Im Jahr 2013 nahmen in Cali (Kolumbien) Athleten aus mehr als 100 Nationen an den World Games teil. © picture alliance / dpa
World Games

Abstimmung zum größten Athleten aller Zeiten – ein Schwerter ist nominiert

Von Aikido über Korfball bis zum Wasserskifahren – die Palette der Sportarten bei den World Games ist breit. Nun wird der Top-Athlet dieser Spiele der nichtolympischen Sportarten gesucht.

Die Verantwortlichen der World-Games-Komitees greifen ins alleroberste Regal. „Greatest Athlete of all Time – Vote now!“ Wer die Internetseite der World Games aufruft, der wird seit knapp zwei Wochen in Großbuchstaben dazu aufgefordert, seine Stimme abzugeben. Gesucht wird also der Athlet schlechthin, der bei den bisher ausgetragenen zehn World-Games-Veranstaltungen (seit 1981 im Vier-Jahres-Rhythmus) die nachhaltigsten Spuren hinterlassen hat.

24 Kandidaten haben es nach den Vorschlägen der internationalen Verbände in die Vorauswahl geschafft. Einer davon ist Rettungsschwimmer Marcel Hassemeier, Anfang des vergangenen Jahrzehnts für die DLRG Schwerte im Wasser. Hassemeier gehört als einziger deutscher Einzelsportler zum elitären Kreis der Nominierten.

Einer der Top-Athleten seiner Sportart schlechthin: Rettungsschwimmer Marcel Hassemeier. © Marcel Hassemeier © Marcel Hassemeier

Darüber hinaus ist aus Deutschland noch die Kanupolo-Nationalmannschaft der Damen nominiert – eine Unterscheidung zwischen Individualsportlern und Mannschaften wird bei der Wahl nicht gemacht.

Marcel Hassemeier: „Eine Riesenehre“

Und was sagt Marcel Hassemeier (31) selbst zu seiner Nominierung? „Für mich ist das eine Riesenehre und im Nachhinein eine tolle Bestätigung für meine Leistungen.“ Verdient hat sich Hassemeier die Nominierung durch seine Top-Leistungen im Jahr 2013. In Cali (Kolumbien) räumte er damals bei den World Games mit vier Goldmedaillen und einmal Silber richtig ab. Es war das erfolgreichste Jahr des Marcel Hassemeier, den der damalige Bundespräsident Joachim Gauck auch noch mit dem Silbernen Lorbeerblatt schmückte.

Hassemeier ist Ostwestfale und wechselte mit dem Beginn seiner Zeit bei der Bundeswehr-Sportfördergruppe in Warendorf von seinem Heimatverein Ennigerloh zur DLRG Schwerte. Der Ruhrstädter Anil Sezen, Nationalmannschaftskollege und ebenfalls bei der Warendorfer Sportfördergruppe, machte ihm damals den Wechsel schmackhaft.

Bei den World Games in Cali räumte Marcel Hassemeier 2013 kräftig ab. © Marcel Hassemeier © Marcel Hassemeier

Nach zahlreichen Erfolgen und Rekorden auf nationaler und internationaler Ebene beendete Marcel Hassemeier Ende 2014 seine Leistungssport-Karriere – gezwungenermaßen. Denn bei einem Trainingsunfall war er im Jahr 2012 so unglücklich gestürzt, dass er sich ein Handgelenk zertrümmerte. Nach vier Operationen hatte es sich zwar einigermaßen stabilisiert, doch Training und auch seine erfolgreichen Wettkämpfe absolvierte Hassemeier meistens unter Schmerzen.

Auch heute noch nicht schmerzfrei

Schmerzfrei ist Hassemeier auch heute noch nicht. „Es ist schon okay – ich habe gelernt, damit zu leben“, sagt er und erinnert sich rückblickend: „Irgendwann kam damals aber der Punkt, als es hieß: Sport oder Gesundheit.“ Wie die Antwort auf diese Frage ausfiel, kann man sich denken – erst recht, weil das Rettungsschwimmen kein Sport ist, mit dem sich Geld verdienen lässt.

Ganz ohne Sport ging es für Hassemeier aber auch in den Jahren danach nicht. Bei der so genannten Interclub-WM ging er nochmal an den Start und holte unter anderem 2016 mit seinen Teamkollegen der DLRG Schwerte als Puppenstaffel die Bronzemedaille.

Goldmedaille bei der Masters-WM

Sogar noch erfolgreicher war sein letzter internationaler Wettkampf, bei dem Hassemeier einen Ausflug zum „normalen“ Schwimmen machte. „Einfach mal, um zu gucken, was noch geht“, startete er 2019 bei der Masters-WM (Weltmeisterschaft der Altersklassen) in Südkorea über 50 Meter Brust und fügte seiner Titelsammlung prompt noch eine weitere Goldmedaille hinzu – mit der beachtlichen Zeit von 28,88 Sekunden war Hassemeier der Schnellste seiner Altersklasse.

In seiner World-Games-Vita taucht diese Goldmedaille nicht auf – und trotzdem darf sich Marcel Hassemeier berechtigte Hoffnungen machen, in die Endausscheidung der besten 10 zu kommen. Am 20. Januar macht das Komitee diesen Schnitt und reduziert die Zahl der Nominierten von 24 auf die Top Ten.

„Also alle bitte weiter fleißig für mich abstimmen“, wünscht sich Marcel Hassemeier, der bei Freunden, Bekannten und Verwandten in den vergangenen Tagen und Wochen schon fleißig die Werbetrommel für sich gerührt hat. Die Abstimmung läuft noch bis zum 1. Februar.

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Redaktion Schwerte
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Michael Doetsch

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