Markus Paszehrs erster Weg nach der Quarantäne führte zum Strand. © Markus Paszehr
Post aus Australien

XXL-Grinsen eines Schwerters nach 342 Stunden in seinem Hotelzimmer

Der Schwerter Markus Paszehr ist für Eurosport als Berichterstatter des Tennisturniers Australian Open im Einsatz. Hinter ihm liegt eine 14-tägige Zeit strenger Quarantäne in seinem Hotelzimmer.

Für die Ruhr Nachrichten schreibt der 27-Jährige Schwerter Journalist Markus Paszehr, wie es ihm in der Quarantäne in Australien ergangen ist:

„Es ist Samstag, 8:36 Uhr, in Melbourne und es klopft an meiner Tür. Schlagartig breitet sich ein XXL-Grinsen in meinem Gesicht aus. Es ist der Moment auf den ich die letzten 14 Tage gewartet habe: Ich werde aus der Quarantäne entlassen und darf mich frei in Australien bewegen.

Diese Zeilen tippe ich in einem Café am St. Kilda Beach ab. Der erste Ort nach geschlagenen 342 Stunden in einem Hotelzimmer musste einfach der Strand sein. Schon auf dem Weg hierher habe ich mich wie ein Kleinkind gefühlt, das die Dinge zum ersten Mal erlebt.

Schulter an Schulter durch die Gassen

Auf meinem Weg durch die Innenstadt von Melbourne begegnete ich Menschenmassen, die sich ganz ohne Masken Schulter an Schulter durch die Gassen schlängelten – Reizüberflutung pur nach unserem langen Lockdown! Die Maskenpflicht gilt hier lediglich im Supermarkt und im Taxi.

Für mich war es wirklich eine surreale Erfahrung. Vor nicht einmal 24 Stunden saß ich noch im Hotel und wurde von Leuten mit Ganzkörperschutz und Masken auf das Coronavirus getestet. Nach 13 negativen Tests durfte ich heute Morgen dann endlich raus.

Die Regeln der Quarantäne waren sehr strikt. In zwei der drei Hotels war es nicht einmal möglich das Fenster zu öffnen. In diesem Fall hatte ich Glück mit dem Hotel – wir konnten das Fenster einen kleinen Spalt öffnen. Dafür war es das Hotel mit dem schlimmsten Internet, das man sich vorstellen kann. Es war nicht einmal gut genug, um einen Film zu streamen. Ich brauche Euch nicht sagen, wie das bei den Spielern angekommen ist.

Spieler machten einen Supermarkt glücklich

Die machten kurzerhand einen Supermarkt via Uber Eats sehr glücklich. Denn ein kleiner Store bot dort australische Sim-Karten an und ließ sie über Uber Eats liefern. In der Quarantäne waren nur zwei Supermärkte und drei Lieferservices lizenziert, in die Bubble zu liefern. Als ich mir bei WhatsApp den Screenshot vom Supermarkt weiterleitete, stand dort schon „Häufig weitergeleitet.“ Das Wlan-Netz zählte gegen Abend dann bis zu 70 Hotspots auf.

Essen wurde jedoch nicht nur von Lieferservices gebracht. Der Veranstalter Tennis Australia bezahlte ausgewähltes Frühstück, Mittagessen und Abendessen für uns. Wer damit nicht zufrieden war, konnte auf eigene Kosten über die genannten Lieferservices bestellen.

Qualität des Essens war gut – aber es war kalt

Einige Spieler hatten sich in den sozialen Netzwerken über die Qualität des gestellten Essens beschwert. Dem kann ich nicht zustimmen, die Qualität war gut, nur leider war das Essen immer kalt. Etwa 1.000 Leute in drei verschiedenen Hotels dreimal am Tag zu beliefern, ist ein logistische Herausforderung.

Anstatt mich zu beschweren, habe ich versucht kreativ zu werden. Am Ende wurde das Essen durch ein kleines Wasserbad und mit dem Föhn aufgewärmt. Generell kommt man in 14 Tagen in einem Zimmer auf die eine oder andere bescheuerte Idee. Bei Volleys an die Wand unterzog ich manch einem Möbelstück einen ordentlichen Stresstest. Auf der circa 5 Meter langen Strecke von der Tür zum Fenster lief ich laut App 8 Kilometer.

Trotzdem bin wirklich sehr froh, dass ich ab sofort wieder im Freien laufen kann. Vor dem Start der Australian Open kann ich mich noch ein paar Tage an diese verrückte Situation gewöhnen.

Ansonsten: Bleibt gesund – und ich schicke Euch die Sonne!“

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Als Schwerter Sportredakteur seit 2000 auf den Sportplätzen und in den Hallen unterwegs – nach dem Motto: Immer sportlich bleiben!
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Michael Doetsch

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