Die Partie zwischen dem Geisecker SV und dem VfL Schwerte (2:1) im Oktober 2020 war das bis dato letzte Schwerter Bezirksliga-Derby. © Stephan Schuetze
Fußball-Bezirksliga

Stellenwert der Derbys könnte steigen, aber: „Frühere Zeiten werden nicht wiederkommen“

Die Bezirksliga-Derbys sind das Salz in der Schwerter Fußball-Suppe - ist das wirklich so? Fakt ist, dass sich im Vergleich zu früheren Jahren die Derby-Realität verändert hat.

Die Amateurfußballer stecken mitten in ihrer Vorbereitung auf die Ende August beginnende Saison. Trainingseinheiten und Testspiele sind wieder erlaubt – es ist so etwas wie sportliche Normalität zurückgekehrt.

Nicht zur Normalität des Liga-Alltags gehören im Schwerter Fußball die Bezirksliga-Derbys – oder sind diese Duelle mit den Ortsrivalen gar nichts Besonderes mehr? Häufig war der Tenor in Gesprächen mit Spielern und anderen Beteiligten: Früher waren die Derbys besonders, weil viele Zuschauer auf den Tribünen waren und meistens auch eine aufgeheizte Atmosphäre herrschte.

Ein Thema mit unterschiedlichen Facetten

Und heute? Die Bezirksliga-Staffel 8 ist die Liga, in der der Geisecker SV, der VfL Schwerte und der ETuS/DJK Schwerte um Punkte spielen. Wir haben mit den Verantwortlichen der drei Vereine über unterschiedliche Facetten der Thematik gesprochen.

Thomas Redel ist seit zehn Jahren der Sportliche Leiter des Fußball-Bezirksligisten Geisecker SV. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Zum Beispiel die Anzahl der Zuschauer. „Die Zuschaueranzahl ist immer noch gut, auch wenn VfL zum Derby nicht mehr so viele Fans mitbringt wie früher“, sagt Thomas Redel, Sportlicher Leiter des Geisecker SV. Sein Pendant am Schützenhof, Kamal Hafhaf, blickt optimistisch in die Zukunft: „Wir haben in den Testspielen schon gemerkt, dass mehr Zuschauer kommen und erwarten nach Corona eine Zuschauersteigerung. Das hängt aber auch damit zusammen, dass in unserer Gruppe 8 mit Sölde und Aplerbeck weitere lokal attraktive Teams spielen.“

André Haberschuss, Trainer des ETuS/DJK Schwerte, meint: „Ich kann mir gut vorstellen, dass ein paar Leute mehr kommen als in den vergangenen Jahren, wenn wir am zweiten Spieltag gegen Geisecke spielen. Sonst waren eine Woche vor der Saison noch Stadtmeisterschaften, auf denen man möglicherweise auch schon zweimal gegeneinander gespielt hatte. Insofern ist der Stellenwert diesmal vielleicht schon ein bisschen höher.“

Kamal Hafhaf (VfL Schwerte). © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Einig ist man sich aber, dass sich die Zeiten geändert haben: „Die Qualität war in den 1980er- und 90er-Jahren höher und somit auch die Spiele attraktiver. Da war auch mehr Zunder drin. Jetzt haben die Derbys manchmal eher den Charakter eines Freundschaftsspiels“, meint Thomas Redel. Kamal Hafhaf spricht noch einen weiteren Punkt an: „Viele Spieler haben keine Berührungspunkte mehr mit den Derbys, weil sie aus anderen Städten kommen.“

André Haberschuss sieht es ähnlich: „Die früheren Zeiten werden nicht wiederkommen. Die Prioritäten haben sich einfach verlagert – auch durch die Bundesliga am Sonntag. Auch viele Ältere, die früher regelmäßig zum Sportplatz gerannt sind, tun dies heute nicht mehr“, meint der ETuS/DJK-Coach. Zudem sei die Identifikation mit dem Verein andere – das gelte auch für die Aktiven. „Heute stehen viel mehr auswärtige Spieler in den Mannschaften als zu meiner aktiven Zeit. Damals hat man sich vereinsübergreifend donnerstags in irgendwelchen Schwerter Kneipen getroffen und sonntags ging es dann zur Sache. In diesem Maße ist das heute sicherlich nicht mehr so“, sagt Haberschuss.

André Haberschuss (ETuS/DJK Schwerte). © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Aber welche Maßnahmen können die Vereine ergreifen, um die Attraktivität der Derbys wieder zu erhöhen? „Wenn wir eine Tombola veranstalten, werden nicht mehr Leute zum Sportplatz kommen. Das Freizeitangebot ist zu groß geworden und es läuft allgemein vielleicht zu viel Fußball. Es wird nur über die Qualität der Spiele gehen“, führt Thomas Redel aus. Kamal Hafhaf schlägt vor: „Wenn wir einige Spiele auf Freitagsabend legen, dann kommen sicherlich mehr Zuschauer als an einem Sonntagnachmittag.“

Aber auch wenn sich die Zeiten geändert haben – besondere Spiele sind die Derbys dann schon noch. Erst recht, weil ja in der neuen Saison nur die drei „echten“ Schwerter Bezirksligisten in einer gemeinsamen Liga aufeinandertreffen. „Die Spiele gegen Hennen und Berchum/Garenfeld bedeuteten zwar kurze Wege, aber es waren keine richtigen Derbys“, meint Geiseckes Thomas Redel.

Da ist es offenbar etwas Anderes, wenn zum Beispiel der VfL Schwerte auf die Geisecker trifft – zumindest für manch einen Spieler, wie Kamal Hafhaf verrät. „Im Oktober letzten Jahres ist unser Torwart David Graudejus extra aus seinem Urlaub für das Spiel gekommen – 600 Kilometer für eine Strecke“, erzählt Hafhaf.

Wenn die Spieler künftig mit solchem Einsatz und solcher Leidenschaft in die Derbys gehen, werden vielleicht auch wieder die Zuschauer vermehrt auf die Plätze kommen.

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Michael Doetsch

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