Die Sportplätze in der Stadt Schwerte sind wegen Corona gesperrt - auch der der SG Eintracht Ergste © Bernd Paulitschke
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Platz 10: Hoher Identifikationsfaktor bei SG Eintracht Ergste – trotzdem Abmeldungen

Ein außergewöhnliches Jahr geht zu Ende. Wir blicken zurück und präsentieren nochmal die zehn am besten geklickten Geschichten des Schwerter Sportjahrs 2020 - täglich bis zum 31. Dezember.

Platz zehn im Ranking der am meisten gelesenen Geschichten liegt noch nicht allzu lange zurück. Mitte Dezember hatte sich unser Autor mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den mitgliederstärksten Sportverein der Stadt, die SG Eintracht Ergste, beschäftigt.

Die Frage nach dem größten und Mitglieder stärksten Verein in Schwerte ist eigentlich rhetorischer Natur. „Natürlich“, so Dirk Kienitz, „ist das die SG Eintracht Ergste. Wir haben rund 2200 Mitglieder und bieten in unseren Abteilungen Sportarten wie Fußball, Handball, Leichtathletik, Schwimmen, Tischtennis oder Rollkunstlauf an.“

Über 2000 Mitglieder, das ist schon eine Hausnummer, kann aber Fluch und Segen zugleich sein. Denn wo viele Mitglieder vorhanden sind, ist auch die Fluktuationsrate sehr hoch. Normalerweise, aber nicht bei der SG Eintracht Ergste.

„Wir haben das Glück, dass wir einen hohen Identifikationsfaktor mit unserem Verein haben. Unsere Mitglieder begreifen sich als Ergster und halten zu uns. Dafür sind wir als Vorstand unglaublich dankbar“, so Kienitz: „Wir haben Mitglieder, die in der dritten Generation bei der SG Eintracht Ergste Sport machen.“

Vereinschef spricht von fünf Prozent Abmeldungen

Ist also alles gut in Ergste? So könne man das natürlich nicht sagen, erläutert Kienitz, der von geschätzt fünf Prozent Abmeldungen in diesem Jahr spricht. Das bewege sich aber nicht im nennenswerten Raum.

Doch dieser für den Verein befriedigende Zustand muss nicht so bleiben. In den letzten Wochen beobachtet Kienitz, dass der Unmut in den Abteilungen über den zweiten Lockdown wachse. Er sehe die Entwicklung mit Sorge, der Unmut werden von Tag zu Tag größer. „Sicherlich geht das gar nicht gegen den Verein, denn die Mitglieder wissen ja, dass wir nichts dazu können. Eher wächst der Unmut auf die Politik“, so Kienitz.

Der zugesteht, dass die Situation unbefriedigend sei: „Wir haben unser komplettes Angebot runterfahren müssen, im Indoor- wie im Outdoorbereich.“ Unterm Strich heißt das, die Mitglieder zahlen auf der einen Seite fleißig ihren monatlichen Beitrag, bekommen auf der anderen Seite dafür aber keine Gegenleistung.

SG Eintracht Ergste ist nicht existenzgefährdet

Zwar sei man noch ein gutes Stück von einer Existenzgefährdung entfernt, aber auch nur, „weil wir ein reiner Amateur- und Freizeitsport-Verein sind“, gibt Dirk Kienitz zu bedenken: „ Wir können froh sein, dass wir keinen Profisport mit den dazugehörigen Verpflichtungen und auch keine semiprofessionelle Strukturen haben. Auch Vereine, die nur eine Sportart anbieten, haben es in Zeiten von Corona sicherlich schwerer als wir.“

Natürlich gibt es Überlegungen, den wachsenden Unmut zu stoppen. Wie immer geht es da auch ums Geld. Der Grundbeitrag in Ergste kostet um die 80 Euro pro Jahr. Dazu kommt ein Zusatzbeitrag, der je nach Abteilung unterschiedlich hoch ist. Zusammen macht das im Schnitt 120 Euro pro Jahr, also zehn Euro pro Monat.

So zahlen die Fußballer für einen neuen Kunstrasen, die Leichtathleten für eine neue Laufbahn, die Mitglieder der Rollkunstabteilung für ein neues Equipment. „Wir befinden uns in einem Prozess und überdenken, ob die Zusatzbeiträge gestrichen oder reduziert werden können“, erläutert der Vorsitzende der Ergster.

Manche Maßnahmen der Politik seien Aktionismus

Die Einschränkungen des Trainingsbetriebs sind nicht neu, bereits im ersten Lockdown im Frühjahr wurde ja alles geschlossen. Doch der seit November geltende zweite Lockdown treffe den Verein viel härter.

„Im Sommer lief der Spiel- und Trainingsbetrieb ja wieder. Und dann mussten wir aus vollem Galopp in den Stillstand. Das größte Problem dabei war die Kurzfristigkeit, mit der der Verein den Lockdown umsetzen musste. Manche Maßnahme der Politik empfinden wir komplett als Aktionismus“, kann sich der frühere Bürgermeisterkandidat einen Seitenhieb auf die Politik nicht verkneifen.

Die Strukturen der SG Eintracht bleiben indes glücklicherweise intakt. Die Übungsleiter bleiben uns erhalten, so Kienitz: „Und jedes Mitglied hat einen Ansprechpartner auf unserer Geschäftsstelle. Da ist es positiv, dass wir uns als Großverein eine hauptamtliche Geschäftsführung aufgebaut haben.“

SG Eintracht Ergste hofft auf mehr Verlässlichkeit

Noch ist die Lage bei der SG Eintracht Ergste nicht existenzbedrohend, doch unendlich lang dürfe die Situation in dieser Form nicht mehr weitergehen, erklärte Kienitz. Er hofft, im März des kommenden Jahres wieder in den geregelten Betrieb übergehen zu können. „Wenn es noch länger dauert, dann wird es ernst. Noch schlimmer wäre es, wenn nach einer zwischenzeitlichen Lockerung ein dritter Lockdown eintreten würde. Alles andere ist besonders für unsere vielen Kinder in den Abteilungen schädlich“, appelliert Kienitz an die Politik: „Wir brauchen Verlässlichkeit.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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