Ein Schwerter Bezirksligist erlebte in einem Flutlicht-Derby einen bitteren Abend, der sinnbildlich für eine verkorkste Saison stehen sollte. © Jens Lukas
Fußball

Derby-Hitparade: Zehn-Tore-Spektakel auf Asche, das einen Abstieg besiegelte

Die Fußballsaison 2020/21 ist annulliert. Auch Bezirksliga-Derbys, häufig das Salz in der Schwerter Fußballsuppe, gibt es aktuell nicht - Anlass genug, auf die spektakulärsten Lokalduelle zurückzublicken.

Zum Auftakt der Derby-Hitparade mit Highlights aus den vergangenen Jahren blicken wir auf ein Torfestival auf Asche, das knapp neun Jahre zurückliegt.

Wenige Informationen reichten, da konnte Tobias Thiele sich erinnern, als sei es gestern gewesen. Die Rede ist vom Bezirksliga-Duell zwischen dem Geisecker SV und dem SC Berchum/Garenfeld am 3. Juni 2012, das mit einem furiosen 5:5-Unentschieden endete.

Fast neun Jahre sind seit diesem Match vergangen, bei dem der langjährige Kapitän der „Kleeblätter“ eine entscheidende Rolle spielte und nach dem die damals von Rupert Gerl trainierten Berchum/Garenfelder aus der Bezirksliga absteigen mussten.

Georgis Ntontos, Sascha Krieger, Tim Fischer und Martin Baumdick (v. li.) lieferten sich beim 5:5-Remis zwischen dem Geisecker SV und dem SC Berchum/Garenfeld im Juni 2012 ein packendes Derby.
Georgis Ntontos, Sascha Krieger, Tim Fischer und Martin Baumdick (v. li.) lieferten sich beim 5:5-Remis zwischen dem Geisecker SV und dem SC Berchum/Garenfeld im Juni 2012 ein packendes Derby. © Oskar Neubauer © Oskar Neubauer

Während der SC als Schlusslicht drei Spieltage vor dem Saisonende am Buschkampweg gastierte und den Abstieg nur noch durch einen Derbyerfolg verhindern konnte, war die Endphase der Saison für die Geisecker von keiner großen Bedeutung mehr – sie standen im oberen Tabellenmittelfeld ohne Chancen auf den Aufstieg.

Matsch und Pfützen am Buschkampweg

Mittendrin in diesem Zehn-Tore-Spektakel war Mittelfeldakteur Tobias Thiele. Die erste Halbzeit hatte er schon fast verdrängt, denn sein Team lag mit 0:3 zurück, die Leistung bezeichnete er als „unterirdisch“. Auch die Platzverhältnisse hatten diesen Ausdruck verdient, denn die Asche verwandelte sich im Laufe der Partie in ein Spielfeld voller Matsch und Pfützen, womit die Geisecker besser zurechtkamen als ihr Gegner. „Wir waren nach der Pause wie ausgewechselt und haben in der zweiten Halbzeit mit viel Herz gespielt“, erinnert sich der Kapitän.

Sein Tor zum 3:4-Anschlusstreffer nach mehr als 60 Minuten Spielzeit konnte er noch genau erzählen: „Nach einem Fehler im Aufbau habe ich den Ball an der Mittellinie bekommen, habe Verteidiger Ntontos getunnelt und beim Torschuss den Keeper auf dem falschen Fuß erwischt.“

Nicht die Regel, aber auch nicht die Ausnahme

Neben seinem Treffer glänzte der Mittelfeldspieler noch mit drei Vorlagen, sodass er an vier der fünf Geisecker Tore direkt beteiligt war. „Damit einem Spieler vier Scorer-Punkte überhaupt gelingen können, braucht man als Team mindestens vier Tore. Das war natürlich nicht die Regel, aber in Geisecke auch nicht die Ausnahme“, erklärt Thiele.

Am Ende mussten sich die „Kleeblätter“ trotz ihrer fünf Tore mit einem Punkt begnügen, denn auch der Sportclub hatte seine Stärken in der Offensive. Als Geiseckes Martin Baumdick dann in der 90. Minute mit der Roten Karte den Platz verlassen musste, dachten die meisten an eine Entscheidung und eine 4:5-Niederlage für die Gastgeber.

Goldschmidt rutscht auf den Knien – auf Asche

Doch dabei hatten sie Dirk Goldschmidt nicht auf dem Schirm, der in der Nachspielzeit zum 5:5-Endstand traf und den Abstieg des SC Berchum/Garenfeld besiegelte. „Dass Garenfeld absteigen konnte, hatten wir natürlich im Kopf. Das war unsere Motivation. Goldi ist auf Knien gerutscht nach seinem Tor, der Jubel war ausgelassen“, beschreibt Thiele die Geisecker Glücksgefühle und fügt erklärend hinzu: „Mond-Ergebnisse gibt es in Derbys häufiger, weil es besondere Spiele sind. Ein 5:5 ist schon außergewöhnlich, aber war in Geisecke auch kein völliges Neuland“, so der Kapitän.

In seiner Laufbahn durfte er schon einige Lokalduelle bestreiten, die bei ihm immer einer Grundnervosität ausgelöst haben: „Ich war immer aufgeregter als vor den normalen Spielen, aber in letzter Zeit hat die Brisanz und Aufregung nachgelassen.“

Aufgeregt wird er daher auch vor den 90 Minuten gegen Berchum/Garenfeld gewesen sein. Zehn Treffer, ein Tor in der Nachspielzeit, ein Platzverweis und ein Abstieg sprechen für ein furioses Derby am Buschkampweg, bei dem Tobias Thiele eine der Hauptrollen spielte.

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