Nouridine Bah ist 2002 aus Togo nach Deutschland gekommen. Der Großteil seiner Familie lebt noch in seiner Heimatstadt Sokodé – hat aber mit anderen Problemen als dem Virus zu kämpfen. © Bernd Paulitschke
Coronavirus

Wenn politische Konflikte die Corona-Pandemie noch überschatten

In Deutschland kommen Krankenhäuser an Kapazitätsgrenzen. In Nouridine Bahs Herkunftsland Togo herrschen dagegen politische Auseinandersetzungen. Corona? Ein untergeordnetes Problem.

Nouridine Bah, Offensivspieler des Fußball-Bezirksligisten ETuS/DJK Schwerte ist im westafrikanischen Togo geboren und mit 15 Jahren 2002 nach Deutschland gekommen. Ein Großteil seiner Familie lebt weiterhin in Togo. Doch in seiner Heimatstadt ist mitnichten Corona das größte Problem:

„Ich bin in Sokodé im Norden des Landes geboren und aufgewachsen. Der Großteil der Bewohner sind Kotokoli und Moslems. Der Stadt ist sehr benachteiligt aufgrund politischer Situationen, die seit über 30 Jahren dort herrschen. Seit der Unabhängigkeit Togos ist die gleiche Familie an der Macht. Es gab dort letztes Jahr viele Demos, da die Menschen diesen Umstand nicht mehr ertragen und die Wahlen manipuliert werden.

Deswegen ist Sokodé von allen anderen Städten isoliert – nichts kommt rein, nichts geht raus. Das betrifft leider auch die Lebensmittel und Produkte aus anderen Städten. Ab 18 Uhr darf sich niemand mehr auf die Straße begeben. Wer erwischt wird, wird regelrecht verprügelt, das ist reine Schikane.

So gesehen haben es meine Familie und die Menschen dort zurzeit schwer, obwohl Corona gar nicht wirklich verbreitet ist. Masken müssen aber überall getragen werden. Hilfe bekommst du im Zweifel jedoch sowieso nicht. Wenn du krank bist und niemanden hast, der dich finanziell unterstützen kann, wird es sehr eng für dich. Meine Familie kennt noch keine Person, die in Sokodé mit Corona infiziert war. Im Vergleich zur Situation dort leben wir hier wirklich im Luxus.“

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