Aus einem Tag, der perfekt werden sollte, entwickelte sich für einen Schwerter Fußballverein ein sportliches Desaster. © Jens Lukas
Fußball

Derby-Hitparade: Die Einweihung des neuen Kunstrasenplatzes scheitert völlig

Alles schien perfekt: Der Schwerter Verein hatte eine tolle Saison gespielt und zum vorletzten Spieltag war der neue Kunstrasenplatz endlich fertig. Doch das Eröffnungs-Derby ging total daneben.

Der 1. Juni 2014 sollte aus Sicht des Schwerter Vereins ein vereinseigener Feiertag werden. Die Rahmenbedingungen schienen perfekt. Doch am Ende ereignete sich ein sportlicher Totalausfall.

Die rote Asche am Buschkampweg des Geisecker SV war verschwunden und wurde gegen einen neuen Kunstrasenplatz eingetauscht. Zur Premiere am vorletzten Spieltag der Saison 2013/2014 hatte sich der ETuS/DJK Schwerte angesagt, ein Lokalderby im Osten der Stadt kurz vor Saisonende.

Sollte vor der Partie die Laune im Lager der „Kleeblätter“ noch gut gewesen sein, so war sie nach den 90 Minuten eher enttäuschend. Schließlich entführten die Gäste nicht nur drei Punkte, sie sorgten auch mit dem 8:4-Erfolg für eine erste deutliche Pleite der Geisecker auf dem neuen Untergrund.

Freud und Leid lagen nicht nur beim Geisecker SV eng beieinander, sondern auch ganz speziell bei Jonas Schröder. Der heute 39-jährige kann sich noch erinnern, wie sein Team ins Spiel gegangen war: „Es sollte ein Fest werden und wir hatten uns natürlich was anderes vorgenommen als die Niederlage. Wir wollten zu viel und der Druck war dann zu groß, zudem war ETuS natürlich doppelt motiviert.“

Jonas Schröder erzielt das 1:0 für den Geisecker SV

Doppelt motiviert war Schröder wahrscheinlich auch, schließlich spielte er bei der Eröffnung auch gegen seinen ehemaligen Verein. Für den ETuS/DJK Schwerte schnürte „Schrödi“ 20 Jahre seine Fußballschuhe, ehe im Jahre 2009 der „Tapetenwechsel“ nur wenige Kilometer weiter östlich in Schwerte folgte.

Das Eröffnungsspiel war keine vier Minuten alt, da gelang Jonas Schröder etwas historisches, das erste Tor auf dem neuen Kunstrasenplatz. „An mein Tor habe ich keine Erinnerungen mehr“, so der Fan des FC Bayern.

Jonas Schröder (li.), der das erste Bezirksliga-Tor im neuen Stadion erzielte, und Florian Bartel im Duell. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Vielleicht war ein Grund dafür, dass erneut Freud und Leid aus Geisecker Sicht eng beieinander lagen, denn die „Östlichen“ glichen im Gegenzug prompt zum 1:1 aus und gaben damit einen Vorgeschmack auf ein torreiches Duell.

Die Platzherren waren wenig beeindruckt und gingen durch Damian Wielgosz nach Vorlage von Schröder wieder in Führung (13.). „Ein langer Freistoß wurde auf den zweiten Pfosten geschlagen, ich habe quergelegt und Damian versenkte den Ball“, beschreibt Schröder das Tor.

Geisecker SV fällt auseinander, Fußbruch bei Jonas Schröder

Anschließend verging den Gastgebern das Lachen, denn die Mannschaft von Spielertrainer André Haberschuss drehte das Derby und führte zur Pause mit 4:2, ehe nach Wiederanpfiff direkt das 5:2 fiel. Kurz darauf kam der Moment, der auch bei Jonas Schröder für Leid sorgte und seine zwei Torbeteiligungen vergessen ließ.

Bei einem Pressschlag zog sich der Geisecker Akteur einen Fußwurzelbruch zu und musste in der 50. Minute ausgewechselt werden. „Das war mein letztes Bezirksligaspiel, denn anschließend durfte ich den Fuß ein halbes Jahr nicht belasten. Als ich wieder fit war, habe ich dann in der B- oder C- Liga gespielt”, sagt Schröder.

Schröder stand also nicht mehr auf dem Platz, als seine Kollegen die bittere 4:8-Heimniederlage hinnehmen mussten, aber die Freude über die gute Spielzeit hat er sich dadurch nicht nehmen lassen.

„Das Ergebnis war am Ende heftig. Aber wir haben eine geile Saison mit gutem Fußball und einem super Team gespielt. Wir sind am Ende Dritter geworden und konnten lange oben mithalten“, weiß Schröder.

Jonas Schröder will seine Laufbahn nicht wiederaufnehmen

Ob er nach der Coronapause noch mithalten kann, dazu hat er auch eine klare Meinung: „Mein Fitnesslevel reicht einfach nicht mehr, daher komme ich eher ohne Tasche am Sonntag zum Spiel. Aber auf die Jungs freue ich mich tierisch.“

Es wird eine ähnliche Freude sein wie sie in Geisecke vor der Premiere des Kunstrasenplatzes gespürt haben, doch in diesem Spiel ist allen Beteiligten vor Augen geführt worden, wie eng Freud und Leid beieinander liegen. Bei Jonas Schröder in diesem Spiel ganz besonders.

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