Ein Schwerter Tennislehrer arbeitet seit sechs Jahren als selbstständiger Tennislehrer. Aktuell darf er keinen Unterricht geben. © picture alliance / dpa
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Schwerter Tennislehrer darf Tennis spielen, aber nicht unterrichten: „Macht keinen Sinn“

Ein Schwerter Tennislehrer steht über 40 Stunden in der Woche als Trainer auf dem Tennisplatz. Normalerweise. Wegen des Lockdowns darf er derzeit nicht - obwohl das Tennisspielen zu zweit erlaubt ist.

Ein Schwerter Tennislehrer hat viel Zeit. Wieder mal. Er ist deshalb viel mit seinem Hund Homie unterwegs. Außerdem hat er sich selbst zum Hausmann umfunktioniert. Nebenbei spielt er auch noch Tennis. Das darf er. Solange er es als Hobby betreibt. Tennisunterricht darf er keinen geben. Das Problem: Es ist sein Beruf.

Harter Lockdown, harte Einbußen

Der 34-jährige Schwerter Oliver Manz kennt das bereits. Im ersten „harten“ Lockdown im Frühjahr waren alle Tennisplätze rigoros geschlossen worden. Manz konnte sechseinhalb Wochen keinen Unterricht geben. Sechseinhalb Wochen hatte er keine Einnahmen.

Und weil sich die Soforthilfe für Solo-Selbstständige wie ihn besonders auf laufende Kosten beschränkte, konnte Manz nicht mal davon richtig profitieren. Als selbstständiger Tennistrainer ist seine größte Ausgabe die Anschaffung von Tennisbällen. Und die brauchte er seinerzeit nicht.

Seit November darf Manz seinen Beruf wegen des Lockdowns light wieder nicht ausüben. Das Land gestattet lediglich Tennisspielen zu zweit und unter freiem Himmel. Tennisunterricht, der hier unter außerschulisches Bildungsangebot fällt, ist aktuell nicht erlaubt. Laut Manz gilt dies nur in NRW. In Niedersachsen und Hessen dürfte er aktuell zum Beispiel problemlos Einzelstunden geben.

„Es macht keinen Sinn“

„Es fühlt sich nicht gut an“, gesteht Manz. „Es macht keinen Sinn, dass man nicht Einzeltraining geben, aber zu zweit spielen darf.“ Er fühlt sich ungerecht behandelt. Manz habe zwar gewisses Verständnis für die Einschränkungen, würde sich aber eine bundeseinheitliche Regelung wünschen. „Das Risiko ist in NRW ja nicht größer oder kleiner als in einem anderen Bundesland.“

Immerhin: In diesem Monat bekommt er wohl 75 Prozent des Vorjahres-Umsatzes – eine faire Lösung, findet Manz, der aber auch sagt: „Wenn man seinen Job nicht ausüben darf und kein Einkommen hat, hast du natürlich auch schon mal Ängste.“

„Da hast du natürlich auch schon mal Ängste“: Oliver Manz darf schon zum zweiten Mal in diesem Jahr über Wochen seinen Beruf nicht ausüben. © Weitzel © Weitzel

Bitter: Manz‘ Trainerkalender wäre derzeit vollkommen ausgelastet. Normalerweise steht er über 40 Stunden in der Woche als Coach auf dem Platz. Wie sehr sich seine Schüler nach Unterricht sehen, hat er im Frühsommer nach Ende des ersten Lockdowns gemerkt, als sich über mehrere Wochen bis zu 70 Stunden wöchentlich summierten. Das Tenniscamp, das er sonst jeden Sommer anbietet, hat Manz aber abgesagt. Ein Trainingslager mit bis zu 40 Personen fand er unangemessen.

Seit sechs Jahren arbeitet Oliver Manz als selbstständiger Tennistrainer. Etwas Vergleichbares hat er noch nicht erlebt. Dass sich bei den nun bis zum 20. Dezember verlängerten Maßnahmen beim Tennis was lockern wird, glaubt er indes nicht. Es bleibt die Hoffnung. Und viel Zeit mit seinem Hund und für Hausarbeit.

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