Die beiden Schwerterinnen Malin Schäfer (Mitte) und Anna Hoja (li.) stehen mit dem TSV Bayer Leverkusen vorzeitig als Meister der 2. Volleyball-Bundesliga Nord fest. © imago/Beautiful Sports
Volleyball

Von Tränen zum Lächeln – wie Malin Schäfer ihren Sport wieder lieben lernte

In der Jugend spielte sie einst in der Nationalmannschaft. Doch der Druck und Umgang im Leistungssport waren ihr zuwider. Heute hat Malin Schäfer wieder Spaß an ihrem Sport.

Es gab diese Abende, da konnte und wollte Malin Schäfer nicht mehr. Sie rief nahezu jeden Abend zu Hause in Schwerte an und es kullerten ihr die Tränen hinunter. 2016 war das. Die damals 17-Jährige war, so erinnert sie sich heute, todunglücklich mit ihrem Sport.

Am liebsten hätte sie aufgehört

Sie lebte in Münster, spielte dort leistungsbezogenen Volleyball. Doch in diesen Tagen hätte sie am liebsten gar nicht mehr weitergemacht. Heute spielt sie noch immer, beim Tabellenführer der 2. Bundesliga, Bayer Leverkusen. Doch es hat sich in vier Jahren einiges geändert. Zum Guten. Malin Schäfer ist heute glücklich.

Gerade hat sie viel Zeit und sitzt in ihrer Leverkusener Wohnung, die ihr der Verein stellt, fest. Weil eine Mitspielerin kürzlich positiv auf das Corona-Virus getestet wurde, müssen Schäfer und ihre Mitspielerinnen sich einstweilen in Isolation begeben. Das ist auf der einen Seite schade.

Denn die Lehramtsstudentin kann ihren Job so aktuell nicht ausführen. Sie arbeitet neben der Uni als Übermittagsbetreuung. „Das ist voll mein Ding“, sagt die 21-Jährige. Andererseits hat sie durch die Quarantäne Zeit, sich ihren Hobbys zuzuwenden. Malin Schäfer malt leidenschaftlich. Und sie singt.

Aus einer Volleyballfamilie

Kein Druck. Spaß an alltäglichen Dingen. Das war nicht immer so in ihrem Leben. Als Sechsjährige fing sie beim VC Schwerte an. Volleyball ist bei den Schäfers gewissermaßen Familiensport. Vater Gunnar war selbst lange als Trainer in Schwerte aktiv, ihre Mutter Kerstin hat jahrelang für Schwerte in der 2. Liga gespielt und Schwester Kira war ebenfalls lange für den VV Schwerte am Ball.

Malin Schäfer spielt für Zweitliga-Tabellenführer Bayer Leverkusen: „Hier bekomme ich ambitionierten Volleyball mit anderen Dingen, die mich erfüllen, unter einen Hut.“ © Mowy © Mowy

Dass Malin Schäfer überdurchschnittlich talentiert ist, zeigte sich sehr früh. Schon mit 14 wechselte sie aufs Leistungsinternat nach Münster. Damit einher ging auch der frühe Umzug und das Verlassen ihrer Familie.

Großer Druck, schlechter Umgang

Mit 14 war Malin Schäfer schon auf sich gestellt. Geplant waren vier Jahre auf dem Volleyballinternat. Doch nach drei Jahren brach die Nachwuchsvolleyballerin ab. „Das hat damals einfach nicht gepasst. Ich habe mich mit dem Trainer absolut gar nicht verstanden und allmählich den Spaß am Volleyball verloren.“

Schäfer, die bereits Jugend-Länderspiele absolviert hatte, spürte den Leistungsdruck. Und sie spürte, dass ihr dieser zu groß wurde. „Wie wir menschlich in so einem jungen Alter behandelt wurden, war meiner Meinung nach einfach nicht okay.“

Damit sie ihr Abitur in Münster noch durchziehen konnte, blieb sie für ein weiteres Jahr bei einer Gastfamilie in Münster, spielte nun für BW Aasee in der 3. Liga. Doch 2017 endete mit dem Abitur ein alter und begann für sie ein neuer Lebensabschnitt. Schäfer sinnierte über ihre Volleyball-Zukunft. Eines war für sie klar: Einen übergroßen Leistungsdruck wollte sie nie wieder haben. Sie wollte nur noch Spaß an ihrem Sport.

„Auf einmal spielte ich wie befreit“

Und dann meldete sich plötzlich Zweitligist Leverkusen. Ohne jegliche Erwartung war sie zum Probetraining gegangen. Und sie fand alles, was sie zu diesem Zeitpunkt dringend brauchte: einen Trainer, der ihr voll vertraute; und eine Mannschaft, die als Einheit auftrat. „Das hat mich sofort komplett überzeugt. Auf einmal spielte ich wieder wie befreit und hatte einfach nur Bock.“

Das ist bis heute so. Schäfer ist in ihrem vierten Jahr bei Bayer Leverkusen. Sie ist dafür ins Rheinland gezogen, studiert an der Uni in Wuppertal. Zwar herrscht auch bei Leverkusen, das seit Jahren drauf und dran ist, in die 1. Liga aufzusteigen, Leistungssport. Doch für Schäfer fühlt es sich anders an, als sie es einst kennenlernte. „Hier bekomme ich ambitionierten Volleyball mit anderen Dingen, die mich erfüllen, unter einen Hut. Und das ist sehr viel wert“, beschreibt Schäfer.

Die Zuspielerin, die mit der Schwerterin Anna Hoja zusammen in Leverkusen spielt, hat es geschafft, ihren Sport wieder zu lieben. Ihn für sich zurückzuerobern. In den vergangenen vier Jahren hat sich einiges geändert. Glücklicherweise zum Guten.

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