Kevin Großkreutz feiert hier 2013 sein Tor für den BVB im Champions-League-Spiel gegen Marseille. Als größtes Spiel seiner Karriere aber hat der Ex-Profi eine andere Partie bezeichnet. © picture alliance / dpa
Fußball

Kevin Großkreutz und der VfL Schwerte – vor rund 20 Jahren war da mal was

Öffentlichkeitswirksam hat BVB-Ikone Kevin Großkreutz in der vergangenen Woche das Ende seiner Profikarriere bekannt gegeben. Erwähnung fand dabei auch der VfL Schwerte.

Das Zitat geisterte durchs Internet, ein Sport-Portal nach dem anderen griff es auf. Nicht ohne Grund, denn es war schon ziemlich kurios, was Kevin Großkreutz auf die Frage nach dem größten Spiel seiner Karriere geantwortet hat: „Ich habe mal in der C-Jugend 14 Tore in einem Spiel gemacht, im Kreispokal gegen den VfL Schwerte. Das war groß“, hat Großkreutz gesagt.

Spiel gegen VfL Schwerte als Karriere-Highlight

Zur Erinnerung: Der Mann ist 2014 Weltmeister geworden (wenn auch ohne WM-Einsatz), wurde mit Borussia Dortmund zweimal Deutscher Meister und war beteiligt an einigen unvergessenen Europapokal-Abenden des BVB – und bezeichnet dann ein C-Jugendspiel gegen den VfL Schwerte als sein Karriere-Highlight. Verrückt!

Stellt sich die Frage: Was war das für ein ominöses Spiel, wie ist es ausgegangen, wann war das? Und gibt jemanden, der von VfL-Seite damals dabei war und der sich noch erinnern kann? Eine Spurensuche.

Der VfL Schwerte verhält in der Personalie Artur Helios alles andere als vorbildlich, findet Timo Janisch. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Kevin Großkreutz selbst kann auch keine allzu detaillierten Informationen liefern. „Ich glaube, 21:0 oder 22:0 ist das Spiel damals ausgegangen. Ich meine, es wäre in der C-Jugend gewesen, und wir haben damals im Hoeschpark auf Rasen gespielt“, so der Südtribünen-Liebling auf Nachfrage.

Zu Beginn der 2000er-Jahre

Großkreutz ist Jahrgang 1988. Wenn er damals in der C-Jugend gespielt hat, muss es zu Beginn der 2000er-Jahre gewesen sein. Beim Durchwühlen des Schwerter Ruhr-Nachrichten-Archivs haben wir nichts gefunden – wahrscheinlich war man von VfL-Seite nicht allzu „heiß“ darauf, über diese deftige Packung etwas in der Zeitung zu lesen.

Bei der Suche nach Spielern des Jahrgangs 1988, die damals für den VfL Schwerte am Ball waren, stößt man auf Daniel Benda. Der Stürmer, auch nach seiner Jugendzeit noch lange Jahre auf dem Schützenhof und später für den Geisecker SV auf Torejagd, sagt: „Ich kann mich an ein Spiel gegen den BVB im Hoeschpark erinnern, hätte jetzt beim ersten Gedanken aber eher gesagt, es war Asche. Da kann ich mich aber auch vertun.“

VfL-Freundschaftsspiele gegen jüngere BVB-Teams

Christoph Kleine, ein anderer VfLer, der später zum ETuS/DJK Schwerte wechselte und mittlerweile im Spätherbst seiner Karriere für Holzpfosten Schwerte kickt, war einer von Bendas Mitspielern in der C-Jugend der Blau-Weißen. Konkrete Erinnerungen an ein solches Pokalspiel habe er nicht, so Kleine.

Er hat die Vermutung, dass es sich gar nicht um ein Pokal-, sondern um ein Freundschaftsspiel gehandelt habe. „Wir hatten beim VfL damals häufig Freundschaftsspiele gegen jüngere BVB-Teams. Vielleicht hat Kevin als C-Jugendlicher mal 14 Tore in einem Freundschaftsspiel gegen die VfL-B-Jugend erzielt.“

Als Trainer der C-Junioren des VfL in dieser Zeit kommen Christoph Kleines Vater Detlev sowie Björn Rosigkeit und Michael Braun in Frage. Konkret erinnern an das ominöse Spiel kann sich aber keiner von ihnen.

Häufig 20 Tore oder mehr geschossen

Nächster Ansprechpartner unserer Spurensuche ist Pascal Harder, heute Trainer des Lüner A-Ligisten GS Cappenberg. Harder spielte bis zur C-Jugend für den BVB – an der Seite von Kevin Großkreutz. „Zu hundert Prozent erinnern kann ich mich nicht an ein Spiel mit 14 Toren von Kevin – aber es kann schon gut sein, dass es das gegeben hat. Jedenfalls gab es damals viele Spiele, die wir mit dem BVB gegen kleinere Vereine hatten, in denen wir 20 Tore oder mehr geschossen haben“, sagt Harder.

So richtig Licht ins Dunkel bringt diese Aussage also auch nicht – bleibt vielleicht noch die Hoffnung, dass es beim Fußballkreis Dortmund einen Statistik-Freak gibt, der weiterhelfen könnte. Doch ein Anruf bei Andreas Edelstein, Stellvertretender Kreisvorsitzender und Vorsitzender des Kreisjugendausschusses, macht diese Hoffnung schnell zunichte. Elektronische Spielberichte gab es damals noch nicht und Exemplare auf Papier aus jener Zeit existieren auch nicht mehr.

Bis ins letzte Detail lässt sich also offenbar nicht klären, was da damals mit Kevin Großkreutz und dem VfL Schwerte gewesen ist. Einen gewissen Unterhaltungswert hat die Geschichte trotzdem.

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Michael Doetsch
Sportredaktion Dortmund
Ist bereits seit Kindesbeinen an von Ballsportarten – insbesondere Fußball – fasziniert. Stets neugierig auf der Suche nach Geschichten, auch abseits des Ballsports. Die Liebe zum Journalismus entdeckte er über sein großes Hobby: Fotografie. Gebürtig aus Selm, mittlerweile in Lünen wohnhaft.
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