Im Trikot des HTV Hemer hat sich eine Schwerterin bis in die A-Jugend-Bundesliga geschafft. © Heinz-Werner Schroth
Handball

Plötzlich Bundesliga: Schwerterin ist mit 17 ganz oben – und will dort bleiben

Vor neun Jahren sah sie ihrem Bruder beim Handball-Training zu. Jetzt ist sie Bundesligaspielerin in der A-Jugend. Aber bald möchte sich schon ihren nächsten Traum erfüllen.

Schwerte hat schon etliche bekannte Sportlerin hervorgebracht. Jetzt schließt sich ein junges Schwerter Handball-Talent an, der Stadt ein neues, frisches Sportgesicht zu geben. Das passende Rüstzeug hat sie dafür.

Eigener Reisebus

Der 26. September 2020 begann für die Schwerterin Nele Brieden besonders. In Hemer fuhren sie und ihre Teamkolleginnen mit einem eigenen Reisebus zu ihrem ersten Bundesligaspiel. Auf dem Heck des Busses klebte extra ein großer Aufkleber mit dem Logo des HTV Hemer und dem Slogan „A-Jugend Handball-Bundesliga“. Ein paar Stunden und ein 32:27-Auswärtssieg im rheinland-pfälzischen Kirn später saß Brieden auf dem Nachhauseweg wieder im Bus.

Ein Traum ging in Erfüllung

Vor Erschöpfung fielen ihr zunächst die Augen zu. Dann wurde es aber noch doch laut im Bus. Brieden und ihr Team feierten. Zum einen ihren ersten Bundesligasieg. Für Nele Brieden persönlich war es aber noch mehr als das: Sie war nun Bundesligaspielerin. Ihr riesiger Traum, der neun Jahre zuvor begann.

Ihr älterer Bruder spielte damals Handball bei der HSG Schwerte/Westhofen. „Der war schon immer mein großes Idol“, erzählt Nele Brieden. „Und als ich ihm damals einmal beim Training zugeschaut habe, wollte ich eben auch unbedingt das machen, was er macht.“

Also fing sie bei der HSG an. Fünf Jahre lang spielte sie dort. Mal in einer reinen Mädchenmannschaft, mal gemischt mit den Jungs. Vor allem aber war sie häufig die Jüngste im Team. „Das kam mir aber sehr zu gute. Dadurch habe ich gelernt, mich durchzukämpfen und richtig anzupacken“, sagt sie.

Freundin sprach sie an

Vor drei Jahren wechselte sie zum Königsborner SV nach Unna. Als ihr Verein bei einem Handball-Turnier für die gastronomische Versorgung zuständig war, meldete sich Nele Brieden freiwillig für den Verkauf. Als sie hinter der Verkaufstheke stand, kam plötzlich eine alte Freundin auf sie zu. Diese spielte bereits für den HTV Hemer und versuchte, die Schwerterin dorthin zu lotsen. Es klappte.

„Wie eine kleine Familie“

Nele Brieden wechselte nach Hemer. Eine richtige wie wichtige Entscheidung. „Wir haben dort eine bunt gemischte Mannschaft voller Talente und sind wie eine kleine Familie“, erzählt die 17-Jährige. In ihrer ersten Saison glänzten die Hemeraner Handballerin in der Oberliga. Nur in der Westfalenmeisterschaft scheiterten sie knapp vor dem Endspiel – im Semifinale ausgerechnet gegen die HSG Schwerte/Westhofen.

Die zweite Saison verlief sogar noch erfolgreicher. In der Oberliga gewann Hemer alles, in der Westfalenmeisterschaft schafften es die A-Jugendlichen im jetzt sogar ins Finale. Dort wartete der BVB. Doch dann bremste Corona das Endspiel im März aus.

Der Verband entschied, dass der Titel an beide Mannschaften gehen sollte. Und damit war Hemer direkt für die Bundesliga-Saison 2020/21 qualifiziert. „Natürlich habe ich mich darüber riesig gefreut. Aber ich hätte trotzdem lieber das Finale gespielt“, sagt Brieden.

Ende September war es so weit. Brieden und der HTV Hemer waren im Bundesliga-Geschäft angekommen. Nach dem Auftaktsieg in Kirn folgten zwei weitere Siege und eine Niederlage. Der HTV hat sich damit für die Zwischenrunde, die nun bundesweit läuft, qualifiziert. Nele Brieden spielt jetzt in einem der 16 besten Handball-A-Jugend-Teams Deutschlands. „Ich hätte nie gedacht, dass wir das schaffen können“, sagt sie überglücklich.

Online-Training für die Handballerinnen

Doch bis zum 31. Januar ist die Saison erstmal ausgesetzt. Zwar dürften die A-Jugend-Spielerinnen des HTV derzeit sogar trainieren, weil sie vom DHB einen Profistatus verliehen bekommen haben. Aber zur Sicherheit hat der Verein einstweilen auf Online-Training umgestellt: Kraft- und Fitnesstraining sowie Spielanalysen laufen aktuell über den Computer-Bildschirm.

Für Nele Brieden hat sich in den vergangenen zwei Jahren einiges verändert. Die Kreisläuferin, die 2022 ihr Abitur am FBG macht, erinnert sich noch genau an das erste Training ihres Bruders vor neun Jahren, das sie besuchte.

„Da war ich noch ein ganz kleines Mädchen mit sehr großen Kinderaugen“, sagt sie und lacht. Jetzt hat sie sich zur Bundesliga-Spielerin hochgekämpft. Und will dies auch bleiben. Die Bundesliga bei den Frauen – das ist jetzt ihr nächstes großes Ziel.

Brieden will es nochmal schaffen

„Ich habe mir schon einmal bewiesen, dass ich es bis in die Bundesliga schaffen kann“, sagt sie. „Und das will ich auch ein zweites Mal schaffen.“ Bis dahin ist allerdings noch etwas Zeit. Als Jungjahrgang spielt Nele Brieden auch nächstes Jahr noch in der A-Jugend. Dann allerdings schon mit der Expertise einer talentierten Bundesligaspielerin.

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