Joachim Kockelke von dem Schaufenster seines Geschäfts Ketteler, das seit Donnerstag (20.5.) mit den Räumungsverkauf-Schildern dekoriert ist. © Holger Bergmann
Räumungsverkauf

Ab in den Ruhestand: „Geschenke und Schmuck Kettler“ schließt die Pforten

Noch ein Geschäft weniger in der Innenstadt. Nach fast genau 135 Jahren Firmentradition hat „Geschenke und Schmuck Kettler“ mit dem Räumungsverkauf begonnen. Der war schon lange geplant.

Eigentlich wollte Joachim Kockelke (66) schon im vergangenen Jahr in seinen Ruhestand gehen. Doch er kam nicht dazu. Die lange Firmentradition, die Suche nach einem Nach-Mieter, Corona – das alles brachte Kockelkes Pläne durcheinander.

Denn in den Lockdowns der Corona-Krise konnte er keinen Räumungsverkauf machen. Da wäre er die Waren nicht losgeworden. Doch so langsam normalisiert sich die Lage im Einzelhandel. „Die Kunden kommen wieder, da kann der Räumungsverkauf beginnen“, sagt der Geschäftsmann.

Geimpfte, Genesene und Getestete dürfen rein

Auf die Kunden warten interessante Rabatte: Auf alle Waren gibt es einen Nachlass von 20 Prozent. Auf einzelne Waren sogar 30 oder gar 50 Prozent. Natürlich gelten die aktuellen Corona-Regeln. Geimpfte, Genesene und Getestete dürfen reinkommen. Alle anderen werden an der Tür versorgt.

Bezüglich eines möglichen Nachmieters des Ladenlokals an der Hüsingstraße nach dem Räumungsverkauf laufen derzeit Gespräche mit Interessenten, so Kockelke. Ein Aufschieben der Geschäftsschließung komme allerdings ohnehin nicht in Frage.

Joachim Kockelke möchte nicht wie seine Großmutter noch mit fast 80 Jahren im Laden stehen. „Viele unserer langjährigen Kunden sind traurig, dass Kettler nun schließt und wir wissen, welche Verantwortung wir für die Einkaufsstadt mit Herz haben“, sagt Joachim Kockelke.

Es bleibt ein Leerstand

Er hatte eigentlich gehofft, einen Leerstand seines Ladenlokals vermeiden zu können. Doch die Suche nach einem Interessenten gestaltet sich wegen der Corona-bedingt schwierigen wirtschaftlichen Lage nicht so einfach. Und eine andere Sache muss Joachim Kockelke jetzt auch noch planen: Was kommt für ihn persönlich nach Schließung des Geschäftes?

„Erstmal Urlaub mit meiner Frau“, sagt der Fast-Ruheständler. „Abstand gewinnen.“ Denn mit Corona war ausgerechnet sein letztes Jahr das heftigste in seiner Zeit als Geschäftsführer.

Keine Angst vor Langeweile

Auch für die Zeit nach dem Urlaub hat Joachim Kockelke keine Angst vor Langeweile: „Radfahren, Enkel hüten, da gibt es immer etwas zu tun.“

Joachim Kockelke führte das Geschäft in vierter Generation. Sein Urgroßvater eröffnete 1886 eine Buchbinderei. Danach wurde das Angebot von Generation zu Generation erweitert oder modifiziert, je nachdem, was die Kunden gerade nachfragten.

Vom Buchbinder zum Geschenkeladen

„Das war die Zeit, als es von jedem Gewerbe acht oder zehn Geschäfte in Schwerte gab“, sagt Joachim Kockelke. „Da musst man sich unterscheiden.“ Joachim Kockelke selbst wollte ins Baugewerbe, wollte Häuser bauen.

Doch als sein Vater starb, übernahm er das Geschäft und baute es zu dem Geschenkeladen um, den die Schwerter seit Jahren kennen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann