Mit einem Rettungshubschrauber wurde Zirkusartist Alfred Scholl nach einem schweren Sturz in die Essener Uniklinik geflogen. © privat
Circus Busch

Zirkusartist stürzt aus 4,50 Metern Höhe: „Ich dachte, mein Kind stirbt“

Alfred Scholl, Artist des in Schermbeck gestrandeten Zirkus Busch aus Berlin, ist bei einem Arbeitsunfall schwer gestürzt. Mit einem Rettungshubschrauber wurde er in die Uniklinik geflogen.

Seinen 21. Geburtstag wird Alfred Scholl, der vor rund vier Jahren noch bei der RTL-Show „Das Supertalent“ für seinen vierfachen Salto auf einem Trampolin gefeiert wurde, so schnell nicht vergessen. Seit Monaten lebt die Zirkusfamilie vom Circus Busch aus Berlin im Hinterhof einer Halle hinter dem ehemaligen Möbelhaus Rademacher in Bricht.

Geplatzte Rohre an Zirkuswagen und in der Halle sorgten in der extrem kalten Woche Mitte Februar für große Schäden, berichtet Todesrad-Artist Lucas Sperlich. „Das Wasser stand hoch in der Halle.“ Er sagt über diese Woche: „Ich habe ja schon viel mitgemacht, aber das war schon der Hammer.“

Doch es sollte noch schlimmer kommen. Als eine Lampe an der Halle in 4,50 Metern Höhe kaputt ging, wollte Alfred Scholl diese am 22. Februar gegen 13 Uhr reparieren. Doch unglücklicherweise stürzte er dabei ab und kopfüber aufs Pflaster. „Ich kam gerade um die Ecke“, sagt Zirkus-Chef Hardy Scholl.

„Ich habe gedacht, das ist gebrochen“

Als Alfred Scholl wach wird, glaubt er, nur wenige Sekunden weggetreten zu sein. Dabei lag er da schon mehr als vier Minuten mit offenen Augen, aber bewusstlos im Arm von Hardy Scholl. „Das Genick verdreht – ich habe gedacht, das ist gebrochen.“

Krankenwagen und Notarzt erschienen, ein Rettungshubschrauber wurde angefordert und flog Alfred Scholl in die Uniklinik nach Essen. „Da bin ich das erste Mal mit dem Helikopter geflogen“, sagt Alfred Scholl, mitbekommen habe er davon allerdings nichts. „Ich dachte, mein Kind stirbt“, sagt Hardy Scholl ehrlich.

Alfred Scholl (l.) stürzte vor etwas mehr als einer Woche 4,5 Meter in die Tiefe. Die Folgen des Schädelbasisbruchs machen ihm immer noch zu schaffen. Aber er ist wie Hardy Scholl dankbar für die Anteilnahme aus der Schermbecker Bevölkerung.
Alfred Scholl (l.) stürzte vor etwas mehr als einer Woche 4,50 Meter in die Tiefe. Die Folgen des Schädelbasisbruchs machen ihm immer noch zu schaffen. Aber er ist wie Hardy Scholl dankbar für die Anteilnahme aus der Schermbecker Bevölkerung. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

Im Krankenhaus werden ein Schädelbasisbruch sowie Gehirnblutungen festgestellt. Vier Tage lang darf Alfred Scholl nicht aufstehen und ist mittlerweile wieder aus dem Krankenhaus entlassen. „Wenn ich zu lange nach oben gucke, kippe ich einfach um“, sagt er. Das, so hätten ihm die Ärzte erklärt, hänge mit dem im Kopf angestauten Wasser zusammen. „Das geht erst nach ein, zwei Wochen wieder weg“, sagt Alfred Scholl.

Dank an „den da oben“

Was noch alles hätte passieren können, darüber will sich Hardy Scholl lieber keine Gedanken machen. Er habe immer noch Albträume, gesteht er. Einen Tag nach Alfred Scholl hat er Geburtstag und dankt „dem da oben“ für das Geschenk, dass der Sturz keine schlimmeren Folgen hatte.

Was Alfred und Hardy Scholl beeindruckt, ist die Anteilnahme, die die Schermbecker gezeigt hätten. Einige hätten den Vorfall mitbekommen und sich immer wieder nach dem Gesundheitszustand erkundigt. Das sei für die Zirkusleute ungewohnt, sagt Hardy Scholl, da man sonst ja immer den Ort wechsele. „Alfred hat zu mir gesagt, er wisse nun, was Heimat bedeute.“ Die Zirkusfamilie wolle sich dafür bedanken, so Hardy Scholl.

Die Lage im Zirkus, der im November kein Geld mehr für Tierfutter aufbringen konnte, hat sich ein bisschen gebessert. Eine riesige Spendenbereitschaft sorgte dafür, dass Hardy Scholl nun sagen kann: „Mit dem Tierfutter kommen wir über Monate hin.“

„Man wollte mich schon zum Konkurs zwingen“

Problematischer ist hingegen, den Kostenapparat ohne Einnahmen aus Vorstellungen am laufen zu halten. Versicherungen, TÜV-Prüfungen für Lkws – solche Dinge könne man mit Hartz IV nicht bezahlen, sagt Scholl. Anderweitige Hilfen habe die Familie nicht bekommen. „Man wollte mich schon zum Konkurs zwingen.“

Doch die Familie kämpft weiter und freut sich über jeden Euro. Teilweise landeten Spenden beim im Oberhausen stationierten Circus Busch, weiß Hardy Scholl. „Die gehören zur Familie.“

Wer dem „Schermbecker“ Zirkus helfen will, wird gebeten, sich unter Tel. (0177) 2847001 zu melden. Konto bei der Postbank: Natascha Frank (Circus Busch), DE64590100660852392661, BICPBNKDEFF.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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