Noch liegen die Bäume gestapelt am Straßenrand. Auf 300 Metern ließ der Landesbetrieb Straßen.NRW an der Hagener Straße Bäume fällen. © Heiko Mühlbauer
Umwelt

300 Meter lange Baumreihe gefällt – Stadt Schwerte ist „entsetzt und erschrocken“

Gehölzpflege hatte Straßen.NRW angekündigt. Am Donnerstag waren alle Bäume weg. Völlig unnötig, wie die Stadt Schwerte meint. Der Kahlschlag an der Hagener Straße hat Folgen.

Am Dienstag blickten die Kruses aus ihrem Schlafzimmerfenster im ersten Stock ihres Reihenhauses noch auf eine Baumreihe. Zwar nur noch spärlich belaubt, aber mit dichtem Geäst. Als sie am Donnerstagmorgen (26.11.) aufwachten, fiel ihr Blick auf die Hagener Straße und das Gelände des Autohauses Hengstenberg.

So wie Kruses ging es vermutlich einigen Anwohnern des so genannten Müsli-Viertels in Wandhofen. Der Landesbetrieb Straßen.NRW hatte eine über 200 Meter lange Baumreihe gefällt.

Thomas Kruse blickt nun aus seinem Fenster plötzlich auf die Hagener Straße statt auf Baumkronen.
Thomas Kruse blickt nun aus seinem Fenster plötzlich auf die Hagener Straße statt auf Baumkronen. © Heiko Mühlbauer © Heiko Mühlbauer

Und Leser Burkhard Ecklesbach schrieb an die Redaktion: „Früher wurden die Bäume noch in Form geschnitten. Heute werden die Bäume gefällt.“ Er räumt ein, dass der Grünstreifen sehr stark bewachsen war, aber Ausdünnen bedeute nicht Kahlschlag.

„Katastrophal und unnötig“

Auch auf Facebook schlug das Thema Wellen. Von „das sieht sehr traurig aus“ bis „katastrophal“ reichten die Kommentare. Vor allem: Der Grund für den radikalen Kahlschlag blieb im Dunkeln. Beim Landesbetrieb Straßen.NRW sprach man derweil von Gehölzpflege.

Die hatte man Mitte November auch angekündigt. Auf einer Länge von 300 Metern, so hieß es, würde man die Böschung freischneiden, weil der Baumbestand dort, der überwiegend aus Eschen bestünde, von einer Pilzkrankheit befallen sei. Von 25 Bäumen war bei der ersten Meldung die Rede.

Auch von der Hagener Straße aus ist der Anblick auf die Garagenrückwand nun eher traurig.
Auch von der Hagener Straße aus ist der Anblick auf die Garagenrückwand nun eher traurig. © Heiko Mühlbauer © Heiko Mühlbauer

Städtische Mitarbeiter vor Ort zählten die gefällten Bäume nach und kamen auf andere Zahlen. Außerdem handele es sich nicht nur um Eschen, so ein Fachmann vor Ort. Und ob die Bäume tatsächlich alle krank waren und zum Fällen anstanden, bezweifelt man auch. „Das ist überwiegend gutes Holz“, stellte einer der Mitarbeiter fest. Und es handele sich auch nicht um Bäume, die aus ihren Stümpfen wieder ausschlagen könnten.

Stadt Schwerte ist „entsetzt und erschrocken“

„Die Stadt Schwerte ist entsetzt und erschrocken über das Vorgehen des Landesbetriebs auf städtischem Grund und Boden. Die angebliche Gehölzpflege war nicht mit den zuständigen Stellen der Stadt abgesprochen. Eine erste Bestandsaufnahme hat ergeben, dass die abgeholzten Bäume und Sträucher nahezu zu 100 Prozent gesund waren. Der angerichtete Schaden ist aus ökologischer Sicht immens. Die Stadt Schwerte wird schon am Freitag mit dem Landesbetrieb die Lage vor Ort erörtern und nach dieser Bestandsaufnahme über das weitere Vorgehen entscheiden“, erklärte Stadtsprecher Ingo Rous am Donnerstagnachmittag auf Anfrage.

Bäume wurden von externer Firma gefällt

Die Bäume liegen nun in großen Stapeln am Straßenrand. Wie dicht der Baumbestand einst war, kann man einige Meter weiter sehen.

Ob die Fällaktion so beabsichtigt war und warum, will man auch beim Landesbetrieb jetzt erst mal mit dem Ortstermin ermitteln. Denn die Fällarbeiten habe eine externe Firma vorgenommen, so Frank Hoffmann von der Regionalniederlassung Ruhr.

Bis zum Kreisel in Wandhofen wurden die Bäume am Straßenrand abgesägt.
Bis zum Kreisel in Wandhofen wurden die Bäume am Straßenrand abgesägt. © Heiko Mühlbauer © Heiko Mühlbauer

Den Kruses und ihren Nachbarn hilft das indes wenig. Denn selbst wenn der Landesbetrieb wieder aufforstet, wird es Jahre dauern, bis die Gehölze wieder so hoch und dicht sind wie ihre Vorgänger.

Ach ja, auch die Stadt wollte einen Baum in diesem Bereich fällen. Der sei nachweislich krank. Allerdings: Dieser Baum direkt am Wandhofener Kreisel steht noch.

In einer ersten Version dieses Textes schrieben wir „300 Meter“. Die 300 Meter stammen aus einer Pressemitteilung des Landesbetriebs zu den Gehölzpflegearbeiten. Es handelt sich bei den gefällten Bäumen allerdings um eine gut 200 Meter lange Baumreihe.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer

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