Stammgast beim VfL Schwerte: Wolfgang Kleff leitete vor Corona zweimal wöchentlich das Torwarttraing und auch so manches Fußball-Camp. © Bernd Paulitschke
Fußball

Wolfgang Kleff stand beim höchsten Sieg der Bundesliga im Tor und litt heftig an Corona

Wolfgang Kleff erinnert sich so, als wäre das Spiel gestern gewesen. 43 Jahre nach dem 12:0 von Borussia Mönchengladbach gegen den BVB hat der Schwerter noch Mitleid mit einem Ex-BVB-Keeper.

Die Anzeigetafel im Düsseldorfer Rheinstadion geriet an ihre Grenzen, der Schiedsrichter musste die Bälle zum Anstoß bringen. Und während BVB-Torwart Peter Endrulat mit nur 23 Jahren sein letztes Erstliga-Spiel bestreiten sollte, hatte auf der anderen Seite Gladbach-Keeper Wolfgang Kleff einen ziemlich ruhigen Tag. Es geht um das 12:0 von Borussia Mönchengladbach gegen den BVB am 29. April 1978.

Der Bundesliga-Rekord für den höchsten Sieg steht immer noch

Auch 43 Jahre später steht der Rekord des höchsten Ligasieges immer noch. Die Schwerter Torwart-Legende Wolfgang Kleff erinnert sich an ein ebenso legendäres Spiel und beginnt das Gespräch gleich mit einem kleinen, für ihn typischen Scherz: „Woran soll ich mich erinnern? Ich habe ja gar nicht mitgespielt. Stattdessen hab’ ich beschäftigungslos im Tor gestanden und die Tore auf der anderen Seite gezählt.“ Seinen trockenen Humor hat der gebürtige Schwerter auch nicht ansatzweise verloren.

Normalerweise und ohne Corona hätte man Wolfgang Kleff persönlich getroffen, jetzt muss das Telefon reichen. Zweimal die Woche kam er vor der Pandemie nach Schwerte, zum Torwarttraining beim ETuS/DJK Schwerte. Zum Erzrivalen, denn Kleff ist beim VfL Schwerte groß geworden. Organisiert wird alles durch Hans Haberschuss, seit über 30 Jahren Vereinschef und seit nunmehr fast 13 Jahren mit Kleff befreundet.

Ob Kleff nach Ende der Pandemie seinen Job wieder aufnimmt, ist indes fraglich. Anfang April war der mittlerweile 74-Jährige an Corona erkrankt. Es gehe ihm wieder gut, sagt Kleff: „Andererseits kann ich nur jeden warnen, die Krankheit auf die leichte Schulter zu nehmen. Es war echt schlimm. Ich bin dankbar, dass ich es geschafft habe.“

Ein Foto aus den frühen 1970er-Jahren: Wolfgang Kleff, damals schon Profi bei Borussia Mönchengladbach, feiert einen Stadtmeistertitel mit seinen ehemaligen Teamkollegen vom VfL Schwerte (v.li.) Peter Habermann, Karl-Heinz Ebbinghaus, Reinhard Krieg (hinten), Rainer Isenberg, Jochen Seelbach und Ralf „Panther“ Schmidt. © Ruhr Nachrichten © Ruhr Nachrichten

Zurück zum 12:0. Eine Demütigung mit Folgen für den BVB. Für BVB-Keeper Peter Endrulat, der damals den verletzten Horst Bertram vertrat, war das Spiel der Anfang vom Ende. Einen Tag nach dem Debakel erfuhr er, dass sein Vertrag in Dortmund nicht verlängert würde. Tagsdrauf wurde auch BVB-Trainer Otto Rehhagel gefeuert, der Spitzname „Otto Torhagel“ war geboren.

Jeder Spieler musste 2000 D-Mark Strafe zahlen und wegen Manipulationsverdacht beim DFB antreten. Belege für eine Schiebung fanden sich jedoch keine. Wolfgang Kleff findet dennoch klar Worte: „Das war erschreckend vom BVB, das war nicht sportlich, so zu spielen. Ich bin froh, dass wir nicht Deutscher Meister geworden sind. Das hätte dann noch ein Geschmäckle gehabt.“

Für Gladbach reichte selbst das 12:0 nicht. Am Ende fehlten drei Tore zur Meisterschaft, die an den 1. FC Köln ging. Allein Jupp Heynckes traf fünfmal im letzten Spiel seiner Karriere. Die Torflut begann direkt nach dem Anpfiff. Borussen-Torwart Endrulat musste in der 1., 12., 13., 22., 32., 38., 59., 61., 66., 77., 87. und 90. Minute hinter sich greifen. Was er schließlich gar nicht mehr machte. Der Schiedsrichter holte die Bälle aus dem Tor.

Wolfgang Kleff kann heute noch mitfühlen, wie sich Peter Endrulat fühlen musste: „Das ist niemandem zu gönnen, wenn man so im Stich gelassen wird. Ich neige dazu, in solch einem Fall ziemlich wütend zu werden. Ich hätte das als persönliche Beleidigung aufgefasst und hatte schon damals ziemliches Mitleid mit Endrulat.“

Die Erinnerung an dieses Spiel wird immer bleiben, da ist sich Kleff sicher: „Dieses Spiel gehört zur DNA von Borussia Mönchengladbach. So wie das Europapokal-Hinspiel 1971 gegen Inter Mailand, das als Büchsenwurfspiel in die Fußballgeschichte eingegangen ist.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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