2017 wurde der Video-Assistent in der 1. Bundesliga eingeführt. Für einen Schwerter Schiedsrichter ist es zu seinem Beruf geworden, diesen stetig zu optimieren. © dpa
Video-Beweis

Schwerter Schiedsrichter (28) coacht die Kölner Video-Assistenten

Ein Schwerter (28) arbeitet beim DFB als Projektmanager daran, den Video-Assistenten zu optimieren. Er hat sein Hobby damit zum Beruf gemacht – und coacht auch vor Ort in Köln.

Am vergangenen Samstag machte er wieder das, was er seit Jahren macht, mittlerweile aber trotzdem eher die Ausnahme ist. Der Schwerter leitete die Regionalliga-Partie zwischen dem BVB 2 und SV Straelen. Dortmund gewann deutlich mit 5:1, für den 28-Jährigen kein allzu schwieriges Spiel.

Beruflich beim DFB

Die größeren Herausforderungen bekommt Alexander Ernst (SC Hennen) mittlerweile ohnehin eher in seinem Hauptberuf – auch den übt er für den Deutschen Fußball-Bund aus. Seine Aufgabe ist es, den Video-Assistenten sukzessive zu optimieren.

Weil er für seinen Job nach Frankfurt gezogen ist, pfeift Ernst durchschnittlich nur noch ein bis zwei Spiele pro Monat in der Regionalliga West. Sein Hobby als ambitionierter Schiedsrichter kann er dabei bestens mit Heimatbesuchen in Schwerte verbinden.

Doch Spiele an der frischen Luft sind nunmehr die Seltenheit. Denn sein Beruf ist seit 2017 ein anderer. Damals bewarb sich Ernst, der gerade seinen Master im Sport- und Eventmanagement machte, bei der DFL. Hier arbeitete er als Projektmanager für den Video-Assistenten, der 2017 in der 1. Bundesliga eingeführt wurde.

Unterschiede zwischen DFB und DFL

Nach eineinhalb Jahren bei der Deutschen Fußball-Liga wechselte er rüber zum DFB – hier nimmt er seither die Pendant-Stelle ein. Und trotzdem unterscheiden sich DFL und DFB in ihren Aufgaben im Video-Assist-Projekt ganz eindeutig. Während Ernst bei der DFL vor allem für technologische Fragen und die Infrastruktur des neuen Projekts zuständig war, bezieht sich sein Job beim DFB auf die Aus- und Fortbildung des Video-Assistenten-Personals.

Ein- bis zweimal pro Monat ist Alexander Ernst auch noch selbst auf dem Platz als Schiedsrichter aktiv. Am vergangenen Samstag leitete er die Regionalliga-Partie des BVB 2 gegen Straelen. © imago images/Thomas Bielefeld © imago images/Thomas Bielefeld

Alexander Ernst arbeitet hier in der Abteilung „Technologie und Innovation“ unter seinem Chef und dem ehemaligen Schiedsrichter Dr. Jochen Drees. Ernst, der 2007 mit dem Hobby Schiedsrichter anfing, sagt heute ohne zu zögern: „Das ist mein Traumjob. Ich konnte mein Hobby gewissermaßen zum Beruf machen.“

In Frankfurt ist er besonders mit der Spieltags-Nachbereitung beschäftigt. Dabei analysiert er die Arbeit der Video-Assistenten und leitet etwaige strategische Verbesserungen für die Zukunft ab. Diese finden sich dann auch in Weiterbildungen wieder, die Ernst konzipiert.

Und oft ist Ernst auch selbst im Kölner Video-Assist-Center, von wo aus die VA-Gespanne arbeiten. Hier fungiert er als Coach der Video-Assistenten – nur analysiert er dabei eben nicht klassischerweise die Arbeit der Referees auf dem Platz. Sondern vor dem Bildschirm.

Projekt für Ernst ein Erfolg

Das Projekt des Video-Assistenten beurteilt er als großen Erfolg. Zwar registriert auch eher die fortwährenden kritischen Stimmen zum Video-Assistenten, doch insgesamt sagt Ernst: „Die ganz großen Fehlentscheidungen nehmen ab. Über einen gewissen Graubereich wird man weiter diskutieren. Aber wir sind schon lange nicht mehr der Phase der Projekteinführung, sondern schon ein fester Bestandteil des Fußballs.“

Etwas anstrengend seien für ihn nur die bisweilen genervten VAR-Kritiken, die Fußballer oder Funktionäre oft genau dann heraustönen, wenn es ihre Verein in negativer Hinsicht und aus emotionaler Betroffenheit berührt.

Ernst und seine Kollegen möchten das Tool durchgehend verbessern. Und stehen dabei auch im Austausch mit Fangruppierungen und Vereinen. „Es ist wichtig, dass wir auch andere Perspektiven in unsere Arbeit einfließen lassen. Denn natürlich wollen wir auch weiterhin die Akzeptanz des Video-Assistenten vergrößern“, betont der Schwerter.

Dass der Video-Assistent in naher Zukunft auch im Amateurbereich fester Bestandteil werden könnte, wie es jüngst diskutiert wurde, glaubt Alexander Ernst aber nicht. „Im Amateurbereich fehlen dazu aktuell ganz klar die notwendigen Strukturen. Schon in der Regionalliga würde es Stand jetzt sehr schwierig sein, das umzusetzen.“

In Frankfurt eingelebt

Mittlerweile hat sich Ernst in Frankfurt vollends eingelebt. Seine Verlobte ist ihm kürzlich nachgezogen. Und trotzdem: Auf ihre Heimatbesuche in Schwerte freuen sich beide immer noch sehr. Und bisweilen pfeift Ernst dann ja auch noch selbst in Nordrhein-Westfalen.

„Ich mag es weiterhin, auf dem Platz zu stehen und zu pfeifen. So wie ich es schon seit Jahren mache“, sagt Ernst, fügt aber nach kurzem Überlegen hinzu: „Ich bin dann aber auch immer froh, wenn ich zurück in Frankfurt bin und mich mit dem Video-Assistenten beschäftigen darf.“

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