtler, die nicht in hoheitlicher Funktion arbeiteten, aber „wichtige Serviceleistungen für die betroffenen Nutztierhalter bei möglichen Wolfsrissen“ übernähmen.

Steinkühler entgegnet: „Wenn uns jemand sagt, dass er nicht fotografiert werden möchte, löschen wir die Bilder.“ Die Wolfsberater erfüllten aber sehr wohl einen öffentlichen Auftrag, so Steinkühler: „Es ist ein unschönes Gefühl, wenn einem jemand über die Schulter blickt, aber aufgrund der gemachten Erfahrungen müssen die leider damit leben.“ Das LANUV solle seine Sichtweise „schleunigst überdenken.“

Dokumentation nur noch ausschließlich mit Tierhalter?

Es habe bereits mehrere Fälle gegeben, so Deitermann, in denen die sachgerechte Dokumentation durch die Anwesenheit Dritter nicht sicher durchgeführt werden konnte. „In solchen Fällen sind die Luchs- und Wolfsberater/-innen in NRW angehalten, die Dokumentation abzubrechen. Um in Zukunft solche Vorfälle zu verhindern, ist es wichtig im Sinne der betroffenen Tierhalterinnen und Tierhalter, dass die Aufnahme von Rissvorfällen nur durch den betroffenen Tierhalter und nicht weitere interessierte Personen begleitet werden.“

Das kann auch man als Ansage an die Tierhalter interpretieren, künftig die Mitglieder der AG Wolf nicht mehr zur Aufnahme von Rissen hinzu zu bitten, wenn man nicht riskieren will, dass es keine Entschädigung gibt. Man wolle in der Situation keine Eskalation, betont Steinkühler, sagt aber auch: „Wir warten nun ab, ob es klare Anweisungen gibt, wie wir uns verhalten sollen. Die halten wir ein“ Doch er verspricht: „Wir werden uns nicht in Gänze davon abbringen lassen, die Betroffenen zu unterstützen.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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