Die Hallenfußball-Historie geht weiter. © Manuela Schwerte
Hallenfußball-Stadtmeisterschaften

Ein Underdog holt seinen ersten Titelgewinn, aber der Trainer ist auf Kreuzfahrt

Die Schwerter Hallenstadtmeisterschaften 2021 sind der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen - für uns der Anlass, auf einige Turniere der vergangenen Jahre zurückzublicken.

Ein Jahr zuvor hatten die Holzpfosten Schwerte als A-Ligist die Sensation geschafft und die Phalanx des VfL Schwerte und Geisecker SV durchbrochen. Diese beiden Klubs hatten zwölf Jahre in Folge den Titel unter sich ausgemacht. 2012 stahl erneut ein „Underdog“ den Großen die Schau.

Der TuS Holzen-Sommerberg konnte sich mit einem 2:0-Endspielerfolg über den Geisecker SV erstmals in der bis dahin 26-jährigen Geschichte der Hallen-Stadtmeisterschaften den Titel sichern. Zweimal hatte der damalige A-Liga-Herbstmeister bereits in einem Finale gestanden, musste sich aber 2009 und 2010 jeweils geschlagen geben.

Jubel beim neuen Stadtmeister: Der TuS Holzen-Sommerberg holte sich erstmals diesen Titel. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Diesmal durften die Holzener endlich jubeln. In einer Neuauflage des Endspieles von 2010 hatte die Mannschaft von Trainer Thomas Wegener gegen die Geisecker verdient die Nase vorn.

Eine etwas unglückliche Urlaubsplanung

Doch der Coach bekam den größten Erfolg in seiner bis dahin zweieinhalbjährigen Amtszeit als Holzener Trainer gar nicht hautnah mit. Schuld war eine etwas unglückliche Urlaubsplanung. Nach der Zwischenrunde machte sich Wegener am Sonntag auf zum Flieger zu einer Kreuzfahrt mit der Aida. Bei den entscheidenden Spielen coachte Co-Trainer Markus Steckel im Halbfinale und Endspiel.

Thomas Wegener, Trainer des neuen Stadtmeisters TuS Holzen-Sommerberg, war bei den entscheidenden Spielen nicht mehr dabei. Er hatte eine Kreuzfahrt gebucht. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Das erste ganz dicke Ausrufezeichen hatten die Holzener aber bereits im ersten Spiel der Zwischenrunde gesetzt. Sie spielten sich gegen den zwei Klassen höher agierenden VfL Schwerte in einen Rausch und deklassierten diesen mit 7:1. Der alles überragende Mann war Marc „Coke“ Nebgen. Er führte seine Gegenspieler nach Belieben vor und narrte einen nach dem anderen.

Marc „Coke“ Nebgen entzauberte den VfL Schwerte und den ETuS/DJK Schwerte auf dem Weg zur Stadtmeistertitel. Er wurde zum besten Hallenspieler des Turniers ausgezeichnet. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Auch gegen den Geisecker SV führte Holzen bereits mit 3:1, musste sich aber in einem hitzigen Spiel noch mit 3:4 geschlagen geben. Zudem sah auch noch Torwart Patrick Klose die Rote Karte, nachdem er im Zweikampf gegen Tobias Thiele zu spät kam und diesen von den Beinen holte.

Ein Stürmer im Tor

Von nun an hütete Stürmer Mario Sedlag das Tor. Dieser machte seine Sache als Interimstorwart in der Folge so gut, dass er viel Applaus und Komplimente erntete. Er wurde ein Garant für den späteren Turniersieg.

Stürmer Mario Sedlag musste für den rotgesperrten Patrick Klose zwischen die Holzener Pfosten und avancierte zu einem Garanten für den Titelgewinn. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Für den Dauerfavoriten VfL war die 1:7-Packung gegen Holzen der Anfang vom Ende. Ein 2:2 gegen den SC Berchum/Garenfeld wahrte noch eine Restchance. Die Hoffnung auf das Weiterkommen nährte anschließend der 4:1-Sieg über Geisecke.

Aber die Holzener konnten im Abschlussspiel die Berchum/Garenfelder mit 2:0 bezwingen und zogen mit den „Kleeblättern“ ins Halbfinale ein. Für den VfL war das Turnier beendet.

Der Titelverteidiger souverän

In der Parallelgruppe konnte sich der Titelverteidiger Holzpfosten Schwerte souverän mit drei Siegen durchsetzen. Zwölf Tore hatten die „Pfosten“ dabei erzielt und wurden von ihren begeisternden Anhängern angetrieben.

Mit ihnen zog der Gastgeber ins Halbfinale ein. Der ETuS/DJK Schwerte fand große Anerkennung für seine Ausrichtung. Doch der Traum vom Titelgewinn blieb den „Östlichen“ verwehrt. Sie scheiterten am späteren Stadtmeister.

Nebgen und Sedlag stoppen den ETuS/DJK

Ein Doppelschlag von Marc Nebgen binnen einer Minute brachte Holzen-Sommerberg im Halbfinale bereits nach drei Minuten auf die Siegerstraße. Die „Östlichen“ nahmen zwar das Tor von Aushilfskeeper Mario Sedlag schwer unter Beschuss, aber zu mehr als den Anschlusstreffer durch Tim Minuth sollte es für den Ausrichter nicht mehr reichen.

Erst in der Verlängerung

Der Endspielpartner wurde erst in der Verlängerung des zweiten Halbfinales gefunden. Die reguläre Spielzeit war primär von Taktik, Abwarten und Belauern geprägt und wurde so zum ersten torlosen Spiel des gesamten Turniers. Jonas Schröder und Tobias Thiele ließen den Geisecker SV dann gegen die Holzpfosten noch jubeln.

Der entthronte Titelverteidiger bezwang im kleinen Finale den ETuS/DJK mit 3:1. Damit schlossen die Holzpfosten in einer Neuauflage des Vorjahresfinales das Turnier noch versöhnlich ab und ließen sich, wie eigentlich während des gesamten Turniers, gebührend von ihren Anhängern feiern.

Endspiel findet einen weiteren Helden

Das Endspiel fand dann einen weiteren Helden. So torreich wie in der Zwischenrunde, als Geisecke noch mit 4:3 die Oberhand behalten hatte, sollte das Finale nicht werden. Nach ersten Warnschüsse blieb es erstmal lange eher ruhig vor den Gehäusen. Ausgerechnet ein Rückkehrer entschied dann das Spiel.

Sedlag nicht zu überwinden

Damian Wielgosz erzielte beide Treffer für den neuen Titelträger. Er war erst zum Jahreswechsel aus Geisecke zum TuS Holzen-Sommerberg zurückgekehrt. Zunächst konnte Mario Sedlag mehrfach Geisecker Chancen zu Nichte machen. Welcher Geisecker sich auch immer versuchte, er fand in Sedlag seinen Meister.

Damian Wielgosz (re.) erzielte im Endspiel gegen den Geisecker SV beide Tore. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

In der vorletzten Minute schlug dann die Stunde von Damian Wielgosz. Er überwand Tobias Meinks, den Ex-Holzener im Geisecker Kasten, zum 1:0. Nachdem auch Thorsten Kramer erneut an Sedlag scheiterte, schob Wielgosz den Konter sogar noch zum 2:0-Endstand ein und der Rest war grenzenloser Holzener Jubel.

Dennis Frohn als bester Torjäger

Der historische Holzener Triumph war perfekt und neben den Final-Helden Wielgosz und Sedlag fand ein weiterer Holzener Akteur seine Anerkennung: Marc Nebgen wurde zum „Hallen-Spezi“ gekürt. Er war mit sieben Treffern zudem zweitbester Torschütze hinter Dennis Frohn vom ETuS/DJK Schwerte, der achtmal traf.

Dennis Frohn vom Ausrichter ETuS/DJK Schwerte wurde mit acht Treffern Torschützenkönig des Turniers. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

„Das war schon ein spezielles Turnier. Holzen ist mein Stammverein und mit Mario Sedlag oder Damian Wielgosz habe ich schon in der A-Jugend zusammengespielt. Wir hatten da ein paar richtig gute Jungs“, erinnert sich Marc Nebgen. „Das war schon eine ganz große Sache. Wir haben den Titel bis tief in die Nacht gefeiert. Das hat schon Spaß gemacht.“

Thomas Redel mit Sportsgeist

„Der Geheimtipp hat gewonnen. Die Holzener Jungs sind wirklich nicht schlecht. Man muss auch mal gönnen können. Wir haben ein gutes Turnier gespielt“, fand Thomas Redel, Sportlicher Leiter des Geisecker SV, trotz der Enttäuschung nach dem Finale anerkennende Worte.

Per SMS-Live-Ticker

Holzens Trainer Thomas Wegener wurde in den letzten Spielen per SMS-Live-Ticker auf dem Laufenden gehalten. „Das ist der absolute Wahnsinn“, schrieb er nach der erlösenden Nachricht.

Auszeichnungen gab es vom Stadtsportverband für Dennis Frohn (Torschützenkönig), Marc Nebgen (Hallen-Spezi) und Daniel Otto (Holzpfosten, bester Torwart). © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

So ganz überraschend kam für Wegener der Titelgewinn nicht. „Ich hatte es nie ausgeschlossen, aber nach dem VfL-Spiel wusste ich: Jetzt ist alles möglich. Besser konnte man nicht spielen“, berichtete Wegener am nächsten Tag vom Flughafen auf Gran Canaria. Der TuS Holzen-Sommerberg hatte sich mit dem 7:1 gegen den VfL den Glauben an den ersten Titelgewinn wohl implantiert.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Jörg Krause (Jahrgang 1967) ist seit Mitte der 1990er-Jahre als freier Mitarbeiter in der Schwerter Lokalsportredaktion unterwegs. Vor allem in Sachen Fußball ein wandelndes Lexikon.
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