So wie die Vertreterin (l.) einer Dorstener Stallgemeinschaft, die einen Ballen Heu, Geld und eine Kiste mit Glühwein, Äpfeln und Schokolade spendete, haben viele Schermbecker und Dorstener der Familie des Zirkus Busch in den vergangenen Wochen geholfen. Dafür dankt Zirkus-Chef Hardy Scholl (r.) stellvertretend allen großzügigen Spendern. © Berthold Fehmer
Zirkus

Zirkus-Chef dankbar: „Ich hätte das niemals für möglich gehalten“

Keinen anderen Ausweg, als um Hilfe zu bitten, sah Hardy Scholl, Chef des Zirkus Busch, der wegen Corona in Schermbeck gestrandet ist. Für das, was folgte, ist er zutiefst dankbar.

In verzweifelter Lage hatte sich Scholl Ende November an die Dorstener Zeitung gewandt. Wegen Corona war der 18-köpfigen Zirkusfamilie, die derzeit in ihrem Wohnwagen im Hinterhof einer Halle hinter dem ehemaligen Möbelhaus Rademacher in Schermbeck-Bricht lebt, nahezu jegliche Existenz-Grundlage entzogen. Keine Einnahmen durch Auftritte, Leben von Hartz IV, während gleichzeitig ein Großteil der Kosten, vor allem für die fast 50 Tiere, weiterläuft: Das brachte die Familie an den Rand des Ruins.

Futter für 150 Euro täglich braucht der Zirkus für seine Tiere, die in Kalkar stehen, weil in Schermbeck keine geeignete Fläche zur Verfügung stand: Vor allem das Heu für Kamele, Pferde, Lamas konnte sich die Familie nicht mehr leisten.

„Viele haben geholfen“

Nachdem die Öffentlichkeit von der Notlage der Familie erfuhr, änderte sich die Situation: „Viele haben geholfen“, sagt Hardy Scholl. Bauern seien mit Traktoren und Anhängern gekommen, beladen mit Heu und Stroh. Andere seien vorbeigekommen und hätten gespendet: „Mal 50 Euro, mal 20 Euro, mal 5 Euro.“ Auch seine Tochter, die beim Rewe-Markt für den „Zirkus in Not“ sammelt, habe seitdem mehr Spenden erhalten.

Auch eine kleine Dorstener Stallgemeinschaft, die nicht namentlich genannt werden möchte, beteiligte sich an der Hilfe. Im Pferdeanhänger brachten zwei Vertreterinnen einen Rundballen Heu, dazu eine Kiste, in der ein Umschlag mit Geld sowie Glühwein, Schokolade und Äpfel versteckt waren. Einen der Äpfel schnappte sich gleich der kleine Eddie, der zweijährige Spross der Zirkusfamilie.

Futter bis Ende Januar

Etwa bis Ende Januar, schätzte Scholl, seien die Tiere nun mit Futter versorgt. Was der Zirkusfamilie hilft, nun ein halbwegs entspanntes Weihnachten zu feiern. Wenn es keine Lösung für die Tiere gegeben hätte, sagt Hardy Scholl: „Wir hätten keinen Bissen runter bekommen.“

Dass es Menschen gibt, die Tiere generell nicht mehr im Zirkus sehen wollen, ist ihm bewusst. Hardy Scholl sagt aber auch, dass die Tiere im Zirkus durch ständige Ortswechsel vermutlich am häufigsten durch Veterinärämter überprüft würden. Für Zirkusleute gelte: „Erst werden die Tiere versorgt, dann wird gefrühstückt.“

Reparatur wird nun auf Raten abbezahlt

Um die Kosten zu senken, hat Scholl alle Fahrzeuge abgemeldet, die nicht unbedingt bewegt werden müssen. Denn eine Perspektive, wann man wieder auftreten kann, gibt es nicht. „Abmelden und Anmelden kostet aber auch viel Geld.“ Für den reparierten Kleinbus, den die Werkstatt nur gegen 3.000 Euro herausgeben wollte, hat sich eine Lösung ergeben. „Ich bin mit dem Zeitungsartikel dorthin gegangen“, sagt Hardy Scholl. Seinen Bus habe er danach zurückbekommen und zahlt nun monatliche Raten für die Reparatur.

Die Vertreterinnen der Dorstener Stallgemeinschaft, beide selbstständig, konnten sich in die Lage der Familie einfühlen. Sie berichteten, dass vielen Menschen in ihrem Umkreis durch Corona die Grundlage ihres Erwerbs entzogen wurde. Sie appellierten an die Zirkusfamilie durchzuhalten: „Es ist wichtig, was Sie tun“, sagte eine von ihnen zu Alfred Scholl, der vor vier Jahren bei der RTL-Show „Supertalent“ noch für seinen vierfachen Salto auf dem Trampolin gefeiert wurde. „Danke – man hört leider sonst immer nur etwas anderes“, sagte der leise.

Hardy Scholl bat beide Damen der Stallgemeinschaft, den Zirkus zu besuchen, wenn man wieder auftreten dürfe. „Vielleicht wenn wir in Remscheid als Weihnachtszirkus gastieren?“ Das versprachen beide. Hardy Scholl, dem die Situation auch selbst psychisch zugesetzt hatte, blickt nun wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Über den Zuspruch, die Hilfe und die Spenden sagt er: „Ich hätte das niemals für möglich gehalten.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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