200 Medikamente nicht sofort verfügbar: In Schwerter Apotheken werden Engpässe drastischer

mlzArzneimittelmangel

In den vergangenen Monaten wurde die Liste fehlender Medikamente länger - egal ob Schmerzmittel, Impfstoffe oder Präparate für Schwerkranke. Hier sind Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Schwerte

, 21.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

? Wie viele Medikamente fehlen momentan?

Der Lieferengpass bei Arzneimitteln spitzt sich auch in Schwerter Apotheken weiter zu. „Mittlerweile sind allein bei uns über 200 verschiedene Medikamente nicht sofort lieferbar“, sagt Sarah Doll, Sprecherin der Schwerter Apotheker. Einen Engpass habe es auch schon vor Monaten gegeben. Die Anzahl habe sich aber in der letzten Zeit nochmal verschlimmert. „Das Problem ist auch, dass einfach keine Besserung in Sicht ist“, so Doll. Die umliegenden Apotheken helfen sich zwar gegenseitig aus - im Zweifel müsse man aber die Ärzte um eine Umstellung des Medikaments bitten.

? Welche Medikamente fehlen?

„Es ist eine bunte Mischung von eigentlich allen möglichen Präparaten“, fasst Sarah Doll zusammen. Neben Impfstoffen, Krebs- und Blutdruckmedikamenten kommt es vor allem bei Schmerzmitteln zu drastischen Engpässen - speziell bei Ibuprofen. Der Pharmazeutische Index „Gelbe Liste“ informiert im Internet tagesaktuell über Lieferschwierigkeiten einzelner Präparate.

? Warum kommt es zu Lieferengpässen?

Die Gründe sind vielfältig - sie liegen sowohl im Gesundheitssystem, als auch in den Lieferwegen. Die billige Herstellung in asiatischen Ländern führt einerseits zu Lieferschwierigkeiten- andererseits zu Problemen wie Verunreinigungen von Präparaten. Diese müssen dann vom Markt genommen werden. Ein weiteres Problem ist die Konzentration der Herstellung auf wenige Konzerne. Im Fall Ibuprofen führte zum Beispiel der Großbrand in einer von fünf herstellenden Firmen im vergangenen Jahr zu einem drastischen Engpass. Zu weiteren Schwierigkeiten führt das Lagerungskonzept. „Medikamente werden nur noch auf dem Transportweg gelagert - Große Hallen dafür gibt es fast garnicht mehr“, erklärte Heike Nickoley, Inhaberin der St. Viktor-Apotheke schon im Juni.

? Was sagen die Schwerter Ärzte dazu?

Dr. Jörg Rimbach, Sprecher der Schwerter Ärzte sieht das Problem nicht ganz so drastisch. „Momentan sind die Lieferprobleme sicherlich noch zu händeln“. Einige Patienten wurden zwar auf Präparate von anderen Firmen umgestellt - dabei handelt es sich aber aussschließlich um Generika (wirkstoffgleiche Kopien). Ansonsten sei bisher noch alles zu bekommen. „Sollte sich die Lage in Zukunft zuspitzen, verfügen die Apotheken außerdem über Reservepräparate, die für solche Fälle gelagert werden“, so Rimbach.

? Ist eine Lösung in Sicht?Sarah Doll sieht momentan keine Hoffnung auf Besserung der Lage. Das liege mitunter auch an der fehlenden Transparenz der Hersteller. „Wir bekommen zu den Engpässen auch leider keine Informationen.“ Wie es weiter geht, scheint also niemand genau zu wissen.

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