Bei diesen Mannschaften zappelte der Ball in den vergangenen zehn Jahren besonders häufig im Netz. © Jens Lukas
Fußball

Derby-Hitparade: Wenn ein Ex-Torwart in der 90. Minute volley zum Ausgleich trifft

Dass Torhüter in einem Fußballspiel aus dem Spiel heraus als Torschützen in Erscheinung treten, ist eher eine Seltenheit. Aber Ausnahmen bestätigen diese Regel.

Alisson Becker vom FC Liverpool gelang kürzlich in der Premier League ein Kopfballtor in letzter Sekunde zum Sieg für das Klopp-Team. Ebenfalls per Kopf war Jens Lehmann für Schalke 04 im Dezember 1997 beim BVB zur Stelle – keiner, der dabei war, wird diese Szene zum späten 2:2-Ausgleich vergessen.

Auch in der Bezirksliga 6 sollte beim Duell der Erzrivalen, ETuS/DJK Schwerte und VfL Schwerte, vor rund zwei Jahren ein Keeper einen Treffer in der Nachspielzeit erzielen – wenn auch ein bisschen anders als in den Fällen Becker und Lehmann.

Der zum Feldspieler umfunktionierte Ex-Torwart Kevin Loke (li.) traf für den ETuS/DJK Schwerte im April 2019 zum späten 3:3-Ausgleich.
Der zum Feldspieler umfunktionierte Ex-Torwart Kevin Loke (li.) traf für den ETuS/DJK Schwerte im April 2019 zum späten 3:3-Ausgleich. © Archiv © Archiv

Kevin Loke stand lange im Tor der „Östlichen“, ehe er zum Feldspieler umfunktioniert und am 7. April 2019 innerhalb von fünf Minuten zum Derbyhelden wurde. Dabei stand der Ex-Keeper lange nicht im Fokus der Partie – für die Highlights im Spiel sorgten zunächst andere Akteure.

Der VfL ging früh durch Tim Birnkraut mit 1:0 in Führung (8.), doch Dennis Cela (17.) und Kapitän Yannik Körner (45.) drehten noch vor der Halbzeit die Partie. In den letzten 20 Minuten überschlugen sich dann die Ereignisse, wie das in einem Duell zwischen Erzrivalen häufiger der Fall ist. Innerhalb von zehn Minuten machten die Gäste aus einem 1:2-Rückstand eine 3:2-Führung (82.) und schienen auf die Siegerstraße eingebogen zu sein.

Doch die Blau-Weißen hatten die Rechnung ohne Kevin Loke gemacht. In der 85. Minute wurde der Mittelfeldspieler eingewechselt und bekam von Trainer André Haberschuss noch ein paar Anweisungen mit. „Er sagte mir: Geh’ vorne rein, mach‘ etwas und schieß‘ ein Tor“, erinnerte sich Loke.

Gesagt, getan. Einen Freistoß von Cagdas Yetim in der 90. Minute schoss Loke am langen Pfosten volley in die Maschen zum 3:3-Ausgleich. „Ich bin vom Typ her jemand, der gerne spekuliert. Als Torwart habe ich die Erfahrung, Bälle gut einschätzen zu können. Das hat mir bei dem Treffer sicherlich geholfen“, erinnert sich der Derbyheld.

Während Loke und der ETuS/DJK aus dem Feiern nicht mehr herauskamen, war die Stimmung beim VfL entsprechend gedämpft – durch das Gegentor in der Schlussminute war das Unentschieden gefühlte Niederlage. „Es ist immer bitter, in der letzten Minute ein Gegentor zu bekommen. Im Derby gegen ETuS ärgert man sich noch mehr, weil diese Spiele immer von viel Hektik geprägt sind“, erinnert sich VfL-Keeper Stefan Ladkau.

Auch für den Schlussmann der Blau-Weißen war das dritte Gegentor eine außergewöhnliche Situation – wann schießt schon mal ein ehemaliger Torwartkollege das entscheidende Tor? „Aber ich habe mich eher über die Situation geärgert als über den Torschützen. Im Nachhinein ist es dann eine Geschichte, die der Fußball gerne schreibt“, so Ladkau weiter.

Und während Kevin Loke zur Feier des Tages eine Kiste Bier spendierte, wird Stefan Ladkau nicht allzu zufrieden gewesen sein – auch wenn er den EWG-Sportpark wenigstens mit einem Zähler verlassen konnte.

Über den Autor

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.