Das Bier und die Fachsimpelei nach dem Spiel – einem Trainer fehlt das ganz besonders an seinem alten Verein. © Bernd Paulitschke
Fußball

Ehemaliger Schwerter Trainer vermisst das Bierchen danach

Wenn es nach ihm ginge, wäre er wohl heute noch Trainer in Schwerte. Mittlerweile coacht er zwar woanders. Doch in Schwerte vermisst er ganz banale Dinge des Amateurfußballs.

Nach fünf Jahren war für ihn in Schwerte Schluss. Zwar gab es eine saubere Trennung zwischen Verein und Trainer. Doch gleichzeitig wäre er gerne auch noch länger geblieben. An seiner Verbundenheit zum alten Klub hat das aber nichts verändert. Mit seinem neuen Verein steckt er mitten im Abstiegskampf.

An den 19. Mai 2019 erinnert sich Jörg Silberbach rührselig zurück. Dieser eine Sonntag, als er den VfL Schwerte zum letzten Mal im heimischen Schützenhof dirigiert. Nach dem 2:1-Sieg seines Teams gegen Grünenbaum wird es emotional. Silberbach wird verabschiedet. Seine Spieler hatten ihm zu Ehren T-Shirts drucken lassen. Es folgt eine ergreifende Ansprache.

„Ein richtig toller Tag“

„Das war sehr, sehr bewegend für mich und ein richtig toller Tag“, schwärmt Silberbach heute. Eine Woche später ist das Kapitel VfL Schwerte nach dem Ligaabschluss in Lüdenscheid nach fünf Jahren dann vollends beendet.

Dabei wollte Silberbach den VfL gar nicht unbedingt verlassen. Ginge es nach ihm, wäre er womöglich noch heute Trainer des Schwerter Traditionsvereins. Doch im Winter 2018 entschied sich der Verein für einen „Umdenkungsprozess“, wie Silberbach es nennt.

Emotionaler Moment: Am 19. Mai 2019 wird Jörg Silberbach vor seinem letzten Heimspiel von Verein und Mannschaft verabschiedet. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Der damalige Sportliche Leiter Mirko Mustroph gab zunächst sein Ausscheiden bekannt. In der Folge wollte sich der Verein auch auf der Trainerposition neu aufstellen. „Ich fand das schade, aber es war ein absolut sauberer Schlussstrich und völlig in Ordnung, wie es der Verein kommuniziert hat“, sagt der 55-jährige Silberbach.

Dass Verein und Trainer nicht übereinstimmend, aber keinesfalls im Streit auseinandergingen, merkte man schnell, als Silberbach in der neuen Spielzeit häufig als Zuschauer nach Schwerte kam. Ihm hängt etwas am VfL. An seinen langjährigen Spielern wie etwa Nicolas Ortiz, Stefan Ladkau oder Luca Vöckel. Besonders die Zusammenarbeit mit seinem „Co“ Yannis Schwarze fehlt ihm sehr.

Und er vermisst noch etwas ganz anderes. „Das Bierchen und die Diskussionen nach dem Spiel mit den ganzen VfL-Urgesteinen“, verrät Silberbach. „Das habe ich immer sehr genossen. Die waren häufig sehr kritisch, aber nie persönlich. Das fehlt mir.“ Besonders zu den VfL-Granden Udo Wilkes und Werner Friese hatte Silberbach stets eine enge Verbindung.

Neuer Trainerjob in Bommern

Nach einem halben Jahr ohne Trainerjob nahm Jörg Silberbach im vergangenen Winter eine neue Aufgabe an: beim Wittener Bezirksligisten SV Bommern, der seinerzeit wie heute in veritablen Abstiegsnöten steckt. Im Frühjahr konnte Bommern sich noch durch den Saisonabbruch in der Liga halten.

Heute trifft man Jörg Silberbach (re.) bisweilen noch als Zuschauer am Schützenhof. © Manuela Schwerte © Manuela Schwerte

Doch auch nach sieben absolvierten Spielen in der jetzigen Saison steht Silberbachs neues Team mit nur einem Punkten auf dem vorletzten Platz. Dennoch sagt er: „Ich habe hier einen ganz tollen Verein gefunden, wo es mir sehr großen Spaß macht.“

Nach einem personellen Umbruch im Sommer, einer Verletztenmisere und einem heftigen Auftaktprogramm sei es nicht überraschend, erklärt Silberbach, dass seine Mannschaft dort unten stehe. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, auch hier langfristig zu bleiben. Denn ich fühle mich sehr wohl.“

Am 30. August kehrte Jörg Silberbach wieder zurück zum Schützenhof. 469 Tage nach seinem emotionalen Abschied vom VfL Schwerte. Doch diesmal nicht als Zuschauer, sondern als Trainer des SV Bommern für ein Freundschaftsspiel. Diesmal nahm er nicht auf der tribünennahen Trainerbank des VfL Schwerte Platz, sondern ein paar Meter weiter auf der Gästebank.

2014 übernahm Jörg Silberbach die Verantwortung für das Bezirksliga-Team des VfL Schwerte. © Manuela Schwerte © Manuela Schwerte

Das muss Jörg Silberbach zunächst merkwürdig vorgekommen sein. Doch auch als Gäste-Coach konnte er sich bereits auf das freuen, was er beim VfL so liebt: das Bierchen und die Diskussion danach.

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